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ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2021Bronchialkarzinom: Überlebensraten durch begleitende Autoimmunerkrankungen nicht verkürzt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bronchialkarzinom: Überlebensraten durch begleitende Autoimmunerkrankungen nicht verkürzt

Gerste, Ronald D.

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Foto: Axel Kock/stock.adobe.com
Foto: Axel Kock/stock.adobe.com

Das Bronchialkarzinom ist nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation für 18,4 % aller Todesfälle durch Krebs verantwortlich. Außer belegten Risikofaktoren wie Rauchen wird eine mögliche Assoziation mit Autoimmunerkrankungen diskutiert. Zu dieser Frage haben bisherige Publikationen keine eindeutigen Ergebnisse geliefert.

Diese suchten Forscher der Northwestern University in Chicago mit einer retrospektiven Kohortenstudie (1). Es wurden Daten von 177 Patienten analysiert (Durchschnittsalter: 67 Jahre). Die Malignomdiagnosen waren Adeno-, Plattenepithelkarzinome oder kleinzellige Bronchialkarzinome. Außerdem hatten die Teilnehmer Autoimmunerkrankungen.

Am häufigsten waren rheumatoide Arthritis (54,8 %), systemische Sklerose/Sklerodermie (24,3 %) und Lupus erythematodes (8,5 %). Eine Kontrollgruppe bestand aus 219 Patienten vergleichbaren Alters mit Lungenkrebs ohne Autoimmunleiden.

Die Therapiestrategie unterschied sich zwischen beiden Gruppen: Weniger Patienten mit Autoimmunleiden erhielten die Standard-of-Care-Behandlung (69,5 % vs. 97,3 % in der Kontrollgruppe) und eine Immuntherapie (4,5 % vs. 33,8 %). Trotz dieser Diskrepanz war das mittlere progressionsfreie Überleben ähnlich. Es betrug bei den Patienten mit Autoimmunerkrankung und lokoregionalem Befund 42,8 Monate ([95-%-Konfidenzintervall] [33,8; 55,6]) und in der Kontrollgruppe 34,0 Monate [28,2; 45,4]; bei Fernmetastasen 6,9 Monate [5,1; 8,4] bzw. 8,7 Monate [6,1; 12,5]. Ein 5-Jahres-Gesamtüberleben hatten bei lokoregionärer Ausbreitung des Tumors und Autoimmunerkrankung als Komorbidität 38,1 % der Patienten [29,9; 48,5], ohne Autoimmunerkrankung überlebten 36,5 % ([29,5; 45,2]).

Fazit: „Diese Ergebnisse deuten an, dass das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung die krebsbezogene klinische Prognose nicht negativ beeinflusst“, so Prof. PhD Elisabeth R. Volkmann von der School of Medicine an der University of California in Los Angeles in einem begleitenden Kommentar (2). „Es bleibt allerdings unklar, ob sich diese Ergebnisse auch auf andere Patientenpopulationen übertragen lassen, namentlich auf jene, die nicht in einer akademischen Einrichtung betreut werden. Es ist ferner denkbar, dass die ärztliche Betreuung von Autoimmunpatienten zu den guten Überlebensdaten dieser Patientengruppe beigetragen hat. 

Patienten mit assoziierter interstitieller Lungenbeteiligung werden oft mit High-Resolution-CT gescreent. In einem solchen Szenario können langsam wachsende Krebserkrankungen entdeckt werden, die sonst zu Lebzeiten des Patienten klinisch vielleicht gar nicht aufgefallen wären.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Jacob S, Rahbari K, Tegtmeier K: Lung cancer survival in patients with autoimmune disease. JAMA Network Open 2020; 3: e2029917.
  2. Volkmann ER: The association of autoimmune disease with lung cancer survival. JAMA Network Open. 2020; 3: e2030506.

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