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ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2020ADHS bei Erwachsenen: Multimodale Therapie wirkt

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ADHS bei Erwachsenen: Multimodale Therapie wirkt

Vetter, Christine

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Liegt bei Erwachsenen mit ADHS eine relevante Beeinträchtigung in verschiedenen Lebensbereichen vor, ist eine Pharmakotherapie indiziert. Die besten Therapieergebnisse sind mit Methylphenidat in Kombination mit psychotherapeutischen Interventionen zu erreichen.

Erwachsene Patienten mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden üblicherweise nicht wegen der störungsbedingten Symptome in der Praxis vorstellig. Sie kommen laut Dr. rer. nat. Mona Abdel-Hamid, Psychologische Psychotherapeutin, Göttingen, in aller Regel erst, wenn sich im Zuge der Erkrankung erhebliche Konsequenzen im beruflichen wie auch im privaten Leben entwickelt haben.

So kann es aufgrund der leichten Ablenkbarkeit und der niedrigen Reizschwelle der Betroffenen zu Schwierigkeiten mit der Organisation, der Planung und der Erledigung von Aufgaben kommen. Und auch eine mangelnde Impulskontrolle der ADHS-Betroffenen kann zu Problemen am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld führen. Die Konsequenzen sind nicht selten drastisch: Es drohen häufige Jobwechsel, Scheidungen und es kommt vermehrt zu Unfällen. ADHS bei Erwachsenen als Ursache solcher Probleme zu erkennen, kann eine medizinische Herausforderung darstellen. Eine Indikation zur Behandlung besteht, wenn Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen und/oder ein hoher Leidensdruck des Patienten zu erkennen sind.

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Therapie bei Erwachsenen

Auch bei der Behandlung Erwachsener mit ADHS ist Methylphenidat (MPH; z. B. Medikinet adult, Medice) das Mittel der Wahl. „Die Erfolgschancen sind entsprechend den Daten der COMPAS-Studie am besten in Kombination mit einer psychotherapeutischen Intervention“, berichtete PD Dr. med. Bernhard Kis, Chefarzt am St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern, Hattingen, bei einem virtuellen Symposium von Medice anlässlich des diesjährigen DGPPN-Kongresses.

Die Wirksamkeit von MPH beim adulten ADHS wurde nach Kis in der COMPAS-Studie belegt, einer prospektiven, randomisierten, multizentrischen Studie mit 433 erwachsenen ADHS-Patienten. Diese wurden in 4 Studiengruppen behandelt, entweder mittels eines individuellen klinischen Managements/Coaching (CM) oder mit einer gruppenbasierten kognitiven Verhaltenstherapie (GPT) oder jeweils mit einem der beiden Verfahren in Kombination mit MPH.

Nach 52 Wochen zeigte sich in allen 4 Behandlungsarmen eine deutliche Besserung, wobei die besten Therapieeffekte laut Kis in den beiden Patientengruppen mit MPH beobachtet wurden. Es machte dabei keinen Unterschied, ob die Patienten zusätzlich eine GPT oder CM erhielten.

Inzwischen liegen nach Kis auch die Ergebnisse einer anschließenden Sicherheitsanalyse zu MPH anhand der Daten der COMPAS-Studie vor. Wie erwartet kam es unter der Pharmakotherapie zu einer signifikant höheren Nebenwirkungsrate als in den beiden Patientengruppen, die mittels psychotherapeutischer Interventionen und Placebo behandelt worden waren. Die meisten Nebenwirkungen waren dabei eher mild und vorübergehend.

Am häufigsten wurde ein verminderter Appetit unter MPH (22 vs. 3,8 %) berichtet, gefolgt von Mundtrockenheit (15 vs. 4,8 %) und Herzklopfen (13 vs. 3,3 %). Weitere unerwünschte Reaktionen unter MPH waren Magen-Darm-Infektionen (11 vs. 4,8 %), Agitiertheit (11 vs. 3,3 %) und Ruhelosigkeit (10 vs. 2,9 %). Ferner kam es unter der Therapie mit MPH häufiger zu starkem Schwitzen, Tachykardie und Gewichtsabnahme (alle 6,3 vs. 1,9 %) sowie Depressionen und Grippe (beide 4,9 vs. 1,0 %) . In beiden Placebogruppen waren hingegen Synkopen signifikant häufiger als unter MPH (2,4 vs. 0 %).

Leichte Veränderungen zeigten sich auch bei den Vitalparametern: So stieg der systolische Blutdruck unter MPH im Mittel um 1,1 mmHg und der diastolische Blutdruck um 1,3 mmHG. Die Herzfrequenz nahm um 3,3 Schläge pro Minute zu.

Behandelbare Nebenwirkungen

Die unerwünschten Ereignisse konnten, so Kis, im Allgemeinen durch eine Dosisreduktion oder ein zeitweises Absetzen der Medikation gut behandelt werden. Schwere unerwünschte Ereignisse, beispielsweise eine Klinikeinweisung oder ein Therapieabbruch aufgrund einer Nebenwirkung, waren nach Angaben des Mediziners selten und es fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen den verschiedenen Studiengruppen.

Die Studienbefunde untermauern insgesamt die Bedeutung der multimodalen Therapie des adulten ADHS. Psychotherapeutische Interventionen sind laut Abdel-Hamid angezeigt, wenn die Patienten eine nur milde Symptomatik aufweisen, entsprechend den COMPAS-Daten auch in Kombination mit einer Pharmakotherapie. Eine besondere Bedeutung hat die Psychotherapie, wenn durch medikamentöse Behandlung nur eine Teilremission erzielt wird oder die Patienten auf die Medikation nicht ansprechen oder diese ablehnen. Christine Vetter

Quelle: Virtuelles Symposium „Adulte ADHS: Sie fragen – wir antworten. Wie sicher ist Methylphenidat? Wovon profitieren Patienten? Die COMPAS-Studie als Wegweiser“, 27. November 2020; Veranstalter: Medice

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