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Coronaschutzimpfung: Ein Akt großer Solidarität

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Die Impfung gegen SARS-CoV-2 ist freiwillig. Sie dient aber nicht nur dem Selbstschutz. Mehr denn je ist gerade diese Durchimpfung ein Akt großer Solidarität mit unseren Mitmenschen. Ziel ist, dass sich idealiter 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immunisieren lassen. Das ist ein gesellschaftlicher Kraftakt, aber eben auch der entscheidende Schritt zur Normalisierung unseres gesellschaftlichen Lebens.

Die Wochen und Monate nach Freigabe der Impfstoffe werden weltweit zur wohl bisher größten logistischen Maßnahme dieses Jahrhunderts. Jenseits der komplexen Logistik und Organisation der Impfungen (Sicherung von Transport und Impfzentren, Prüfung der Impfberechtigungen und anderes mehr) steht als ein wichtiger Aspekt die vernünftige Kommunikation und Transparenz der Umsetzung. Es geht dabei um die Klärung und Beantwortung von Fragen aus der Bevölkerung, um den richtigen Umgang mit vorhandenen Sorgen und Unsicherheiten.

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Erforderlich ist also mehr als die obligatorische Aufklärung in den Impfzentren. Insbesondere den – nicht zuletzt auch aus politischen Motiven verursachten – Sorgen und Zweifeln muss durch eine sachbezogene, eventuell kampagnenstarke Aufklärung begegnet werden. Gerade auch in diesem Feld kommt insbesondere den Ärztinnen und Ärzten als Vertraute ihrer Patienten eine besondere Rolle zu.

Die Ärzteschaft, aber auch das medizinische und pflegerische Fachpersonal haben in den zurückliegenden Monaten immer wieder bewiesen, mit welcher Verantwortlichkeit bis hin zur in Kauf genommenen Selbstgefährdung sie gehandelt haben.

Die Bereitschaft, sich auch in den niedergelassenen Praxen an den Impfungen aktiv zu beteiligen, dürfte aber erst in späteren Phasen möglich werden. Die genannten Gründe dafür sind nachvollziehbar: Zum einen erfordern die Impfstoffe eine technisch aufwendige, extreme Kühlung, die nur mithilfe spezieller Technik möglich ist. Zum anderen wären niedergelassene Arztpraxen, so heißt es seitens der Politik, in der Phase noch bestehender Impfstoffknappheit schlecht gegen Anfeindungen nicht impfberechtigter Personen zu sichern. Beides, so hoffen die Planungsbeteiligten, gewährleisten Impfzentren besser. Dennoch: Die Praxen werden wohl ihren eigenen Risikopatienten durch Attest die Impfberechtigung nachweisen müssen.

All das ist Teil der in den kommenden Monaten zu gewährleistenden geordneten und sicheren Durchführung der Impfmaßnahmen, einschließlich der anfangs wegen zu knapper Impfdosen noch notwendigen sachgerechten Priorisierung.

Die den Ländern obliegende Schaffung der Impfzentren erfolgt in enger Absprache mit den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat die Aufgabe, ein einheitliches System zur Anmeldung und Terminvereinbarung einzurichten und zu betreiben. Impfstoff-Zulassungen und Umsetzungsrahmen erfolgen durch bundeseigene Einrichtungen wie Robert Koch-Institut und Paul-Ehrlich-Institut, in Absprache mit fachlichen Gesellschaften nach hierzulande üblichen geordneten Bedingungen, die der Gesetzgeber im Gesundheitswesen dafür vorgesehen hat.

Ärzteschaft und Wissenschaft haben insofern bei der Planung und Durchführung sowohl rahmensetzende wie auch koordinierende tragende Aufgaben zu bewältigen. Die Politik kann nur den Rahmen setzen.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredkakteur

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alstoeffm
am Dienstag, 15. Dezember 2020, 13:58

Vorsicht vor überzogenen/falschen Erwartungen!

In diesem Kommentar zu den Impfungen verbreiten Sie leider eine meiner Meinung nach zumindest missverständliche Aussage: Sie schreiben, dass die Impfung "nicht nur dem Selbstschutz dient" und erwähnen auch die "Durchimpfung" von 60-70% der Bevölkerung. Dies lässt sich so verstehen, dass dann durch die Impfung die vielbeschworene „Herdenimmunität“ erreicht und die Ausbreitung des Virus weitgehend gestoppt wäre.

Leider ist das aus den (mir) bisher bekannten Daten nicht ableitbar. Keine der bisherig vorliegenden klinischen Studien liefert Daten darüber, inwieweit geimpfte Menschen nach einer Infektion noch infektiös für andere sind. Als Wirksamkeitsnachweis wird in den Zulassungsstudien lediglich die Zahl der Probanden untersucht, die mit Symptomen erkranken. Die asymptomatisch Infizierten und deren mögliche Infektiosität werden nicht immer systematisch erfasst. Damit bleibt aber unklar, inwieweit (und wie lange) infizierte Probanden infektiös bleiben können, beziehungsweise inwieweit die Impfung das verhindert – was ja der entscheidende Parameter für eine Eindämmung des Virus in der Bevölkerung wäre. Ich kenne jedenfalls dazu keine entsprechenden Daten aus den Humanstudien und mir ist nicht klar, ob dazu weitere Studien schon unterwegs oder geplant sind.

Meines Wissens gibt es dazu lediglich Daten aus Tierversuchen und die sind nicht einheitlich: Die Primatenstudie für den AZ-Oxford-Impfstoff (van Doremalen2020) jedenfalls zeigt in den ersten Tagen nach Infektion keine sicheren Unterschiede im nasalen RNA load (allerdings war das Bronchialsekret deutlich weniger infektiös bei den Geimpften).
Bei der entsprechenden Biontech/Pfizer-Studie war ab Tag 3 ein deutlicher Unterschied auch im Nasenabstrich zugunsten der geimpften Tiere zu finden, was durchaus Hoffnung gibt – aber wie gesagt, ich kenne keine Human-Daten dazu.

Ich finde es wichtig, dass hier genau und kommuniziert wird: sicher ist bisher lediglich, dass die Impfung das Risiko einer symptomatischen Erkrankung sehr stark reduziert (was ja auch schon ein großer Erfolg ist). Inwieweit geimpfte Personen andere noch anstecken können, ist offen und es gibt viele Stimmen, die davon ausgehen, dass dies keine „sterile“ Impfung ist.
Ich finde, das hier keine falschen Erwartungen geweckt werden sollten - und außerdem ist dieser Punkt auch von sehr großer Bedeutung für den Alltag: solange wir das nicht sicher wissen, ist es auch nach einer Impfung weiterhin wichtig, Abstand zu halten und eine Maske zu tragen!

Dr. med. Albrecht Stöffler, Frankfurt am Main

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