szmtag Aortenklappenersatz: Narkose-Kontroverse bleibt offen
ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2021Aortenklappenersatz: Narkose-Kontroverse bleibt offen
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Als Autoren der SOLVE-TAVI-Studie (Thiele H, Kurz T, Feistritzer HJ, et al., General Versus Local Anesthesia With Conscious Sedation in Transcatheter Aortic Valve Implantation: The Randomized SOLVE-TAVI Trial. Circulation. 2020; 142: 1437–47) erlauben wir uns, zu dem im Deutschen Ärzteblatt publizierten Medizinreport zu unserer Studie Stellung zu nehmen. Der Artikel stellt korrekt dar, dass sich in dieser im Äquivalenz-Design konzipierten Untersuchung kein Unterschied zwischen den Anästhesieverfahren im Hinblick auf den kombinierten primären Endpunkt und lediglich ein klinisch nicht relevanter Unterschied beim sekundären Endpunkt „Einsatz vasoaktiver oder inotroper Substanzen“ fand. Mit anderen Worten macht es daher nach den Ergebnissen dieser bislang größten Vergleichsstudie zur Anästhesie bei transfemoraler Aortenklappenimplantation (TAVI) keinen Unterschied im Hinblick auf das Outcome (inkl. Sterblichkeit), mit welchem Narkoseverfahren ein Patient bei dieser Prozedur versorgt wird. Dies legt nahe, dass beide Anästhesieverfahren für die Behandlung von Patienten mit intermediärem oder hohem Risiko, die sich aufgrund einer Aortenklappenstenose einer TAVI unterziehen müssen, in der klinischen Praxis eingesetzt werden können. Konsekutiv war daher unsere Schlussfolgerung aus den Ergebnissen dieser Studie, dass sich die Wahl des Anästhesieverfahrens nach Patientenfaktoren und -präferenz sowie Erfahrung des Zentrums und des Interventionalisten richten sollte. Aus diesen Daten den Schluss zu ziehen, dass eine TAVI „nur noch in Ausnahmefällen in Vollnarkose“ durchgeführt werden sollte, lässt sich – auch wenn dies seitens der beteiligten Fachdisziplinen unverändert kontrovers diskutiert wird – durch die Ergebnisse der SOLVE-TAVI-Studie nicht rechtfertigen. Dies gilt auch für die in diesem Medizinreport des Deutschen Ärzteblattes geäußerte Behauptung, dass „eine Analgosedierung die Rate postoperativer Durchgangssyndrome“, also eines Delirs „reduziere“. In der Literatur finden sich keine Studien, die dies in einem prospektiven Design an einer angemessenen Fallzahl untersucht hätten. Um den marginalen und statistisch nicht signifikanten numerischen Unterschied von 11,6 % versus 12,4 % in der Inzidenz von Delir, den wir in der SOLVE-TAVI-Studie zugunsten von „Conscious sedation“ beobachtet haben, als statistisch relevant zu untermauern, müssten mehr als 22 000 Patienten im Rahmen einer RCT untersucht werden. Ein wissenschaftlich fundierter Nachweis, dass der Verzicht auf eine Vollnarkose geeignet wäre, die Inzidenz eines Delirs bei TAVI-Patienten zu reduzieren, liegt nach gegenwärtiger Evidenz aus RCTs somit nicht vor.

Prof. Dr. med. M. Heringlake,17495 Karlsburg; Univ.-Prof. Dr. med. Sascha Treskatsch, 12203 Berlin; Prof. Dr. med. habil. Jörg Ender, 04289 Leipzig; Univ.-Prof. Dr. med. habil. Jens Faßl, 01307 Dresden; Univ.-Prof. Dr. med. Michael Sander, 35392 Gießen

Anm. der Redaktion: Die Kritik der Leserbriefautoren bezieht sich auf die Kommentierung in der von uns referierten Studie.

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