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Berühmte Entdecker von Krankheiten: Johann Friedrich Horner prägte die moderne Augenheilkunde

Schuchart, Sabine

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Auch wenn er nicht als Erster die nach ihm benannte Krankheit beschrieben hat, so gehörte Horner doch Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Großen seines Fachs. Der sehr sozial eingestellte Arzt trug dazu bei, dass sich die Ophthalmologie als eigenständige Disziplin konstituierte.

Er war kein Vielschreiber. Im Laufe seines Lebens kam er auf 44 Aufsätze in Fachzeitschriften. Vielschreiber, so meinte er hintersinnig, seien fast immer schlechte Kliniker, die Krankheiten behandelten, nicht Kranke. Auch war er nicht der Erste, der das später nach ihm benannte Syndrom beschrieb. Unbestritten aber stand er Mitte des 19. Jahrhunderts mit an der Spitze der Augenheilkunde, nicht nur in der Schweiz.

Geboren wird Johann Friedrich Horner am 27. März 1831 in Zürich als zweites von sieben Kindern. Sein Vater ist praktischer Arzt am dortigen Waisenhaus. Die Einkünfte reichen kaum, um die große Familie zu ernähren. Nach der Schule beginnt Horner mit 18 das Medizinstudium. Praktische Erfahrungen sammelt er schon als Student. Aufgrund des frühen Todes seiner Eltern verdient er sich etwas Geld als ärztlicher Assistent und mit Autopsien. Im Frühjahr1854 besteht er das Medizinexamen und wird promoviert.

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Bis dahin also nichts Außergewöhnliches. Was später eine immense Bedeutung für seinen Weg als Mediziner haben wird, sind seine Begegnungen mit den besten Ärzten seiner Zeit während einer zweijährigen Bildungsreise durch Europa. In Wien anfangs noch mit Chirurgie, Hautkrankheiten und Geburtshilfe befasst, begeistert er sich bei einem Ophthalmoskop-Kurs für die Augenheilkunde. Sie wird seine Berufung. In Berlin arbeitet er in der Augenklinik von Professor Albrecht von Graefe, die Koryphäe in der Augenheilkunde. Der nur drei Jahre Ältere macht ihn zu seinem Assistenten und Klinikchef. In Paris schließlich praktiziert Horner in der Klinik des berühmten Augenchirurgen Desmarres.

Als er Ende 1855 nach Zürich zurückkehrt, bringt er die moderne Ophthalmologie mit in die Schweiz. Er lässt sich aber als praktischer Arzt, nur mit Spezialgebiet Augenheilkunde, nieder, da er befürchtet, die Stadt mit ihren damals 22 000 Menschen sei zu klein, um einen Augenarzt zu ernähren. Seine erste private Augenpatientin, die Frau eines Großindustriellen, wird acht Jahre später seine Schwiegermutter, als er die dann 18-jährige Tochter heiratet. Mit ihr wird er zwei Kinder haben. Horner habilitiert sich, er wird Privatdozent für Augenheilkunde an der Universität, behält aber seine Privatpraxis bei. Als 1862 die Professur für Chirurgie vakant wird, zu der auch die Augenheilkunde gehört, richtet die Regierung nach einigem Zögern eine zweite Stelle für die Augenheilkunde ein. Damit ist das Fach auch in der Schweiz als eigenständige Disziplin etabliert. Horner wird zum Extraordinarius berufen und Direktor einer neuen Augenklinik – zwei Krankensäle mit je zehn Betten. Elf Jahre später wird er zum Ordinarius befördert. Da betreibt er schon eine eigene Privatklinik mit doppelt so hoher Bettenzahl.

Der sehr sozial eingestellte Horner behandelt die Hälfte seiner Patienten unentgeltlich. Für den Ausgleich sorgen wohlhabende Privatpatienten, die von überall kommen. Als Mitglied im Züricher Stadtrat setzt er sich ein für bessere Hygiene an den Schulen und eine alle Stände umfassende Volksschule sowie für ein Kinderspital. 1885 tritt er, nicht mehr gesund, von seiner Professur zurück und stirbt am 20. Dezember 1886 im Alter von nur 55 Jahren an einem Hirnschlag. Aber er hinterlässt Spuren. Gegen Ende des Jahrhunderts sind vier der dann fünf ophthalmologischen Lehrstühle in der Schweiz von seinen Schülern besetzt. So gesehen ist das Eponym nicht nur die Frucht seiner Entdeckung, sondern die Anerkennung einer großen Lebensleistung. Sabine Schuchart

Foto: Wikipedia
Foto: Wikipedia

1869 beschrieb Johann Friedrich Horner (1831–1886) in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ präzise die später nach ihm benannte Trias aus Pupillen-Engstellung (Miosis), Herabhängen des oberen Augenlids (Ptosis) und Zurückweichen des Augapfels in die Orbitahöhle (Enophthalmus) als Folge der Lähmung des Sympathikusanteils, der das Auge innerviert. Horner hat das Syndrom nicht als Erster entdeckt – was er auch nie für sich beanspruchte. François Pourfour du Petit (1712), Claude Bernard (1852) sowie drei amerikanische Militärärzte (1864) hatten sich schon zuvor damit befasst. Dennoch hat sich sein Name dafür durchgesetzt, nur in Frankreich heißt es Horner-Bernard-Syndrom. Weitere Eponyme sind die sogenannten Horner-Trantas-Flecken (in der Bindehaut am Rande der Hornhaut gelegene Knötchen) sowie das Horner-Gesetz, wonach sich die „Rot-Grün-Blindheit“ rezessiv-geschlechtsgebunden vererbt.

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