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ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2021SARS-CoV-2: Laien können sich selbst testen

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SARS-CoV-2: Laien können sich selbst testen

Eckert, Nadine

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Ob Antigen-Schnelltests immer von medizinischem Personal durchgeführt werden müssen, wird kontrovers diskutiert. Eine an der Berliner Charité durchgeführte Studie zeigt, dass Laien sich auch ohne professionelle Unterstützung selbst auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 testen können.

Antigen-Schnelltests sind zwar weniger genau als PCR-Tests, können dafür aber innerhalb weniger Minuten Aufschluss darüber geben, ob eine Person zum Testzeitpunkt mit SARS-CoV-2 infiziert ist. Ihr Einsatz ist bisher nur möglich, wenn die Probeentnahme aus dem Nasen-Rachen-Raum und die Durchführung des Tests von medizinischem Personal übernommen wird. Eine auf dem Preprint-Server MedRxiv veröffentlichte Studie Berliner und Heidelberger Wissenschaftler weist nun nach, dass auch Selbsttests durch Laien zuverlässig möglich sind.

Demnach detektierte die Selbsttestung bei 146 symptomatischen Erwachsenen mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion nur einen Infizierten weniger als professionell durchgeführte Antigen-Schnelltests. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 35 Jahre alt und hatten zumeist einen höheren Bildungsgrad. Sie erhielten schriftliche Anweisungen für einen Selbstabstrich aus der vorderen Nase sowie die Durchführung und das Ablesen eines Antigen-Schnelltests.

Zum Vergleich entnahm das Personal einen nasopharyngealen Abstrich für einen weiteren Antigen-Schnelltest sowie einen kombinierten Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum, um per PCR eine Referenzdiagnose auf SARS-CoV-2 stellen zu können.

Insgesamt 40 (27,4 %) der 146 Studienteilnehmer waren laut PCR tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert. Bei der Selbsttestung wurden 33 der 40 PCR-Positiven detektiert, die Sensitivität der Selbsttestung lag damit bei 82,5 % (95-%-KI 68,1–91,3). Die Spezifität betrug 100 % (95-%-KI 96,5–100). Bei der professionellen Abstrichentnahme durch medizinisches Personal schlug bei 34 der 40 PCR-Positiven auch der Antigen-Schnelltest an. Dies entspricht einer Sensitivität von 85 % (95-%-KI 70,9– 92,9).

Die positive prozentuale Übereinstimmung zwischen Selbsttestung und professioneller Testung betrug 91,4 % (95-%-KI 77,6–97,0). Die negative prozentuale Übereinstimmung betrug 99,1 % (95-%-KI 95,0–100).

Bei genauerem Hinsehen hatten die Antigen-Schnelltests insbesondere in den Fällen eine Infektion übersehen, in denen die Patienten nur eine geringe Viruslast hatten. Bei Infizierten mit einer hohen Viruslast (> 7,0 log10 SARS-CoV-2-RNA-Kopien/ml; n = 29) schlugen sowohl die Antigentests aus tiefen Nasenabstrichen als auch aus Selbstabstrichen in 96,6 % (95-%-KI 82,8–99,8) der PCR-positiven Fälle an. Nadine Eckert

Foto: Tamara von Rechenberg
Foto: Tamara von Rechenberg

3 Fragen an . . .

PD Dr. med. Claudia Denkinger, Leiterin der Sektion Klinische Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg

Die größte Sorge bei der Selbsttestung ist, dass sie fehlerhaft erfolgt. Welche Beobachtungen konnten Sie hier machen?

Bei 25 der 40 PCR-positiven Studienteilnehmer wurden Fehler beobachtet. Die größte Variabilität war in der Probeentnahme zu sehen, aber auch bei der Extraktion und dem Auftragen der Probe. Dies könnte man durch bessere Anleitungen, eventuell auch Videoanleitungen, vermindern. Zudem gibt es Ansätze von einigen Entwicklern, speziell Tests für den unerfahrenen Nutzer zu entwickeln. Aber Fakt ist, dass wir in dieser Studie zeigen, dass die Variabilität in der Durchführung praktisch nur minimale Auswirkungen auf das Ergebnis der Tests hat.

Würden die Selbsttests bei minimal symptomatischen und asymptomatischen Personen ähnlich gut funktionieren?

Wir wissen aus Studien, dass die Viruslast in asymptomatischen Personen ähnlich ist wie in symptomatischen, das heißt die Tests werden zum gleichen Zeitpunkt der Infektion gleich gut funktionieren. Bei asymptomatischen Personen fehlt allerdings der Bezugspunkt für die Testung (zum Beispiel der Symptombeginn), deshalb wäre ein häufiges Testen wichtig, idealerweise jeden Tag, aber mindestens 2-mal in der Woche. Dadurch könnten Übertragungen von Personen verhindert werden, die (noch) keine oder nur wenige Symptome zeigen. Dies macht geschätzt mehr als 50 % der Übertragungen aus und befeuert deshalb weiterhin die Pandemie.

Welche Voraussetzungen sind für den Einsatz von Schnelltests durch Laien nötig?

Nach aktueller Verordnung dürfen die Tests nicht an Laien abgegeben werden. Die wichtigste Voraussetzung für eine Nutzung der Tests als Selbsttests und damit für die Wirkung als Public-Health-Screening ist die Freigabe von Antigen-Schnelltests für die (Heim-) Anwendung durch Laien durch das Robert Koch-Institut nach § 3 (5) MPAV oder durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium über Anlage 3 der Medizinprodukte-Abgabeverordnung und dann durch die Hersteller.

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