szmtag GOÄ-Ratgeber: Zum Ansatz der Nrn. 27 und 11 GOÄ
ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2020GOÄ-Ratgeber: Zum Ansatz der Nrn. 27 und 11 GOÄ

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GOÄ-Ratgeber: Zum Ansatz der Nrn. 27 und 11 GOÄ

Gorlas, Stefan

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Im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens bei einer Lan­des­ärz­te­kam­mer tritt die Frage auf, ob die Nr. 11 GOÄ („Digitaluntersuchung des Mastdarms und/oder der Prostata“) neben der Nr. 27 GOÄ („Untersuchung einer Frau zur Früherkennung von Krebserkrankungen der Brust, des Genitales, des Rektums und der Haut – einschließlich Erhebung der Anamnese, Abstrichentnahme zur zytologischen Untersuchung, Untersuchung auf Blut im Stuhl und Urinuntersuchung auf Eiweiß, Zucker und Erythrozyten, einschließlich Beratung“) berechnet werden kann.

Gemäß den Anmerkungen zur Nr. 28 GOÄ („Untersuchung eines Mannes zur Früherkennung von Krebserkrankungen des Rektums, der Prostata, des äußeren Genitales und der Haut – einschließlich Erhebung der Anamnese, Urinuntersuchung auf Eiweiß, Zucker und Erythrozyten sowie Untersuchung auf Blut im Stuhl, einschließlich Beratung –“) in der Verordnung ist neben letzterer Gebührenposition der Ansatz der Nr. 11 GOÄ ausgeschlossen. Dieser Ausschluss ist jedoch in den Anmerkungen zur Nr. 27 GOÄ nicht aufgeführt. Der GOÄ-Kommentar von Brück und Nachfolgern (Deutscher Ärzteverlag) vertritt hierzu die Auffassung, dass es sich um ein redaktionelles Versehen des Verordnungsgebers handelt und insofern eine rektal-digitale Untersuchung im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung nach der Nr. 27 GOÄ nicht zusätzlich über die Nr. 11 GOÄ berechnungsfähig ist. Demgegenüber vertritt der Kommentar von Hoffmann (Kohlhammer Verlag) die gegenteilige Auffassung und verweist hierzu auf die Krebsfrüherkennungsrichtlinie im vertragsärztlichen Bereich, allerdings in der Fassung vom 8. November 2017.

In der Tat lehnen sich die Leistungen nach den Nrn. 27 und 28 GOÄ unstrittig an die Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen im vertragsärztlichen Bereich an. Zieht man nun die zum Zeitpunkt der Verabschiedung der derzeit gültigen GOÄ (inklusive der Nrn. 27 und 28) am 12. November 1982 relevanten Krebsfrüherkennungsrichtlinien vom 8. Oktober 1976 mit Änderung vom 26. Februar 1982 heran, so dienen die nach diesen durchzuführenden Maßnahmen bei Frauen von Beginn des 45. Lebensjahres an zusätzlich der Früherkennung von Krebserkrankungen des Rektums und des übrigen Dickdarms, bei Männern ab dem gleichen Zeitpunkt unter anderem der Früherkennung von Krebserkrankungen des Dickdarms. In den Krebsfrüherkennungsbögen ist für Frauen ab dem 45. Lebensjahr und für Männer (für die alle Krebsfrüherkennungsmaßnahmen ab dem gleichen Zeitpunkt gelten) explizit die rektal-digitale Untersuchung aufgeführt. Daraus lässt sich folgern, dass der Verordnungsgeber seinerzeit davon ausgegangen ist, dass auch in der Leistung nach Nr. 27 GOÄ ab dem 45. Lebensjahr die rektal-digitale Untersuchung inkludiert ist und insofern die Nr. 11 GOÄ ab diesem Alter nicht neben der Nr. 27 GOÄ im Rahmen einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung berechnungsfähig ist.

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Dr. med. Stefan Gorlas

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