szmtag Impfpriorisierung: Stigmatisierte Nichtgeimpfte
ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2021Impfpriorisierung: Stigmatisierte Nichtgeimpfte
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Gerade für uns Ärzte sollte es selbstverständlich sein, dass die Entscheidung, ob sich jemand impfen lässt oder nicht, immer individuell nach vorangegangener entsprechender Beratung beim Hausarzt getroffen werden muss. Deshalb darf dabei der Begriff der Solidarität oder gar der Nächstenliebe überhaupt keine Rolle spielen. Bekommen Geimpfte mehr Rechte, führt das dazu, dass Nichtgeimpfte stigmatisiert werden und ihnen die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt wird. Dies führt langfristig zu einer Spaltung der Gesellschaft. Solidarisch wäre es hingegen, wenn man auch die Menschen mitnimmt, die sich aus welchen Gründen auch immer gegen eine Impfung entscheiden, und entsprechende Hygienekonzepte in die Praxis umsetzt, um Großveranstaltungen, Reisen etc. wieder der gesamten Bevölkerung zugänglich zu machen – und zwar unabhängig davon, welche Stempel sich in deren Impfpässen befinden. Oder wollen wir als Ärzte tatsächlich, dass die Entscheidung für eine Impfung deshalb getroffen wird, damit man am Wochenende ein Konzert besuchen oder mit einer bestimmten Fluggesellschaft verreisen kann? Und genau deshalb ist die kürzlich getroffene Aussage des Deutschen Ethikrates, dass „private Anbieter grundlegend eine Vertragsfreiheit haben“, unbefriedigend und mündet darin, dass ein Teil der Menschen aufgrund einer individuell getroffenen gesundheitlichen Entscheidung ausgegrenzt wird. Dies gilt es in einer demokratischen Gesellschaft zu verhindern, denn Grundrechte sind eben Grundrechte und keine Sonderrechte, die man sich durch irgendetwas (wie z. B. eine Impfung) erst verdienen muss.

Dr. med. Wolfgang Schillings, 20259 Hamburg

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