szmtag HIV-1-Infektion: Fostemsavir könnte eine langfristige Therapieoption bei Multiresistenzen werden
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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

HIV-1-Infektion: Fostemsavir könnte eine langfristige Therapieoption bei Multiresistenzen werden

Warpakowski, Andrea

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Foto: Ezume Images/stock.adobe.com
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Fostemsavir ist ein Prodrug von Temsavir, welches direkt an die Untereinheit des viralen Glykoproteins 120 (gp120) auf der Virusoberfläche bindet. Damit blockiert Temsavir das Andocken des HI-Virus an CD4-Zellen und andere Immunzellen und verhindert die Infektion (Attachment-Inhibition). Fostemsavir soll in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten bei stark vorbehandelten Erwachsenen mit multiresistenter HIV-1-Infektion und begrenzten Therapiemöglichkeiten angewendet werden.

Dass Fostemsavir in Kombination mit einer optimierten Backgroundtherapie (OBT; 1–2 noch aktive antiretrovirale Medikamente) eine wirksame Option sein kann, belegen die 96-Wochen-Daten der Phase-3-Studie BRIGHTE.

In der noch laufenden Untersuchung wurden 371 HIV-Patienten mit versagender antiretroviraler Therapie (Viruslast ≥ 400 Kopien/ml) in 2 Gruppen eingeteilt: 272 Patienten erhielten in der randomisierten Kohorte zunächst für 8 Tage doppelblind 2 x täglich Fostemsavir oder Placebo zusätzlich zur versagenden HIV-Therapie (funktionelle Monotherapie zur Bestimmung der antiviralen Aktivität) und nachfolgend offen Fostemsavir plus OBT.

Die nichtrandomisierte Gruppe erhielt von Anfang an offen Fostemsavir (2 x täglich 600 mg) plus eine OBT, die auch weitere experimentelle Substanzen enthalten konnte.

In der randomisierten Kohorte stieg der Anteil der Patienten mit einer supprimierten Viruslast (HIV-1 RNA < 40 Kopien/ml) von 53 % zu Woche 24 auf 60 % zu Woche 96. In der nichtrandomisierten Kohorte waren es jeweils 37 % zu beiden Zeitpunkten. Der durchschnittliche Anstieg der CD4-Zellzahl von Baseline bis Woche 96 betrug 205 Zellen/μl in der randomisierten Gruppe und 119 Zellen/μl in der nichtrandomisierten Gruppe. Nur wenige Patienten, nämlich 7 %, beendeten die Studie vorzeitig wegen unerwünschter Ereignisse.

Fazit: „In Deutschland leben zurzeit circa 100 Patienten mit einer Drei-Klassen-Resistenz und Virämie trotz fortlaufender antiretroviraler Behandlung“, erläutert Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh von der Universitätsklinik Bonn. „Für diese kleine Patientengruppe ist das Zusammenstellen einer neuen, aktiven antiretroviralen Kombinationsbehandlung häufig fast unmöglich, da wegen der ausgeprägten Resistenz nur noch eine Behandlung mit neuen, aktiven Substanzen und bevorzugt mit neuem Wirkmechanismus infrage kommt.“

Damit dürfte eine Zulassung von Fostemsavir als erstem Attachmentinhibition eine wichtige neue Option für diese Patientengruppe sein. „Die mit dem Ziel der Zulassung durchgeführten Studien bei multi-resistenten Patienten belegen eindrücklich, dass wenn zumindest noch eine andere aktive Substanz mit in der neu zusammengestellten HIV-Therapie vorhanden ist, sich bei gut 60 % der behandelten Patienten dauerhaft eine Suppression der Virusvermehrung erreichen lässt“, so Rockstroh. „Die Studie zeigt aber auch, dass ohne weitere aktive Substanzen nicht mehr als ein Drittel erfolgreich supprimiert werden kann. Dies unterstreicht die auch in den europäischen EACS-Leitlinien hervorgehobene Notwendigkeit der Kombination von mindestens 2 aktiven Substanzen für einen erneuten Behandlungsversuch bei dieser Patientenpopulation. Auch wenn Fostemsavir sicherlich ein Nischenprodukt darstellt, so ist für die Patienten mit wenig verbleibenden Behandlungsoptionen die Zulassung von Substanzen mit neuen Wirkmechanismen außerordentlich zu begrüßen, um für alle HIV-Patienten weiterhin Therapieoptionen zu haben.“ Andrea Warpakowski

Lataillade M, Lalezari JP, Kozal M, et al.: Safety and efficacy of the HIV-attachment inhibitor prodrug fostemsavir in heavily treatment-experienced individuals: week 96 results of the phase 3 BRIGHTE study. Lancet HIV 2020; 7: e740–51.

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