szmtag Corona 2021: Vorbilder
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Es ist Wahljahr: Am 26. September 2021 wählt Deutschland seinen neuen Bundestag. Der Wahlkampf wird, ob gewollt oder nicht, stark von der Pandemie geprägt werden. Die Bevölkerung startet in das kalendarisch zweite „Coronajahr“ mit der Hoffnung auf eine Eindämmung der Pandemie. Für Politiker werden Wahlkampf wie auch Wahlerfolge also stark vom Erfolg der Virusabwehr beeinflusst. Zwar sind Erfolge wohl erst ab dem zweiten Halbjahr absehbar, die Meinungsbildung der Wähler läuft aber schon jetzt an.

Alles, was gegen das Virus unternommen wird, muss sich nach dreivierteljähriger COVID-19-Erfahrung der emotional aufgeladenen Kritik aus der Bevölkerung stellen. Politik unterliegt hier bekannterweise ganz eigenen Wirkungsmechanismen der abwägenden Rücksichtnahme.

Anzeige

Um so wichtiger ist gerade jetzt die Rolle der Fachwelt: zum einen die der Wissenschaft als sachlicher Berater der Politik, zum anderen die der Ärzteschaft als wichtiger Teilhaber des Managements.

Das direkt zu Jahresanfang einberufene Beratungstreffen von Bund und Ländern über den weiteren Umgang mit SARS-CoV-2 (nach Redaktionsschluss) wird wieder von einer interdisziplinär ausgesuchten Gruppe von Wissenschaftlern flankiert. Es ist gut, dass in dieser Frage die Politik wissenschaftliche Konsultation sucht.

Dabei muss die Erwartungshaltung der Bevölkerung aber realistisch bleiben. Nach aktuellem Stand der Erkenntnisse zu erwarten, dass die in den Medien kursierenden einfachen Fragen zu 100 Prozent abgesichert beantwortet werden, ist irreal. Trotzdem: Es gibt unverzichtbare Wahrscheinlichkeiten, Berechnungsmodelle und fachlich versierte Erfahrungen, die vor Fehlschritten bewahren können.

Unverzichtbar ist letztlich auch die praktische Umsetzung der als Lösung angesehenen Impfung der Bevölkerung gegen das Virus und seine Varianten. Die Durchimpfung ist zurzeit das Licht am Horizont auf dem Weg zu einer neuen Normalität.

Die Erwartung, dass eine so gigantische Impfmaschinerie direkt nach Start rundläuft, ist opportuner Wunsch, aber kaum realistisch. Sicher braucht ein funktionierendes System gute Rahmenbedingungen, das Nonplusultra sind aber die individuell anzupassenden Maßnahmen vor Ort. Hier hat die organisierte Ärzteschaft in den kommenden Monaten eine hohe Verantwortung. Dabei ist gerade die individuell angepasste Logistik ein enormer Erfolgsfaktor.

Klar ist aber auch, dass der Kommunikation in die Bevölkerung in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle zukommt. Ob die Impfkampagnen des Bundes hier Akzeptanz schaffen, mögen abschließend Marketingfachleute beurteilen. Weit offensichtlicher ist die Rolle, die dem einzelnen Arzt, der einzelnen Ärztin zukommt, gerade auch den in der Impfreihenfolge leider nicht prioritär eingeordneten Niedergelassenen und deren Teams. Ärzte haben nicht nur als Vertrauensperson ihrer Patienten eine Vorbildfunktion. Auch die Impfquoten unter Ärzteschaft und Pflegepersonal sind deutlichere Signale an die Bevölkerung als ein Werbespot der Bundesregierung. Die Politik kann das nicht leisten, sie ist legislativ unterwegs, dabei werden die Wahlen in diesem Jahr zusätzlich einschränken.

In der Pandemie ist jetzt die Exekutive am Zug. Wieder einmal sind die Mediziner gefragt.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote