ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1996Arbeitszeitgesetz: Konsequenz fehlt

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arbeitszeitgesetz: Konsequenz fehlt

Löhr, J.-Matthias

Zu dem Beitrag "Verunsicherung statt verbesserter Arbeitschutz" von Lutz Hammerschlag in Heft 22/1996:
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LNSLNS Der Artikel stellt das Arbeitszeitgesetz und die damit für den Krankenhausbereich verbundenen Umstände richtig dar. Ein Problem respektive die daraus zu ziehende Konsequenz fehlt aber völlig. Nach einem "Bereitschaftsdienst" im Krankenhaus der Maximalversorgung mit Intensivstation und Notaufnahme ist man als betroffener Kollege wirklich gerne bereit, nach Hause zu gehen, um die "Ruhezeit" anzutreten. In vielen öffentlichen Häusern ist bisher lediglich die Umsetzung des ArbZG angeordnet worden. Die durch die Inanspruchnahme der obligaten Ruhezeiten entstehenden Versorgungslücken werden in dem Artikel nicht diskutiert, was die Situation der meisten Krankenhausträger widerspiegelt. Das ArbZG als solches spart natürlich auch die Kosten für die sonst zu zahlenden Überstunden. Aus ärztlicher Sicht können die Lücken, die durch Kollegen im Freizeitausgleich/Ruhezeit entstehen, zumal in Urlaubszeiten etc. nicht einfach hingenommen werden. Das ArbZG legt präzise fest, was von den Krankenhausträgern entsprechend formuliert auch weitergegeben wird, daß beim Weiterarbeiten nach einem Bereitschaftsdienst in die eigentlich notwendige Ruhezeit hinein kein Versicherungsschutz besteht. Da im Vorfeld der Umsetzung des ArbZG leider versäumt worden ist, den Personalschlüssel in den meisten Häusern entsprechend aufzustocken, entstehen Versorgungsengpässe, die wirklich nur dadurch aufgefangen werden können, daß die Kollegen trotzdem weiterarbeiten – jetzt praktisch auf eigene Gefahr respektive Verantwortung. In Zeiten, wo gespart werden muß, ist dies aus Sicht der Krankenhausträger vordergründig nachvollziehbar. Ein klinisch tätiger Arzt, der auch nur ein wenig Verantwortung für die ihm anvertrauten Patienten empfindet, kann diese Situation eigentlich nicht akzeptieren: Sie ist schlicht unverantwortlich.
Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, daß wir ein Dienstleistungsbetrieb sind, von dem erwartet wird, die bestmögliche Versorgung 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, zur Verfügung zu stellen. So kann es nicht gelingen!
Ärzte, Pflegepersonal und MTA sind die eigentlichen Leistungsträger im Krankenhaus. Auch mit diesen "human resources" sollte effizient umgegangen werden; es sollte aber jederzeit genügend Personal präsent sein, um die Leistungen zu erbringen, die gefordert und erwartet werden.
Dr. med. J.-Matthias Löhr, Medizinische Fakultät der Universität Rostock, Ernst-Heydemann-Straße 6, 18055 Rostock
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