szmtag Endoprothetik: Irrweg

BRIEFE

Endoprothetik: Irrweg

Haaker, Rolf

Obwohl das Angebot an Standardknieprothesen breit gefächert ist, gibt es dennoch nicht für jeden Patienten eine optimale Lösung. Modelle aus dem 3-D-Drucker, passgenau gefertigt, sollen diesem Dilemma abhelfen. Implantierte Sensoren könnten zudem helfen, die Nachsorge zu verbessern (DÄ 44/2020: „Passgenaue Kniegelenke aus dem 3-D-Drucker“ von Achim Viktor et al.).
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In dem Beitrag wird der Eindruck erweckt, dass individuell geplante Knieprothesen mit individuell geplantem Instrumentarium die bessere Versorgung darstellen, da diese passgenau für den jeweiligen Patienten angefertigt werden. Diesen Irrweg ist man bereits vor 20 Jahren in der Hüftendoprothetik gegangen, wo sogenannte CRD-gefräste Schaftsysteme im Eingangsbereich des Operationssaals speziell für den Patienten hergestellt wurden. Weder eine längere Standzeit dieser Prothesensysteme noch eine bessere Funktion konnte bisher bewiesen werden. Im eigenen Haus wurde eine Studie (vor Publikation) mit 30 Individualmonoschlitten-Prothesen gegen 50 Standardmonoschlitten-Prothesen, ebenfalls mit seitendifferenter Femurkomponente, durchgeführt. Hier zeigte sich sogar ein Knee Scociety Score, der signifikant bessere Ergebnisse für das Serienprodukt lieferte. Im Übrigen ist den Aussagen des Kollegen Prof. Dr. med. J. Grifka aus Bad Abbach weitestgehend zuzustimmen. Die Individualprothese duldet keine Abweichung von der präoperativen Planung. Sollte die Realsituation nach Eröffnung des Kniegelenkes Änderungen zur präoperativ durchgeführten Computertomografie aufweisen bezüglich Bandstabilität oder Anatomie, gibt es keine Ausweichmöglichkeiten wie bei der Serienprothese, abgesehen von unterschiedlichen mitgelieferten Onlayhöhen. Im Übrigen besteht gerade in der Knieendoprothetik zurzeit eine deutliche Diskussion über die anzustrebende Beinachse (Kinematisches Alignment) bzw. die Positionierung der Implantate. Dem Autor ist offensichtlich ebenfalls entgangen, dass einige Modelltypen der Individualprothetik bereits vom Markt genommen wurden. Das Verfahren als kostengünstiger zu bezeichnen, ist bei etwa drei mal höheren Implantat- und Instrumentariumkosten verglichen zu Standardprothesen sicherlich ebenfalls weit hergeholt. Der einzige Vorteil, den dieser Endoprothesentyp gebracht hat, ist, dass z. B. Monoschlittenprothesen zur seitengleichen Verwendung in den Hintergrund getreten sind, ähnlich wie Mobile-bearing-Systeme, da offensichtlich eine bessere Abdeckung der Kondylenoberflächen im Kniegelenksbereich durch Links-/Rechtsvarianten erreicht wird.

Prof. Dr. med. Rolf Haaker, 33034 Brakel

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