szmtag Schwanger operieren: Sich das Recht selbst erstreiten
ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2020Schwanger operieren: Sich das Recht selbst erstreiten
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Die Aussage des Ministeriums „Um mutterschutzgerechte und praktikable Lösungen zu finden, ist es von hoher Bedeutung, das jeweilige Fach- und Praxiswissen und die Sichtweisen der unterschiedlichen Interessengruppen angemessen zu berücksichtigen. […]“ trifft das Problem genau im Kern. Welche „Interessengruppen“ sollte es denn geben, neben der schwangeren Ärztin?

Natürlich muss Grundlage der Richtlinien zum Mutterschutz das aktuelle „Fach- und Praxiswissen“ sein. Der Ausdruck „Interessengruppen“ spiegelt aber genau die bevormundende und frustrierende Realität der aktuell existierenden Fronten wider. Auf der einen Seite die Schwangere, die ihren Beruf ausüben möchte, inklusive Unterstützung der Vorgesetzten – die nebenbei bemerkt ja auch ein gewisses Maß an „Fach- und Praxiswissen“ mitbringen – und auf der anderen Seite die Aufsichtsbehörde, die im Extremfall bar jeglichen aktuellen „Fach- und Praxiswissens“ lediglich schriftliche Vorgaben von Staatsministerien abarbeitet und individuelle Beurteilungen, die ihre Pflicht wären, schlichtweg ablehnt.

Dass die Grundlage der Entscheidung nämlich nicht „Fach- und Praxiswissen“ ist, sondern reine Willkür der Aufsichtsbehörde, lässt sich dann eben an der unterschiedlichen Beurteilung in den verschiedenen Bundesländern ersehen. Irritation und Überraschung – übrigens nicht nur aufseiten der Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin, sondern auch bei den Aufsichtsbehörden selbst – darüber, dass die Konsequenz für viele Ärztinnen weiterhin das Verschweigen der Schwangerschaft ist, halte ich dann einfach nur für scheinheilig. In wessen Interesse soll das bitte liegen?

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Natürlich ist der Arbeitskreis „Mutterschutz im Gesundheitswesen“ ein erster Schritt und wird hoffentlich einiges zur Klärung und Vereinheitlichung der Lage beitragen. Trotzdem halte ich den ständig wiederkehrenden Verweis auf den Ausschuss für Augenwischerei. Besonders im operativen Bereich wird man um individuelle Beurteilungen und Begehungen des Arbeitsplatzes nicht herumkommen.

Wir brauchen uns also keine Illusionen machen. Trotz der Beteuerungen und der blumigen Worten über Familienfreundlichkeit und Gleichstellung wird es auch weiterhin den schwangeren Frauen in Gesundheitsberufen selbst überlassen bleiben, sich das Recht, ihren Beruf trotz Kinderwunsch auszuüben, zu erstreiten.

Dr. med. Maria Grazia Nothing, 87257 Sonthofen

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