szmtag Typ-2-Diabetes und chronische Niereninsuffizienz: Finerenon verzögert Progress der Nierenerkrankung und wirkt kardioprotektiv
ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2020Typ-2-Diabetes und chronische Niereninsuffizienz: Finerenon verzögert Progress der Nierenerkrankung und wirkt kardioprotektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes und chronische Niereninsuffizienz: Finerenon verzögert Progress der Nierenerkrankung und wirkt kardioprotektiv

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: rasi/stock.adobe.com
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Finerenon ist ein nicht steroidaler, selektiver Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist. Vor einigen Jahren war bereits in einer prospektiv randomisierten Phase-3-Studie belegt worden, dass Finerenon bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Albuminurie die durchschnittliche Proteinausscheidung über den Urin vermindert (1). Allerdings hatte der Studienzeitraum nur 90 Tage betragen. In der FIDELIO-DKD-Studie sind nephro- und kardioprotektive Effekte über einen längeren Zeitraum untersucht worden (2).

In der prospektiv randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden Phase-3-Studie sind 5 734 Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (CKD) in 2 Therapiearme randomisiert worden: Finerenon 10–20 mg am Tag (oral ein Mal täglich) mit der Möglichkeit, die Wirkstoffmenge innerhalb dieses Dosisbereichs an Laborwerte wie den Kaliumgehalt im Blut anzupassen, oder Placebo. Die Studienteilnehmer hatten einen Albumin-Kreatinin-Quotienten von 30 bis < 300 (mg Albumin, g Kreatinin), eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von ≥ 25 bis < 60 mL/Min/1,73 m2 und eine diabetische Retinopathie oder – alternativ – eine Albumin-Kreatinin-Ratio von 300 bis 5 000 und eine eGFR von ≥ 25 bis < 75 mL/Min/1,73 m2. Alle Patienten erhielten RAS-Blocker.

Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zu einem nephrologischen Ereignis wie Nierenversagen (Dialysepflichtigkeit, Nierentransplantation), eine anhaltende Reduktion der eGFR um mindestens 40 % vom Ausgangswert oder Tod durch Nierenversagen. Der wesentliche sekundäre Endpunkt bestand ebenfalls aus dem Parameter „Zeit bis zum Ereignis“, bezog sich aber auf kardiale Ereignisse wie tödlicher oder nichttödlicher Herzinfarkt oder stationäre Aufnahme wegen Herzversagens.

Nach einem medianen Follow-up von 2,6 Jahren trat der primäre Endpunkt bei 504 von 2 833 ausgewerteten Teilnehmern in der Verumgruppe auf (17,8 %) und bei 600 von 2 841 Teilnehmern im Placeboarm (21,1 %; Hazard Ratio [HR]: 0,82 [95-%-Konfidenzintervall] [0,73; 0,93]; p = 0,001), ein hoch signifikanter Unterschied zugunsten von Finerenon. Aus der absoluten Differenz von 3,4 Prozentpunkten nach 3 Jahren folgt, dass statistisch 29 Patienten mit Finerenon behandelt werden mussten, um 1 Ereignis des primären Endpunkts zu verhindern (Number needed to treat: 29).

Ereignisse des sekundären Endpunkts gab es bei 367 Patienten (13,0 %) unter Verum und bei 420 Teilnehmern der Placebogruppe (14,8 %; HR: 0,86 [0,75; 0,99]; p = 0,03), auch dies eine signifikante Differenz. Unerwünschte Effekte waren in beiden Studiengruppen vergleichbar häufig, mit Ausnahme allerdings der Hyperkaliämie: Im Finerenon-Arm mussten 2,3 % der Patienten die Therapie deshalb abbrechen, unter Placebo nur 0,9 %.

Fazit: Der Nutzen, der sich mit Finerenon bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem Risiko für renale und kardiovaskuläre Komplikationen aus der FIDELIO-DKD-Studie ableiten lasse, sei klinisch bedeutend, so die Autoren, und zwar auch deshalb, weil er auf Basis einer leitliniengerechten Standardtherapie erzielt worden sei. Ein Effekt auf renale Ereignisse sei nach circa 12 Monaten erkennbar geworden, auf kardiovaskuläre Ereignisse aber schon nach circa 1 Monat.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Bakris GL, Agarwal R, Chan JC, et al.: Effect of finerenone on albuminuria in patients with diabetic nephropathy: a randomized clinical trial. JAMA 2015; 314: 884–94.
  2. Bakris GL, Agarwal R, Anker SD, et al.: Effect of finerenone on chronic kidney disease outcomes in type 2 diabetes. N Engl J Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2025845.

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