szmtag Coronaimpfungen: Intelligente Lösungen finden
ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2021Coronaimpfungen: Intelligente Lösungen finden
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… Absolut unverständlich ist es …, dass Sie keine Kritik an der „Coronavirus-Impfverordnung“ vom 15. Dezember 2020 äußern. Die vom Bundesministerium für Gesundheit (bislang ohne Beteiligung des Parlaments) erlassene Verordnung regelt die Priorisierung bei der Impfreihenfolge. Die höchste Priorität besitzen Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben und erst an 4. Stelle (!) erscheinen Personen, die in medizinischen Einrichtungen mit einem „sehr hohem Expositionsrisiko“ tätig sind. Die Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte, der Medizinischen Fachangestellten und des Pflegepersonals, die alle im ambulanten Bereich Kranke versorgen und die täglich mit einer hohen Zahl an Patientinnen und Patienten in engen Kontakt treten müssen, erscheinen in der Prioritätenliste erst an 10. (!) Stelle. Zudem gibt es nicht einmal eine strukturierte Planung, wie die Impfungen des Personals in den Arztpraxen ablaufen sollen. Dass ausgerechnet die Kolleginnen und Kollegen (und die zugehörigen Teams) in den Arztpraxen nicht zum vorrangig zu impfenden Personenkreis gehören, ist inakzeptabel. Geradezu höhnisch mutet die Äußerung des Ge­sund­heits­mi­nis­ters zu der erst später geplanten Impfung dieser Gruppe an: „Wenn jemand dafür Verständnis hat, dann Ärztinnen und Ärzte.“ Dies ist skandalös und warum das Deutsche Ärzteblatt hier keine Kritik übt, ist uns unverständlich.

Während also in Israel zum Beispiel 16–18-Jährige geimpft werden, damit sie eine Chance haben, unter geregelten Verhältnissen ihre Abiturprüfungen abzulegen, diskutieren wir in Deutschland über die Impfpflicht mit einem Impfstoff, der gar nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung steht und leisten uns den Luxus, Betagte zu impfen, die in vielen Fällen aufgrund ihrer Ko-Morbiditäten gar nicht mehr den Zeitpunkt der Verabreichung der 2. Impfdosis erleben, statt dafür zu sorgen, dass dieses besonders gefährdete Kollektiv durch eine rasche Impfung des Altenpflegepersonals geschützt wird!

Es ist an der Zeit, dass intelligente Lösungen gefunden werden, um die Pandemie besser in den Griff zu bekommen, zum Beispiel – endlich – eine suffiziente Nutzung der viel zu spät in den Gesundheitsämtern eingeführten Software, eine Intensivierung der Erforschung der Infektionsausbreitung (warum werden bei der Meldung der coronapositiven Tests wichtige Aspekte nicht erfragt, wie Beruf, Verwendung von öffentlichen Verkehrsmitteln etc.?), und eine deutliche Steigerung der Obduktionszahlen von COVID-19-Opfern (bislang nur ca. 2 %). …

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Prof. Dr. med. Martin Kolben, Dr. med. Susanne Maurer, 82166 Gräfelfing

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