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Impfbereitschaft: Anstieg unter Pflegenden

Richter-Kuhlmann, Eva

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Trotz des holprigen Impfstarts reduziert sich die anfängliche Impfskepsis von Pflegenden merklich. Hilfreich sind zunehmende sachliche Informationsangebote und Aufklärungsveranstaltungen zu Impfmythen sowie zu möglichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Impfmythen, wie drohende Unfruchtbarkeit, kursierten in den letzten Wochen gerade unter jungen Pflegenden. Foto: picture alliance/dpa Bernd Wüstneck
Impfmythen, wie drohende Unfruchtbarkeit, kursierten in den letzten Wochen gerade unter jungen Pflegenden. Foto: picture alliance/dpa Bernd Wüstneck

Die Impfbereitschaft unter Pflegefachpersonen hat sich in den vergangenen Wochen aufgrund vermehrter Information deutlich erhöht. „Die Impfbereitschaft ist groß und Aufklärung der zentrale Schlüssel“, erklärte Dr. Markus Mai, Präsidiumsmitglied der Bundes­pflege­kammer und Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Aus den Kliniken werde zurückgemeldet, dass sich 80 bis 90 Prozent der Pflegenden impfen lassen wollen. Generell könne die Bundes­pflege­kammer zwar den Trend feststellen, dass in den Kliniken die Impfbereitschaft unter Pflegefachpersonen höher sei als in Alten- und Pflegeheimen. Aber auch dort steige sie.

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Kaum absolute Impfgegner

Viele absolute Impfgegner gibt es unter den Pflegenden offensichtlich nicht. Zu Beginn habe es Falsch-
informationen zu den neuartigen Impfstoffen gegen COVID-19 gegeben, die in den sozialen Netzwerken gezielt an Pflegefachpersonen adressiert wurden, erklärt die Bundes­pflege­kammer. Doch inzwischen habe man gute Erfahrungen mit sachlichen Informationen gemacht.

Dies bestätigte auch Stefanie Renner, stellvertretende Geschäftsführerin beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Südost, bei einer virtuellen Informationsveranstaltung des Berufsverbandes am 26. Januar. „Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sagt ‚Ja‘ zur Impfung und möchte über die Impfung informieren“, betonte Renner.

Im Fokus der Veranstaltung standen insbesondere jene falschen Informationen, die sich so schnell unter den Pflegenden verbreitet hatten. Ausgeräumt wurden sie von Prof. Dr. med. Ulrike Protzer, Virologin und Lehrstuhlinhaberin an der Technischen Universität München. Alle bislang zugelassenen Impfstoffe hätten ein normales Zulassungsverfahren durchlaufen, seien sicher und vielversprechend, betonte sie. Auch die Befürchtungen von jungen Frauen, durch die Coronaimpfung unfruchtbar zu werden, seien unbegründet. Hintergrund für diesen Mythos sei eine vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem Spikeprotein des Coronavirus und dem Protein Syncytin-1, das für die Bildung der Plazenta verantwortlich ist. „Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen ist jedoch so minimal, dass eine Kreuzreaktion des Impfstoffs unmöglich ist“, erklärte Protzer. Hinzu käme: Würden sich die gebildeten Antikörper tatsächlich gegen Syncytin-1 richten können, hätte es auch bereits bei natürlichen COVID-19-Erkrankungen zu einer erhöhten Zahl an Fehlgeburten oder Komplikationen kommen müssen. „Dies ist jedoch nicht der Fall.“ Auch Genveränderungen durch den mRNA-Impfstoff seien ausgeschlossen, da die mRNA nicht in die menschliche DNA eingebaut werden könne.

Drohende Konsequenzen

Neben den Ängsten aufgrund dieser Impfmythen sorgen sich viele Pflegende derzeit aber auch, dass es eine Impfpflicht geben könne und/oder arbeitsrechtliche Konsequenzen, wenn sie es ablehnen, sich impfen zu lassen. Die Münchner Arbeitsrechtlerin Dr. jur. Stephanie Haas stellte während der Veranstaltung des DBfK klar, dass eine Entscheidung für oder gegen eine Impfung zwar prinzipiell privat sei. Dennoch gelte: „Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern und Patienten.“ Nicht geimpftes Personal könne dann dort eingesetzt werden, wo kein Gefährdungspotenzial bestehe. „Wenn es überhaupt keine Einsatzmöglichkeiten mehr für Ungeimpfte gibt, käme als letzte Konsequenz aber auch personenbedingte Kündigung in Betracht“, sagte Haas.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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