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ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2020Niedrigrisiko-MDS mit Ringsideroblasten: Luspatercept in der Zweitlinie

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Niedrigrisiko-MDS mit Ringsideroblasten: Luspatercept in der Zweitlinie

Schöllmann, Claudia

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Der TGF-β-Ligandeninhibitor Luspatercept kann bei Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen mit Ringsideroblasten mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko eingesetzt werden, die auf Erythropoetin nicht ansprechen.

Die Therapieoptionen für Patienten mit myelodysplastischem Syndrom mit Ringsideroblasten mit niedrigem Risiko (Niedrigrisiko-MDS) und transfusionsabhängiger Anämie waren bislang begrenzt und das Ansprechen auf Erythropoetin-(EPO-)basierte Therapien transient. Inzwischen steht für die Subgruppe transfusionsabhängiger Patienten mit Niedrigrisiko-MDS und Ringsideroblasten mit dem Transforming-Growth-Factor-β-(TGF-β-)Ligandeninhibitor Luspatercept (Reblozyl®, Celgene) eine effektive Zweitlinientherapie zur Verfügung.

Zulassungsrelevant waren die Daten der Phase-III-Studie MEDALIST. Darin hatten 229 Patienten nach 2:1-Randomisierung entweder Luspatercept (1 mg/kg s. c. alle 3 Wochen; n = 153) oder ein Placebo (n = 76) erhalten. Primärer Studienendpunkt war das Erreichen einer Transfusionsfreiheit von ≥ 8 Wochen, relevanter sekundärer Endpunkt die Transfusionsunabhängigkeit über mindestens 12 Wochen, ermittelt zwischen Woche 1 bis 24 sowie 1 bis 48.

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Wie Prof. Dr. med. Uwe Platzbecker, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hämatologie, Zelltherapie und Hämostaseologie am Universitätsklinikum Leipzig, berichtete, wurde der primäre Studienendpunkt unter Luspatercept bei 37,9 % der Patienten erreicht – verglichen mit 13,2 % unter Placebo (p < 0,0001).

Anhaltendes Ansprechen

Das Ansprechen auf Luspatercept war zudem anhaltend: Die mediane Ansprechdauer im Verumarm lag bei 30,6 Wochen versus 13,6 Wochen im Placeboarm. 40 % der Patienten, die unter Luspatercept transfusionsfrei wurden, waren dies auch noch nach 12 Monaten. Unter Luspatercept erreichte zudem ein höherer Prozentsatz an Patienten den relevanten sekundären Endpunkt Transfusionsfreiheit ≥ 12 Wochen in Woche 1 bis 24 (28 % vs. 8 % unter Placebo) sowie 1 bis 48 (33 % vs. 12 % unter Placebo; p jeweils < 0,001). Patienten, die auf Luspatercept ansprachen, erreichten einen Hämoglobinanstieg um median 2,55 g/dl. Der TGF-β-Ligandeninhibitor zeigte dabei insgesamt eine sehr gute Verträglichkeit.

Aktuelle Updates der MEDALIST-Studie, die bei der Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) 2020 präsentiert wurden, brachten weitere neue Erkenntnisse, etwa die, dass auch Patienten mit hohem Transfusionsbedarf von Luspatercept profitieren. Eine Analyse des Ansprechens bei Patienten mit hoher Transfusionslast (≥ 6 Einheiten/8 Wochen) ergab, dass auch in dieser Population der Transfusionsbedarf deutlich gesenkt werden konnte.

Insgesamt 34,8 % der betreffenden Patienten erreichten unter Luspatercept über mindestens 24 Wochen eine um mindestens 50 % reduzierte Transfusionslast gegenüber Baseline – im Vergleich zu 9,1% unter Placebo (p = 0,0063). Bei 18,2 % der Patienten reduzierte sich die Transfusionslast über mindestens 24 Wochen sogar um 75 % – verglichen mit 3,0 % unter Placebo (p = 0,0363). Allerdings wurden nur 9,1 % der mit Luspatercept behandelten und 3,0 % der mit Placebo behandelten Patienten mit anfänglich hoher Transfusionslast völlig transfusionsunabhängig.

„Patienten mit initial hohem Transfusionsbedarf erreichen selten Transfusionsunabhängigkeit, aber eine Verringerung der Transfusionsfrequenz“, fasste PD Dr. med. Klaus Metzeler, Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Klinikums der LMU München, zusammen.

Dosiseskalation vorteilhaft

Ein weiteres beim EHA-Kongress präsentiertes MEDALIST-Update erbrachte die Erkenntnis, dass das Ansprechen auf Luspatercept dosisabhängig ist und eine Eskalation der in der Studie eingesetzten Dosis von 1 mg/kg s. c. alle 3 Wochen auf 1,33 mg oder 1,75 mg das Ansprechen verbessern kann.

54,8 % der Patienten, die eine erhöhte Dosis von 1,75 mg/kg erhalten hatten, erreichten ein Ansprechen – im Vergleich zu 18,3 % der Patienten mit der Normaldosis. Vor allem Patienten mit initial hohem Transfusionsbedarf profitierten von einer Dosiseskalation (0 % Ansprechen unter Normaldosis, 33,3 % unter 1,33 mg/kg und 66,7 % unter 1,75 mg/kg). Metzelers Fazit: „Eine Dosiseskalation auf 1,33 bis 1,75 mg/kg kann das Ansprechen verbessern oder erhalten.“

Platzbecker ergänzte, dass beim Einsatz von Luspatercept im klinischen Alltag nach primärem Ansprechen und einem eingetretenen Transfusionsereignis durchaus ein weiteres Ansprechen möglich sei. In der MEDALIST-Studie hätten rund 25 % der Patienten, die primär auf Luspatercept angesprochen hatten, nach einem erlittenen Transfusionsereignis ein 2. oder 3. längeres Ansprechen gezeigt. Man solle nach einem Transfusionsereignis also „nicht die Flinte ins Korn werfen“. Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: Hämatologie Summit „Myeloische Erkrankungen, Multiples Myelom“, 4. November 2020; Unterstützt von der Celgene GmbH

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