ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Pneumologie & Allergologie 1/2021Mund-Nasen-Schutz in der CoronaPandemie: Keine Atemprobleme, aber häufig schlechte Passform

SUPPLEMENT: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Mund-Nasen-Schutz in der CoronaPandemie: Keine Atemprobleme, aber häufig schlechte Passform

Dtsch Arztebl 2021; 118(7): [10]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2021.02.19.03

Grunert, Dustin

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Chirurgische Gesichtsmasken sorgen nicht dafür, dass man „zu schlecht Luft“ bekommt. Das zeigt eine Untersuchung mit gesunden Probanden und COPD-Patienten. Allerdings birgt das Tragen von FFP2-Masken Fallstricke, die häufig nicht beachtet werden.

Als Argument gegen die derzeit an vielen Orten herrschende Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz (MNS) wird häufig das „zu schlecht Luft bekommen“ angeführt. In der Leitlinie „Infektionsprävention durch das Tragen von Masken“ der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e. V. und der Gesellschaft für Virologie e. V. wird jedoch gezeigt, dass diese Begründung aus physiologischen Gesichtspunkten nicht stichhaltig ist.

Können Lungenerkrankte zu wenig Luft bekommen?

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In einer Untersuchung führten eine Gruppe gesunder Ärzte und eine Gruppe von Ärzten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) unter dem Tragen eines chirurgischen Mund-Nasen-Schutzes eine Belastungsprobe durch (6-Minuten-Gehtest). In beiden Gruppen kam es beim Tragen der Masken unter Belastung zu keinem Anstieg von Kohlendioxid im Blut. Unter den COPD-erkrankten Ärzten kam es dagegen zu einem leichten Abfall der Sauerstoffsättigung.

Der gemessene geringe Abfall der Sauerstoffsättigung entsprach dem für diese Belastung erwarteten Abfall. Die Masken schienen keinen zusätzlichen Einfluss darauf zu haben. Entsprechend ist beim Tragen von chirurgischen Masken unter zeitlich begrenzter Belastung keine höhergradige Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung oder des Abatmens von Kohlendioxid zu erwarten, sodass das Tragen unbedenklich ist.

Allerdings kann eine Atemnot unter Belastung subjektiv vorhanden sein oder auch durch unterschiedliche Temperaturempfindungen hervorgerufen werden (1). Inwiefern eine sehr lange Tragedauer chirurgischer Masken Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat, muss noch untersucht werden (2).

Bei Sport treibenden jungen, gesunden Männern kam es auch bei 100%iger Ausbelastung zu keinen nennenswerten Sauerstoff- oder CO2-Veränderungen im Blut, wenn sie einen chirurgischen Mundschutz trugen (3). Die Autoren folgern entsprechend, dass das Maskentragen bei gesunden Personen auch bei ausgeprägter Aktivität hinsichtlich der Blutgasversorgung unschädlich ist.

Sie weisen aber darauf hin, dass FFP2-Masken bei Menschen mit Lungenvorerkrankungen eventuell zu CO2-Retentionen führen könnten, was auch in einer weiteren kleinen Studie beobachtet wurde (2).

Aus den Folgerungen einer Literaturübersicht ergab sich die Forderung, Patientengruppen differenzierter zu betrachten und den präventiven Gebrauch von MNS- oder FFP2-Masken gezielter an die Patientengruppen und Situationen anzupassen (4).

Allerdings ist das Tragen einer FFP2-Maske mit anderen Problemen verbunden. FFP2-Masken sollen wirksam Aerosole mit SARS-CoV-2 abhalten. Dabei unterscheidet sich die Filterwirkung der FFP2-Membranen nicht wesentlich von den Membranen, die für chirurgische Mund-Nasen-Schutze Verwendung finden. FFP2-Masken sollen eine bessere Passform haben, durch die ein Dichtsitz am Gesicht erreicht werden kann. Dadurch wird gewährleistet, dass die FFP2-Maske beim Einatmen an das Gesicht gezogen wird und der inspiratorische Volumenstrom gefiltert durch die Maske geführt wird.

Die Zertifizierung von FFP2-Masken ist auf den Eigenschutz (Inspriration) fokussiert. Nicht selten werden in der Öffentlichkeit auch FFP2-Masken mit Ausatemventil gesehen. Sie sind wegen des niedrigeren Atemwiderstands komfortabler. Diese Masken schützen nur den Träger, bieten aber keinen Schutz vor Infizierten und sind somit ungeeignet in der derzeitigen Situation. Um den Dichtsitz zu gewährleisten, ist vom FFP2-Masken-Träger zunächst der ideal dem Gesichtsprofil passende Maskentyp auszuwählen, und die Maske ist dann so anzumodellieren, dass eine Dichtsitzprüfung (= Fit-Test) erfolgreich ist.

