SPEKTRUM: Leserbriefe

Ethik: Klärungsbedarf

Dammann, Richard

Zu dem Beitrag "Diskussion um den Philosophen Peter Singer: Widerstand gegen eine ,neue' Ethik" von Gisela Klinkhammer in Heft 23/1996
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LNSLNS Ich vermisse bei der anstehenden Diskussion über die Thesen von Herrn Prof. Singer und Frau Dr. Kuhse die eindeutige Klärung des Begriffes Euthanasie. Leider ist durch die Verbrechen des Dritten Reiches hierzulande eine sachliche Diskussion über Euthanasie kaum möglich. Es müßte doch eindrücklich festgestellt werden, daß die Vernichtung von Kranken und Behinderten damals nicht das geringste mit Euthanasie ("schöner Tod") zu tun hatte.
Außerdem sei daran erinnert, daß die damalige Aktion "Gnadentod" bei den Ärzten, besonders den Psychiatern, weitgehend auf Zustimmung stieß, so daß eine fast reibungslose Durchführung möglich wurde.
Ist es das schlechte Gewissen der Ärzteschaft, weswegen jetzt eine so rigide Einstellung gegen Sterbehilfe aufkam?
Die Thesen von Prof. Singer haben nicht das mindeste mit den Methoden der Nazis zu tun, werden aber ohne genaue Kenntnis in polemischer Weise damit in Verbindung gebracht. Sicher gibt es so etwas wie Mitleid mit unheilbar Kranken und Komapatienten ohne Aussicht auf eine lebenswerte Zukunft, ebenso mit schwer mißgebildeten Säuglingen bei infauster Prognose. Damit sei noch nicht gesagt, wie wir damit umgehen. Es sollte jedoch möglich sein, mit Herrn Singer ins Gespräch zu kommen, um zu erfahren, was er denkt, und ihm damit Gelegenheit zu geben, sich gegen die massiven Verleumdungen zur Wehr setzen zu können.
Dr. Richard Dammann, Eichhalte 8, 79104 Freiburg
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