ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Carvedilol: Kombinierte Blockade von Rezeptoren

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Carvedilol: Kombinierte Blockade von Rezeptoren

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-628 / B-514 / C-485

Bischoff, Martin

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LNSLNS Nach den Kriterien von "Evidence Based Medicine" wird immer deutlicher, welche Substanzen sich auf kardio- und zerebrovaskuläre Morbidität und Mortalität von Hypertonikern günstig auswirken, sagte Prof. Jürgen Scholze (Berlin) im Rahmen der 23. Wissenschaftlichen Tagung der Deutschen Hochdruckliga. Erwiesen ist dies für Diuretika, Betablocker und ACE-Hemmer, die als Mittel der Wahl bei Hypertonikern unter 65 Jahren eingesetzt werden sollten. Für die Blutdrucksenkung des älteren Patienten eignen sich Diuretika, Betablocker und Kalziumantagonisten. Betablocker, die in den Therapie-Empfehlungen für beide Altersgruppen enthalten sind, senken die zerebrovaskuläre Mortalität um rund 40 Prozent, die koronare um zehn Prozent. Außerdem bieten sich Betablocker nach Scholze vor allem bei den Patienten an, die neben Bluthochdruck durch eine erhöhte Herzfrequenz oder KHK gefährdet sind oder einen Myokardinfarkt erlitten haben. "Hypertoniker liegen mit ihrer Herzfrequenz um etwa fünf Schläge pro Minute höher als die Normalbevölkerung", so Scholze. Diese erhöhte Frequenz sei Ausdruck des gestörten sympathovagalen Gleichgewichts und müsse vermieden werden, da sie sich lebensverkürzend auswirkt. Scholze plädierte deshalb dafür, mit einem Betablocker, Moxonidin oder Verapamil, die Herzfrequenz in den Bereich zwischen 55 und 75 Schlägen/ min zu senken. Das Problem der Betablocker sind Nebenwirkungen, die sich gerade bei jüngeren Patienten negativ auf die Lebensqualität und damit auf die Compliance auswirken können. Durch die Kombination der Blockade von Alpha- und Betarezeptoren ließen sich, so Scholze, Nachteile wie Durchblutungs- und Potenzstörungen oder Leistungsinsuffizienz vermeiden.
Vasodilatation
Carvedilol (Dilatrend®) stellt ein derartiges Fixkombipräparat dar. Der postsynaptische Alpha-Blocker-Anteil sorgt für eine wirksame periphere Widerstandssenkung, verbessert die Insulinsensitivität und das Lipidprofil. Als Folge der Vasodilatation leiden die Patienten unter Carvedilol deutlich weniger häufig unter kalten Extremitäten, außerdem verbessert sich die Hämodynamik der Arteria carotis, ein Vorteil speziell für ältere Patienten. In großen Interventionsstudien wie HOT, CAPPP, UKPDS und SYST-EUR waren Typ-2-Diabetiker diejenigen, die durch die konsequente Kontrolle ihres Blutdrucks ihr kardiales und zerebrovaskuläres Risiko besonders stark senken konnten. Allerdings waren in der UKPD-Studie nichtselektive sowie beta-1-selektive Betablocker auch verantwortlich für die im Vergleich zum ACE-Hemmer größere Gewichtszunahme, schlechtere Stoffwechsel-Einstellung und geringere Compliance. Wie Dr. Stephan Jacob (Tübingen) berichtete, benötigten Diabetiker unter klassischen Betablockern deutlich mehr Antidiabetika, um den Stoffwechsel adäquat einzustellen. Carvedilol hingegen beeinflusst den Stoffwechsel günstig, wie Jacob an Nichtdiabetikern mit Insulinresistenz nachwies. Während sich innerhalb der Therapie über drei Monate die Insulinsensitivität unter einem Beta-1-selektiven Blocker um 20 Prozent verschlechterte, nahm sie unter Carvedilol um 13 Prozent zu. Die chronische Herzinsuffizienz sei die Enderkrankung des Hochdrucks am Herzen, erklärte Prof. Michael Böhm (Köln). Eine entscheidende Rolle in ihrer Pathogenese spielt die Aktivierung des sympathischen Nervensystems und des Renin-Angiotensin-Systems. Betablocker verringern die Herzfrequenz und verbessern somit die Energiebilanz des Herzens. Böhm unterstrich, dass Carvedilol, Metoprolol und Bisoprolol das Leben der Patienten eindeutig verlängern. Ob außerdem antioxidative, antiproliferative Effekte von Carvedilol oder die Vasodilatation dieses Betablockers bei Herzinsuffizienz zusätzlich günstig wirken, wird derzeit in der COMETStudie (Carvedilol or Metoprolol in Heart Failure Trial) untersucht. Martin Bischoff
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