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ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2020Therapie chronisch-entzündlicher Erkrankungen: Kein erhöhtes Risiko für Tb-Reaktivierung durch Interleukin-17-Inhibition

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie chronisch-entzündlicher Erkrankungen: Kein erhöhtes Risiko für Tb-Reaktivierung durch Interleukin-17-Inhibition

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: angkhan/iStock
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Interleukin-17 (IL-17) hat eine zentrale Bedeutung für die Abwehr von Pathogenen wie extra- und intrazellulären Bakterien und für die Ausbildung von Immunantworten. Zugleich ist das proinflammatorische Zytokin in die Entstehung von autoimmunen Reaktionen und sterilen chronisch-entzündlichen Prozessen involviert wie Psoriasis, Psoriasisarthritis, rheumatoide Arthritis oder Spondylitis ankylosans. IL-17 ist dadurch ein wichtiges therapeutisches Target geworden.

Für den IL-17-Inhibitor Secukinumab hatten die Daten der MEASURE-Studie ergeben, dass der Antikörper bei Patienten mit einer aktiven Spondylitis ankylosans auch in der Langzeitanwendung über 5 Jahre die Krankheitsaktivität deutlich und anhaltend reduziert (1). Potenzielles Risiko einer immunsupprimierenden oder -modulierenden Therapie allerdings ist die Reaktivierung einer Tuberkulose (Tb) oder die Aktivierung einer latenten Infektion mit Mycobacterium tuberculosis (LTBI). Dieses Risiko ist auf Basis klinischer Studien zu Secukinumab in verschiedenen Indikationen untersucht worden (2).

Es wurden die gepoolten Daten von 28 randomisierten Phase-3- oder Phase-4-Untersuchungen mit Secukinumab in den Indikationen Psoriasis (19 Studien), Psoriasisarthritis (5 Studien) oder ankylosierende Spondylitis (4 Studien) berücksichtigt. Alle Teilnehmer wurden auf Tb gescreent. Eine aktive Tb war ein Ausschlusskriterium, nicht aber eine Erkrankung oder eine LTBI in der Vergangenheit.

Die Gesamtzahl der Studienteilnehmer betrug 12 319. Von ihnen hatten 684 (5,6 %) bei der Screeninguntersuchung eine latente Tuberkulose und erhielten eine prophylaktische Therapie. Im Analysezeitraum über 5 Jahre wurde bei 13 Patienten von einer LTBI bericht, für die eine Assoziation mit Secukinumab vermutet wurde (0,1 %).

Bei 6 dieser Patienten war bereits in der Vergangenheit eine LTBI festgestellt worden, bei 7 Patienten war die LTBI-Diagnose neu. 4 dieser Neudiagnosen betrafen Patienten mit Psoriasis, 1 Patient war wegen Psoriasisarthritis behandelt worden und 2 wegen Spondylitis ankylosans.

Keiner von den 13 Studienteilnehmern mit einer LTBI hatte eine infektiöse, offene Tuberkulose und bei lediglich einem der LTBI-Patienten wurde die Behandlung wegen der M.- tuberculosis-Infektion unterbrochen.

Fazit: Die Aktivierung einer latenten M.-tuberculosis-Infektion während der Therapie mit dem Anti-IL-17-Antikörper Secukinumab ist ein sehr seltenes Ereignis. Sofern es im Rahmen von Studien auftrat, entwickelte sich keine ansteckende Form der Tb. Secukinumab könne langfristig sicher angewendet werden, so das Resümé der Autoren. Bei Patienten mit klinisch relevanten, aktiven Infektionen wie einer aktiven Tuberkulose ist Secukinumab kontraindiziert.Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Marzo-Ortega H, Sieper J, Kivitz AJ, et al.: 5-year efficacy and safety of secukinumab in patients with ankylosing spondylitis: end-of-study results from the phase 3 MEASURE 2 trial. Lancet Rheumatol 2020; 2: e339–46.
  2. Elewski BE, Baddley JW, Deodhar AA, et al.: Association of secukinumab treatment with tuberculosis reactivation in patients with psoriasis, psoriatic arthritis, or ankylosing spondylitis. JAMA Dermatol 2020. DOI:10.1001/jamadermatol.2020.3257.

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