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ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2020Metabolisches Risiko: COVID-19-Mortalität bei Hyperglykämie auch ohne Diabetes erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metabolisches Risiko: COVID-19-Mortalität bei Hyperglykämie auch ohne Diabetes erhöht

Meyer, Rüdiger

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Foto: antoniotruzzi/stock.adobe.com
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Eine Hyperglykämie bei der Aufnahme ins Krankenhaus ist bei COVID-19 ein prognostisch ungünstiges Zeichen. Das Sterberisiko ist einer Analyse spanischer Patienten zufolge auch dann erhöht, wenn die Patienten vor der Infektion nicht an einem Typ-2-Diabetes litten.

Schon früh im Verlauf der Pandemie wurde erkannt, dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko haben. Die Gründe dafür sind bis heute nicht bekannt. Vermutet wird, dass das Virus das endokrine Pankreas infiziert und die Betazellen schädigt. Diese Zellen tragen auf ihrer Oberfläche den ACE2-Rezeptor, über den das Virus in die Zellen gelangt. Auch die starke Entzündungsreaktion, zu der es bei einem schweren Verlauf von COVID-19 kommt, könnte zu einer Insulinresistenz führen. Schließlich könnte die Hypoxie infolge der Lungenentzündung und der Mikrothromben in den kleineren Lungenarterien für den gestörten Glukosestoffwechsel verantwortlich sein.

Francisco Javier Carrasco-Sánchez vom Hospital Universitario Juan Ramón Jiménez in Huelva und seine Mitarbeiter haben jetzt die Daten von 11 312 Patienten des SEMI-COVID-19-Registers ausgewertet, an dem sich 109 Kliniken beteiligen. Von den Patienten, die bei der Aufnahme in der Klinik einen Blutzucker von über 180 mg/dl hatten, sind laut der Analyse 41,1 % gestorben. Bei den Patienten mit einem Blutzucker zwischen 140 und 180 mg/dl betrug das Sterberisiko 33,0 % gegenüber nur 15,7 % in der Gruppe mit einem niedrigeren Blutzucker unter 140 mg/dl.

Auch für die Aufnahme auf eine Intensivstation (11,4 %, 10,6 % und 7,5 %) und die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung (16,1 %, 14,3 % und 9 %) ließ sich eine dosisabhängige Beziehung nachweisen, die in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität ist.

Fazit: Es wird vermutet, dass nicht die Tatsache einer Vorerkrankung, sondern die akute Störung des Glukosestoffwechsels eine schlechte Prognose anzeigt. Denn interessanterweise bestand die Assoziation auch bei Patienten, bei denen vor der Aufnahme in die Klinik kein langfristiger Diabetes bekannt war. Ob eine aggressive Senkung des Blutzuckers einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung hat, wurde laut Carrasco-Sánchez bisher nicht untersucht. Rüdiger Meyer

Carrasco-Sánchez FJ, et al.: Admission hyperglycaemia as a predictor of mortality in patients hospitalized with COVID-19 regardless of diabetes status: data from the Spanish SEMI-COVID-19 Registry. Ann Med 2021; 53 (1): 103–16.

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