Teilweise kommt zu viel Luft beim Träger an

Es ist ein Problem, dass derzeit überwiegend eine Einheitsgröße von FFP2-Masken angeboten wird. Nur durch eine entsprechende Anpassung der Masken ist die in bestimmten medizinischen Situationen für Mitarbeiter des Gesundheitswesens notwendige hohe Sicherheit gegeben, sich nicht an infektiösen Tröpfchen oder Aerosolen anzustecken. Fehlender Dichtsitz führt gegebenenfalls sogar zu einem regelrechten Sog am Maskenmaterial vorbei. Medizinisches Fachpersonal wird darin geschult, FFP2-Masken sachgemäß zu tragen, und ohne eine solche Schulung werden diese Masken häufig nicht richtig aufgesetzt und auch nicht wieder sicher abgenommen. Vor und nach Auf- beziehungsweise Absetzen hat weiterhin eine hygienische Händedesinfektion zu erfolgen, um eine Selbstinokulation (Selbstinfektion) von möglicherweise auf der Außenseite befindlichen SARS-CoV-2 zu verhindern.

Auch ist zu beachten, dass bei vielen Barttypen eine FFP2-Maske nicht dicht aufgesetzt werden kann. Otchwemah et al. (5) zeigten bei einer in Nordrhein-Westfalen durchgeführten Beobachtungsstudie, dass Laien im öffentlichen Raum (öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufsläden sowie Einkaufsstraßen von Großstädten) insbesondere FFP2-Masken nicht sachgemäß trugen; grundsätzlich kann sich eine Infektionsgefahr dadurch sogar erhöhen. Eine zusätzliche zur Maske getragene Augenabschirmung (z. B. Brille) bietet weiteren Schutz.

FFP2 vergrößern den Atemwiderstand im Vergleich zu MNS, sodass bei normaler körperlicher Tätigkeit für Laien der Anreiz besteht, nicht auf den optimalen Sitz hinzuarbeiten. Dadurch kann sich wiederum die Beiluftmenge und somit die Infektionsgefahr erhöhen. Es ist auch zu beachten, dass in der Arbeitswelt das Tragen von FFP2-Masken am Stück nur für 1–2 Stunden gestattet ist, damit sich der Träger anschließend erholen kann (Stellungnahme der DGHM vom 4. November 2020).

DOI: 10.3238/PersPneumo.2021.02.19.03

Dustin Grunert

1.
Samannan R, Holt G, Calderon-Candelario R, Mirsaeidi M, Campos M: Effect of Face Masks on Gas Exchange in Healthy Persons and Patients with COPD. Annals of the American Thoracic Society 2020. doi: 10.1513/AnnalsATS.202007-812RL CrossRef MEDLINE
2.
Fikenzer S, Laufs U: Response to Letter to the editors referring to Fikenzer, S., Uhe, T., Lavall, D., Rudolph, U., Falz, R., Busse, M., Hepp, P., & Laufs, U. (2020). Effects of surgical and FFP2/N95 face masks on cardiopulmonary exercise capacity. Clinical research in cardiology: official journal of the German Cardiac Society, 1–9. Advance online publication. https://doi.org/10.1007/s00392-020-01704-y. Clin Res Cardiol 2020; 109 (12): 1600 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Epstein D, Korytny A, Isenberg Y, et al.: Return to training in the COVID-19 era: The physiological effects of face masks during exercise. Scand J Med Sci Sports 2021; 31 (1): 70–5 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Matuschek C, Moll F, Fangerau H, et al.: Face masks: benefits and risks during the COVID-19 crisis. Eur J Med Res 2020; 25 (1): 32 CrossRef MEDLINE PubMed Central
5.
Otchwemah R, Mattner F, Neuwirth M: Einsatz von Community-Masken in der Bevölkerung: Praxis und Anwendungsfehler während der SARS-CoV-2-Pandemie in Deutschland. Gesundheitswesen 2020; 82 (11): 821–8 CrossRef MEDLINE
1.Samannan R, Holt G, Calderon-Candelario R, Mirsaeidi M, Campos M: Effect of Face Masks on Gas Exchange in Healthy Persons and Patients with COPD. Annals of the American Thoracic Society 2020. doi: 10.1513/AnnalsATS.202007-812RL CrossRef MEDLINE
2.Fikenzer S, Laufs U: Response to Letter to the editors referring to Fikenzer, S., Uhe, T., Lavall, D., Rudolph, U., Falz, R., Busse, M., Hepp, P., & Laufs, U. (2020). Effects of surgical and FFP2/N95 face masks on cardiopulmonary exercise capacity. Clinical research in cardiology: official journal of the German Cardiac Society, 1–9. Advance online publication. https://doi.org/10.1007/s00392-020-01704-y. Clin Res Cardiol 2020; 109 (12): 1600 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Epstein D, Korytny A, Isenberg Y, et al.: Return to training in the COVID-19 era: The physiological effects of face masks during exercise. Scand J Med Sci Sports 2021; 31 (1): 70–5 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Matuschek C, Moll F, Fangerau H, et al.: Face masks: benefits and risks during the COVID-19 crisis. Eur J Med Res 2020; 25 (1): 32 CrossRef MEDLINE PubMed Central
5.Otchwemah R, Mattner F, Neuwirth M: Einsatz von Community-Masken in der Bevölkerung: Praxis und Anwendungsfehler während der SARS-CoV-2-Pandemie in Deutschland. Gesundheitswesen 2020; 82 (11): 821–8 CrossRef MEDLINE

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