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ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2021HER2-positives Mammakarzinom: Fortschritt in der Behandlung

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HER2-positives Mammakarzinom: Fortschritt in der Behandlung

Vollmer, Helga

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Die für die Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms bedeutsame Kombinationstherapie aus Trastuzumab und Pertuzumab ist mit der Zulassung einer neuen, subkutan zu verabreichenden Fixkombination der beiden Antikörper nun schneller und einfacher möglich.

Herceptin, der erste gegen HER2 gerichtete Antikörper, leitete bereits vor Jahren eine neue Ära in der Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms ein. HER2 (human epidermal growth factor receptor 2) hat einen direkten Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung: Patientinnen mit einem HER2-positiven Tumor müssen im Vergleich zu HER2-negativen Patientinnen mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf und einem schnelleren Wiederauftreten des Tumors rechnen. Eine zielgerichtete Therapie ist für sie besonders wichtig.

Inzwischen gilt die Kombination der beiden monoklonalen Antikörper Trastuzumab (Herceptin®, Roche) und Pertuzumab (Perjeta®, Roche) zusätzlich zu einer (Docetaxel-)Chemotherapie als etablierter Standard in der Behandlung des frühen und metastasierten HER2-positiven Mammakarzinoms. Im Frühstadium besteht damit sogar eine Chance auf Heilung, ansonsten zumindest eine erhebliche Verlängerung des Gesamtüberlebens. „Mit der doppelten Antikörperblockade können wir eine besonders aggressive Form von Brustkrebs behandeln und das Leben der betroffenen Patienten signifikant verlängern“, so Prof. Dr. med. Christian Jackisch, Sana Klinikum Offenbach.

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Angenehmere Verabreichung

Nun hat die fix dosierte Kombinationstherapie Phesgo® eine Zulassung in der EU erhalten. Die neue Fixkombination aus Pertuzumab und Trastuzumab steht in zwei Wirkstärken zur Verfügung (Pertuzumab 1 200 mg plus Trastuzumab 600 mg und Pertuzumab 600 mg plus Trastuzumab 600 mg). Das Arzneimittel wird subkutan injiziert, vorzugsweise in das Unterhautfettgewebe des Oberschenkels. Als Hilfsstoff wurde der Fixkombination Hyaluronidase beigefügt, um die Permeabilität der Haut für eine gewisse Zeit zu erhöhen. Damit wird eine im Vergleich zur Infusion erheblich einfachere und weniger aufwendige Gabe der doppelten Antikörperblockade möglich.

Die Basis für die Zulassung des Kombinationsarzneimittels sind Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten aus der Phase-III-Studie FeDeriCa. In dieser Studie wurde die subkutan verabreichte Fixkombination aus Pertuzumab und Trastuzumab plus Chemotherapie verglichen mit der intravenösen Standardinfusion von Pertuzumab und Trastuzumab plus Chemotherapie bei 500 Patientinnen mit operablem, lokal fortgeschrittenem oder inflammatorischem HER2-positivem Mammakarzinom (Stadium II–IIIC) mit primärem Tumor > 2 cm oder N+.

Fazit: Die Wirkstoffkonzentration im Blut war nach der Verabreichung von Phesgo® unter die Haut vergleichbar zur Standardinfusion. Auch die Wirksamkeit und Sicherheit, einschließlich der kardialen Sicherheit, waren vergleichbar. Bei den unerwünschten Ereignissen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden Studienarmen: So trat zum Beispiel Alopezie bei 70,2 % im i.v.-Arm und 77 % im s.c.-Arm auf, Nausea bei 60,3 % vs. 58,9 %, Diarrhoe bei 55,2 % vs. 58,5 %, Anämie bei 40,9 % vs. 33,9 % und Asthenie bei 30,2 % vs. 28,2 %.

Die s.c.-Injektion dauert bei der Erstgabe acht Minuten und bei der Erhaltungsdosis 5 Minuten, die Nachbeobachtungszeit bei der Initialdosis beträgt 30 Minuten und bei der Erhaltungsdosis 15 Minuten.

In der Phase-II-Studie PHranceSCa zeigte sich die hohe Präferenz der Patientinnen (n = 160, Alter median 49 Jahre) für Phesgo®: Unabhängig von der Therapiesequenz zogen 85 % der Patientinnen mit frühem HER2-positivem Brustkrebs die subkutan verabreichte Fixkombination der der i.v.-Gabe (14 %) vor. Nach der Crossover-Phase entschieden sich 87 % der Patientinnen dafür, die Therapie mit Phesgo® auf 18 Zyklen zu komplettieren. Als wichtigste Vorteile wurden die kürzeren Klinikaufenthalte (42 %) und die angenehmere Verabreichung (26 %) genannt.

Erleichterung für das Personal

Die Mehrheit des medizinischen Fachpersonals gab an, durch die Umstellung von i.v.-Infusionen auf die subkutane Gabe könnten Zeit und Ressourcen bei der Vorbereitung und Behandlung gespart werden, was vor allem auf die deutlich verkürzte Applikationszeit zurückzuführen sei.

Die durchschnittliche Vorbereitungszeit lag bei der s.c.-Applikation bei 5 Minuten gegenüber 15 bis 20 Minuten bei der intravenösen Verabreichung. Die mediane Verabreichungszeit betrug bei subkutaner Gabe 7–8 Minuten, im Vergleich zu bis zu 2,5 Stunden bei intravenöser Infusion, was sich auch in den Aufenthaltszeiten im Behandlungszimmer mit 33–50 Minuten bei s.c.-Gabe im Vergleich zu 130–300 Minuten bei i.v.-Gabe widerspiegelte.

„Dass wir diese wichtige Therapieoption nun einfach und schnell subkutan verabreichen können“, so Jackisch, „ist ein großer Gewinn für unsere Patienten.“ Helga Vollmer

Quelle: Virtuelles Launch-Pressegespräch „Einfach, schnell, subkutan: Neue Perspektiven für HER2+ Brustkrebspatienten mit PHESGO®“, 16. November 2020; Veranstalter: Roche

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