szmtag Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Lungenembolie bei sechs Prozent der Patienten mit akuten schweren Symptomen
ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2021Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Lungenembolie bei sechs Prozent der Patienten mit akuten schweren Symptomen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Lungenembolie bei sechs Prozent der Patienten mit akuten schweren Symptomen

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Click_and_Photo/iStock
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Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist mit einer hohen Krankheitslast assoziiert. In Deutschland wird die 12-MonatsPrävalenz unter Erwachsenen auf 5,8 % geschätzt (1). Seit längerer Zeit wird ein Zusammenhang zwischen einer akuten schweren COPD-Exazerbation, die eine Klinikeinweisung zur Folge hat, und thromboembolischen Ereignissen vermutet. Eine genauere Abschätzung dieser Assoziation war bisher allerdings schwierig, weil in den Studien Art und Zeitpunkte eines Screenings auf thromboembolische Ereignisse uneinheitlich festgelegt waren. Eine Querschnittsstudie an 7 pneumologischen Zentren in Frankreich hatte das Ziel, die Prävalenz pulmonaler Embolien (PE) bei Patienten zu untersuchen, die wegen akuter COPD-Exazerbation stationär aufgenommen worden waren (2).

740 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 68,2 Jahren und zu 37 % Frauen wurden in die Studie eingeschlossen. 50,7 % hatten eine COPD im GOLD-Stadium 3 (schwer; 38,4 %) oder 4 (sehr schwer; 12,3 %).

Innerhalb der ersten 48 Stunden nach Klinikaufnahme wurde die Wahrscheinlichkeit für eine PE auf Basis des 2006 revidierten Geneva-Scores (3) abgeschätzt. Er hat 8 Variablen und Gesamtwerte von 0 (geringe PE-Wahrscheinlichkeit) bis ≥ 11 (hohe PE-Wahrscheinlichkeit).

Bei Score-Werten ≥ 11 (17 Teilnehmer; 2,3 %) wurde sofort ein Spiral-CT der pulmonalen Blutgefäße vorgenommen und je nach Befund weitere Untersuchungen. Bei Score-Werten < 11 (n = 723) waren dies D-Dimer-Tests im Plasma, bei D-Dimer-Werten ≥ 500 μg/L ein Angio-CT (Spiral-CT) und Kompressionsultraschalluntersuchungen der Beinvenen. Primärer Endpunkt war die Diagnose einer pulmonalen Embolie binnen 48 Stunden nach stationärer Aufnahme und sekundäre Endpunkte eine PE im Follow-up von 3 Monaten sowie tiefe Venenthrombosen (VTE).

Bei 5 der 17 Patienten mit eingangs hohem Geneva-Score wurde im Spiral-CT eine PE diagnostiziert, bei 2 Teilnehmern assoziiert mit distalen tiefen Venenthrombosen und 2 Patienten hatten isolierte VTE. In der Gruppe mit niedrigeren Geneva-Score-Ausgangswerten fanden sich bei 39 Patienten pulmonale Embolien. Insgesamt also hatten 44 Teilnehmer eine PE, entsprechend einer Prävalenz von 5,9 % ([95-%-Konfidenzintervall] [4,5; 7,9]). Die Prävalenz der VTE betrug 7,3 % ([5,6; 9,4]).

Die 3-Monats-Sterblichkeit lag in der Gesamtgruppe bei 6,8 %. Dabei war die Sterblichkeit der Patienten mit dem initialen Befund einer VTE höher als die der Patienten ohne VTE bei Eingangsdiagnostik (25,9 % vs. 5,2 %; p < 0,001). Das Risiko lag bei Assoziation mit einer VTE also um den Faktor 5 höher. In der Gruppe mit Verdacht auf eine PE betrug die Prävalenz der VTE 11,7 % und in der Gruppe ohne Verdacht auf eine pulmonale Embolie 4,3 %.

Fazit: Bei schwerer Exazerbation einer COPD sollte differenzialdiagnostisch auch an die akute Lungenembolie gedacht werden – mit einer Prävalenz von 5,9 % sei sie nicht so selten, so die Autoren. Wie bei COPD-Anfällen optimal auf PE gescreent werden kann, gelte es, weiter zu untersuchen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Steppuhn H, Kuhnert R, Scheidt-Nave C: 12-Monats-Prävalenz der bekannten chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2017; 2: DOI 10.17886/RKI-GBE-2017–053.
  2. Couturaud F, Bertoletti L, Pastre J, et al.: Prevalence of pulmonary embolism among patients with COPD hospitalized with acutely worsening respiratory symptoms. JAMA 2021; 325: 59–68.
  3. Le Gal G, Righini M, Roy PM, et al. Prediction of pulmonary embolism in the emergency department. Ann Intern Med. 2006; 144: 165–71.

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