ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2020Befreiung von Schulpflicht: Nicht wegschauen
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Ich kann als Bürgerin nachvollziehen, dass das Verwaltungsgericht Regensburg das Attest des ausstellenden Arztes nicht anerkannt hat. Konsequenterweise muss die Mutter ihren Sohn zur Schule schicken.

Als Ärztin frage ich aber, ob berufsrechtliche Konsequenzen folgen, wenn einzelne Ärzte – sogar unter dem Deckmantel eines Vereines (e.V. und dadurch steuerbegünstigt?) – offensichtlich systematisch Gefälligkeitsgutachten erstellen, sei es aus finanziellen oder politischen Beweggründen. Nach § 278 StGB ist das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse strafbar, es drohen hohe Geldbußen oder sogar Haft. Ich bitte um Veröffentlichung derartiger Urteile.

Zudem ist meines Erachtens die medizinische Kenntnis der Kollegen anzuzweifeln, welche gezielt die Gefahren von COVID-19 bagatellisieren und Patienten verunsichern. Gefährlich sind auch öffentliche pauschale Verteufelungen von Impfungen und ärztliche Auftritte, zum Beispiel bei den „Querdenkern“. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, ich plädiere nicht für Zensur, wenn aber der ärztliche Status missbraucht wird, um politisches Aufsehen zu erregen und sich damit öffentlich feiern zu lassen, ist das zu beanstanden.

Ich meine, dass sorgfältig und konsequent das Strafrecht angewendet werden sollte. Auch ein Entzug der Approbation sollte bei unwürdigem Verhalten geprüft werden. Ich bitte die Kolleginnen und Kollegen, nicht aus falsch verstandener Kollegialität wegzuschauen. Das schadet der Glaubwürdigkeit der Ärzte und insbesondere unseren Patienten.

Dr. med. Eva Renckly-Senel, 30827 Garbsen

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