ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Nachfolgeregelungen: Planend vorbeugen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Nachfolgeregelungen: Planend vorbeugen

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-627 / B-525 / C-502

Seibert, Holger

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LNSLNS Psychologische und sachliche Hemmnisse auf dem Weg zur gelungenen Erb- und Nachfolgeregelung

Dass die Erb- und Nachfolgeplanung im Privatleben und im Beruf rechtzeitig beginnen muss, ist scheinbar durchgängig akzeptiert - und trotzdem geschieht in der Praxis oft wenig bis nichts. Das hat meist psychologische Gründe. Im Einzelnen lassen sich vier immer wiederkehrende psychologische Barrieren und ein sachliches Hindernis ausmachen.
Das erste psychologische Hemmnis für die Regelung der eigenen Erbfolge ist naheliegend: Ausgangspunkt jeder Überlegung in diese Richtung ist der eigene Tod - und wer denkt daran schon gerne? Hinzu kommt zweitens, dass der Betroffene seine Beziehungen zu den Familienmitgliedern und sonstigen als Erben und/oder Nachfolgern in Betracht kommenden Menschen aufarbeiten und durch die angestrebte Regelung zu einem Teil publik machen muss - oft eine höchst unangenehme Aufgabe.
Eine dritte Barriere ist es gerade für jüngere Erblasser, die Entwicklungen vorauszusehen und entsprechend vorzusorgen. Ein viertes Hemmnis besteht schließlich darin, dass es nahezu allen potenziellen Erblassern schwer fällt, sich schon zu Lebzeiten von einem gewissen Teil ihres Einflusses und ihres Vermögens zu trennen.
Alle vier Aspekte stellen Sorgen und Nöte dar, die berechtigt, aber bei richtiger Gestaltung der Erbfolge und Unternehmensnachfolge zu bewältigen sind. Den richtigen Berater für eine erfolgreiche Planung und Umsetzung der Erb- und Nachfolgeregelung zu finden ist oft nicht leicht. Gelungene Erbfolgeplanungen verlangen ein echtes Vertrauensverhältnis der Beteiligten. Der potenzielle Erblasser muss sich seinem Berater gegenüber weitgehend öffnen, denn vielfach müssen sehr persönliche Überlegungen im Verhältnis zur Ehefrau, zu den Kindern, Verwandten und Geschäftspartnern erörtert werden. Im Gegenzug erfordern die Aufgaben des Beraters ein sicher überdurchschnittliches Einfühlungsvermögen, um auch psychologisch die sachgerechten Lösungswege und Lösungsansätze zu finden.
Hinzu kommt schließlich, dass ein geeigneter Berater ein mehrere Gebiete umfassendes Spezialwissen braucht. Die Probleme liegen nämlich nicht alleine im Erb- und Erbschaftsteuerrecht, sondern auch im Schenkungsrecht, im Familienrecht, im Einkommensteuerrecht, im Umsatzsteuerrecht und, wenn Unternehmen zur Erbmasse gehören, vor allem auch im Gesellschaftsrecht. Es ist daher nicht immer empfehlenswert, den vielleicht in ganz anderer Richtung spezialisierten Hausanwalt oder den eigenen Steuerberater zu beauftragen.
Angesichts dieser Hemmschwellen und der verbreiteten Unkenntnis über die Gestaltungsalternativen und echten Gewinn- und Ersparnismöglichkeiten einer sachgerechten Regelung kapitulieren die meisten schon
früh getreu dem Grundsatz: "Nach mir die Sintflut." Dabei gehören insbesondere Nachfolgeregelungen zur wirklichen Vollendung des Lebenswerks.
Nach einer akuraten Analyse der Ausgangslage lassen sich die psychologischen und sachlichen Probleme mit dem erforderlichen Fingerspitzengefühl, der notwendigen Sachkunde und etwas Geduld angemessen lösen. Der Familie winken zudem echte Steuerersparnisse, die eine Auszehrung des Vermögens verhindern. Wer dagegen vor den Barrieren kapituliert, hinterlässt in der Regel einen menschlichen und wirtschaftlichen Scherbenhaufen. Menschlich, weil Ehegatten und Kinder dann oft gezwungen sind zu entscheiden, ob sie trotz ihrer Verbundenheit mit dem oder der Verstorbenen ein völlig misslungenes Testament anfechten oder das Erbe nicht antreten und stattdessen den Pflichtteil verlangen sollen. Und wirtschaftlich, weil berufliches und privates Vermögen wegen der nicht beseitigten rechtlichen Unsicherheiten gefährdet wird, weil hohe Erbschaft- und Schenkungsteuern anfallen und weil häufig ungewollt und vermeidbar Einkommen- oder Umsatzsteuerlasten entstehen.
Diese Folgen relativieren auch das Kostenargument bei der Entscheidung über die Hilfe externer Berater. Sicherlich kostet eine sachgerechte und vielleicht aufwendig ausgeklügelte Nachfolgeregelung Geld in Form von

Beraterhonoraren und Notariatskosten. Meistens liegen diese Honorare jedoch zwischen 0,3 und vier Prozent des Wertes des zu übertragenden Vermögens - mit stark sinkender Tendenz bei großen Vermögen. Zerstrittene Familien dagegen wenden oft bis zum Zehnfachen dieses Betrages an Gerichts- und Anwaltskosten auf, um die unliebsamen Folgen einer unterbliebenen oder nicht sachgerechten Erbfolgeplanung zu beseitigen. Auch in dieser Beziehung gilt also: "Planend vorbeugen ist besser als nachträglich im Streit reparieren!"
RA Dr. Holger Seibert, Stuttgart

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