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Wir bedanken uns für die wichtigen Anregungen und Kommentare zu unserem Beitrag (1). Psychische Erkrankungen sollten auch nach unserer Auffassung in ihrem gesamten psychosozialen Kontext betrachtet werden. So sind Angehörige von psychisch erkrankten Menschen häufig ebenfalls stark belastet und benötigen Informationen und Unterstützung, um mit den Folgen der Erkrankung ihres Familienangehörigen adäquat umgehen zu können (2, 3). Aber auch das Umfeld hat einen wichtigen Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf des psychisch Erkrankten (4). Ein kritisches Umfeld bedeutet einen zusätzlichen Stressor und kann den Verlauf negativ beeinflussen, ein positives soziales Umfeld kann dagegen einen wichtigen Resilienzfaktor darstellen. Dementsprechend empfiehlt auch die S3-Leitlinie Unipolare Depression die Psychoedukation Angehöriger (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-005.html).

In einer längeren stationären Behandlung sollte auch nach unserer Auffassung die Weiterbehandlung mitbedacht und organisiert werden. Im segmentierten Gesundheitssystem wird bislang zu sehr in Einzelinterventionen und zu wenig in kontinuierlichen Behandlungsketten gedacht und es sollten sowohl die Kliniken, als auch die kassenärztlichen Vereinigungen in Kooperation leitliniengerechte Versorgungsketten ermöglichen.

Den Hausärzten kommt bei der Versorgung von Menschen mit Depression natürlich eine Schlüsselfunktion zu. Immerhin wird die Mehrzahl der an einer Depression Erkrankten durch Hausärzte behandelt. Es muss unbedingt vermieden werden, dass hier Ängste vor Regressforderungen zu einer Unterversorgung gerade der Schwerbetroffenen beitragen. Vielmehr sollte künftig darüber nachgedacht werden, wie Barrieren für eine leitliniengerechte Behandlung abgebaut beziehungsweise auch wirtschaftliche Anreize für diese geschaffen werden können.

Zusammenfassend sollte die Versorgung bei Patienten mit Depressionen künftig in Anreizstrukturen erfolgen, die eine integrierte, phasenadaptierte leitliniengerechte Behandlung ermöglichen, und die Einflüsse struktureller Gegebenheiten und wirtschaftlicher (Fehl-)Anreize sollten vermehrt wissenschaftlich und politisch berücksichtigt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0051

Für die Autoren
Hauke Felix Wiegand, MD/PhD
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin Mainz
haukefelix.wiegand@unimedizin-mainz.de

Dr. phil. Lars P. Hölzel
Oberberg Parkklinik Wiesbaden Schlangenbad

Interessenkonflikt
Herr Wiegand erhielt Honorare für eine Co-Autorenschaft
vom Springer Medizin Verlag.

Dr. Hölzel erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wiegand HF, Saam J, Marschall U, et al.: Challenges in the transition from in-patient to out-patient treatment in depression—an analysis of administrative health care data from a large German health insurer. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 472–9 VOLLTEXT
2.
Schmid R, Spießl H, Cording C: Zwischen Verantwortung und Abgrenzung: Emotionale Belastungen von Angehörigen psychisch Kranker. Psychiatrische Praxis 2005; 32: 272–80 CrossRef MEDLINE
3.
Wittmund B, Wilms H-U, Mory C, Angermeyer MC: Depressive disorders in spouses of mentally ill patients. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2002; 37: 177–82 CrossRef MEDLINE
4.
Keitner GI, Miller IW: Family functioning and major depression: an overview. Am J Psychiatry 1990; 147: 1128–37 CrossRef MEDLINE
1.Wiegand HF, Saam J, Marschall U, et al.: Challenges in the transition from in-patient to out-patient treatment in depression—an analysis of administrative health care data from a large German health insurer. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 472–9 VOLLTEXT
2.Schmid R, Spießl H, Cording C: Zwischen Verantwortung und Abgrenzung: Emotionale Belastungen von Angehörigen psychisch Kranker. Psychiatrische Praxis 2005; 32: 272–80 CrossRef MEDLINE
3.Wittmund B, Wilms H-U, Mory C, Angermeyer MC: Depressive disorders in spouses of mentally ill patients. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2002; 37: 177–82 CrossRef MEDLINE
4.Keitner GI, Miller IW: Family functioning and major depression: an overview. Am J Psychiatry 1990; 147: 1128–37 CrossRef MEDLINE

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