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ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2021GOÄ-Ratgeber: Nr. 3171 GOÄ bei einer Narbenbruchoperation

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GOÄ-Ratgeber: Nr. 3171 GOÄ bei einer Narbenbruchoperation

Gorlas, Stefan

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Im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens bei einer Lan­des­ärz­te­kam­mer kritisiert ein fast 80-jähriger Patient, dass die Abrechnungsgesellschaft eines Arztes die Nr. 3171 GOÄ („Operative Beseitigung von Lageanomalien innerhalb des Magen-Darm-Traktes oder des Volvulus [auch im Säuglings- und Kleinkindalter] oder der Darminvagination“) neben der Nr. 3284 GOÄ („Operation eines Nabel- oder Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches mit Muskel- und Faszienverschiebeplastik – auch mit Darmresektion –“) für die Operation eines Bauch(decken)narbenbruches im Mittelbauch berechnet hat, worauf seine private Kran­ken­ver­siche­rung ihm die erstgenannte Gebührenposition nicht erstattet hat.

Mit der Nr. 3171 GOÄ werden Operationen zur Beseitigung von Lageanomalien innerhalb des Magen-Darm-Traktes, beispielsweise eine Malrotation, oder des Volvulus oder der Darminvagination abgerechnet. Hierbei handelt es sich im Regelfall um kongenitale intraabdominale Anomalien, die beispielsweise mittels Durchtrennung bindegewebiger Stränge, Derotation oder Reposition beseitigt werden können.

Demgegenüber stellt der Verschluss der Bruchlücke zur Vermeidung eines Hernienrezidivs das Grundprinzip der Operation eines Nabel-, Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches dar. Dieser Verschluss impliziert stets die Reposition der Bruchsackes nebst dessen Inhaltes, die somit gemäß § 4 Abs. 2 a GOÄ als methodisch notwendiger operativer Einzelschritt nicht zusätzlich berechnungsfähig ist. Erhöhte Schwierigkeiten bei der Reposition des Bruchsackes, beispielsweise durch erhebliche Verwachsungen, können gemäß § 5 Abs. 2 GOÄ über den Ansatz eines erhöhten Steigerungssatzes für die Grundleistung, hier die Nr. 3284 GOÄ, berücksichtigt werden.

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Zusätzlich spricht auch die Bewertung der Nr. 3171 GOÄ mit 2 500 Punkten gegen einen Ansatz dieser Gebührenposition für die alleinige Reposition des Bruchsackes im Rahmen einer Operation eines Nabel-, Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches. Denn diese Operation ist ohne die Bestandteile „Muskel- und Faszienverschiebeplastik sowie ggf. Darmresektion“ mit der Nr. 3283 GOÄ („Operation eines Nabel- oder Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches“) berechnungsfähig, die mit 1 110 Punkten bewertet ist.

Würde man einen Ansatz der Nr. 3171 GOÄ für die alleinige Reposition des Bruchsackes neben der Nr. 3283 GOÄ bejahen, hätte der Verordnungsgeber eine methodisch notwendige Teilleistung eines Eingriffes in einem anderen Unterabschnitt der GOÄ mehr als doppelt so hoch bewertet wie den gesamten Eingriff, was abwegig wäre. Dr. med. Stefan Gorlas

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