szmtag Chronische Herzerkrankung bei Patienten mit Diabetes: Dapagliflozin verhindert Verschlechterung einer chronischen Herzinsuffizienz
ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2020Chronische Herzerkrankung bei Patienten mit Diabetes: Dapagliflozin verhindert Verschlechterung einer chronischen Herzinsuffizienz

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Herzerkrankung bei Patienten mit Diabetes: Dapagliflozin verhindert Verschlechterung einer chronischen Herzinsuffizienz

Gerste, Ronald D.

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Große klinische Studien haben gezeigt, dass Inhibitoren von Natrium-Glukose-Cotransporter 2 (SGLT2) bei Patienten mit Typ-2- Diabetes-mellitus das Risiko einer Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz senken. Zusätzlich zu den diuretischen und hämodynamischen Wirkungen der SGLT2-Inhibitoren werden positive Einflüsse auf den myokardialen Metabolismus und die Gefäßfunktion diskutiert. Zusammen mit der Stabilisierung der Nierenfunktion könnte dieser Effekt der Substanzklasse auch Patienten mit bestehender Herzinsuffizienz zugutekommen, auch ohne Diabetes mellitus.

Diese Möglichkeit ist in der prospektiven Phase-3-Studie DAPA-HF geprüft worden. 4 744 Patienten mit Herzinsuffizienz und einer Auswurffraktion von < 40 % wurden in 2 Gruppen randomisiert: Sie erhielten den SGLT2-Inhibitor Dapagliflozin in einer Dosierung von 10 mg täglich oder ein Placebo. Das in Europa zugelassene Medikament bewirkt bei erhöhten Blutzuckerwerten eine erhöhte Glukoseausscheidung über die Niere. Unter den Studienteilnehmern lag in beiden Gruppen bei je 42 % ein Typ-2- Diabetes-mellitus in der Anamnese vor, bei weiteren je 3 % wurde während der Rekrutierung ein Diabetes mellitus diagnostiziert.

Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 18,2 Monaten trat der primäre Endpunkt, eine Verschlechterung der kardialen Situation mit Aufsuchen einer Notfalleinrichtung oder ungeplante Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz oder Herztod bei 16,3 % der Patienten in der Dapagliflozin-Gruppe und bei 21,2 % der Patienten unter Placebo ein, wofür eine Hazard Ratio (HR) von 0,74 ([95-%-Konfidenzintervall] [0,65; 0,85]; p < 0,0001) für die Dapagliflozin-Einnahme errechnet wurde.

Zu einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz kam es bei 10,0 % in der Dapagliflozin-Gruppe und bei 13,7 % in der Placebogruppe (HR: 0,70 [0,59; 0,83]), zu einem Ableben aus kardiovaskulärer Ursache in 9,6 % bzw. in 11,5 % (HR: 0,82 [0,69; 0,98]). In diesen Ergebnissen unterschieden sich Patienten mit Diabetes nicht von denen ohne die Stoffwechselerkrankung.

Fazit: „Die DAPA-HF-Studie zeigte erstmals, dass SGLT2-Inhibitoren auch bei schon bestehender Herzinsuffizienz hoch effektiv sind, und zwar unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes“, erklärt Prof. Dr. med. Werner A. Scherbaum, CardioCentrum Düsseldorf. „Mit einer Number Needed to Treat von 21 über den kurzen Zeitraum von 18 Monaten liegt der Effekt von Dapagliflozin auf die Verhinderung einer Progression der Herzinsuffizienz oder eines Herztods in der Größenordnung der Statine beim chronischen Koronarsyndrom. Das ist vor allem auf dem Hintergrund interessant, dass Patienten in dieser Studie bereits mit ACE-Hemmern bzw. AT1-Rezeptorblockern (84 %), Betablockern (96 %), Mineralkortikoidantagonisten (71 %) und zum Teil auch mit Sacubitril/Valsartan (11 %) behandelt waren. Der positive Einfluss von Dapagliflozin auf die bei der Herzinsuffizienz oft stark beeinträchtigte Lebensqualität ist nicht weniger beeindruckend“, so Scherbaum.

Außerdem sei in der Studie auch der für SGLT2-Inhibitoren bekannte positive Effekt auf die Protektion der Nierenfunktion zu verzeichnen. „Nachdem die SGLT2-Hemmer in den internationalen Diabetesleitlinien der US-amerikanischen und europäischen Diabetesgesellschaften bereits als Mittel der Wahl zur Therapie des Typ-2-Diabetes mit Komorbidität ‚Herzinsuffizienz‘ festgelegt worden sind, werden sie in Zukunft auch bei Patienten ohne Diabetes in der Behandlung der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion einen festen Platz in der Basistherapie einnehmen, neben Sacubitril/Valsartan, Betablockern und Mineralokortikoid-Antagonisten.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

McMurry JVV, Solomon SD, Inzucchi SE, et al.: Dapagliflozin in patients with heart failure and reduced ejection fraction. N Engl J Med 2020; 381: 1995–2008.

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