ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Fatigue-Syndrom: Wenn der Alltag Krebspatienten zur Last wird

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Fatigue-Syndrom: Wenn der Alltag Krebspatienten zur Last wird

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-628 / B-514 / C-485

Lei

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Gewichtung der Nebenwirkungen von Krebstherapien hat sich geändert, zumindest aus der Sicht der Patienten. Standen zu Beginn der 90er-Jahre noch Übelkeit und Erbrechen auf Platz eins, sehen Patienten heute ihre Lebensqualität durch "fatigue" ganz wesentlich beeinträchtigt, teilweise stärker als durch den Schmerz. "Wenn ein brennendes Problem gelöst ist, erhält ein anderes mehr Gewicht", kommentierte Prof. Simon van Belle (Gent) diese Verschiebung.
Die Erkenntnis, dass "fatigue" eine der häufigsten Nebenwirkungen der Krebstherapie ist und mit der Zahl der Zyklen ansteigt, ist nach Worten des belgischen Onkologen nicht neu. Sowohl die Inzidenz als auch die Auswirkungen auf das tägliche Leben würden von den betreuenden Ärzten jedoch unterschätzt, sagte van Belle bei einer Veranstaltung von Janssen-Cilag während der 10. Europäischen Krebskonferenz in Wien.
Die Patienten sind ungewöhnlich erschöpft, finden keine Besserung durch Ruhe; vier von zehn Frauen geben an, ihre Familie nicht normal versorgen zu können. Während die Patienten die Ursache in der (Chemo-)Therapie sehen, machen Onkologen überwiegend die Grunderkrankung für die Symptomatik verantwortlich. Unbestritten handelt es sich bei "fatigue" um ein multikausales Geschehen, eine Hauptursache ist die therapiebedingte Anämie. In zwei europäischen Erhebungen wiesen über 60 Prozent der Karzinompatienten beim dritten Chemotherapiezyklus Hb-Werte von 12 g/dl oder darunter auf, neun Prozent erhielten deshalb eine Therapie. Prinzipiell stehen hierbei zwei Möglichkeiten offen - eine Bluttransfusion behebt die Anämiesymptome sofort und für rund vier Tage. Die Injektion von Erythropoietin (Epoetin alpha) dagegen führt im Verlauf von etwa drei Wochen zur subjektiven und objektiven anhaltenden Normalisierung bei sechs von zehn Fatigue-Patienten. Ist die Anämie alleinige Ursache, steigt die Erfolgsrate auf 95 Prozent. Bisher sind drei wöchentliche Injektionen notwendig, länger wirkende Formulierungen sind in der Entwicklung. Lei
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema