szmtag Schlaganfall mit unbekanntem Beginn: Entscheidung über Thrombolyse auf Basis des MRT-Befundes ist effektiv und sicher
ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2021Schlaganfall mit unbekanntem Beginn: Entscheidung über Thrombolyse auf Basis des MRT-Befundes ist effektiv und sicher

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schlaganfall mit unbekanntem Beginn: Entscheidung über Thrombolyse auf Basis des MRT-Befundes ist effektiv und sicher

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: picture alliance/VOISIN Phanie
Foto: picture alliance/VOISIN Phanie

Lange erfolgte bei Schlaganfall eine medikamentöse Wiedereröffnung des verstopften Blutgefäßes nur, wenn der Symptombeginn bekannt war und nicht länger als 4,5 Stunden zurücklag. Die Daten der vor 2 Jahren publizierten WAKE-UP-Studie hatten schon darauf hingewiesen, dass eine Thrombolyse auch dann sicher und effektiv ist, wenn Patienten auf Basis der MRT-Diagnostik ausgewählt werden, sollte der Zeitpunkt des Schlaganfalls unklar sein. Dabei kommt zum einen die diffusionsgewichtete Bildgebung (Diffusion Weighted Imaging; DWI) zur Anwendung, die mit hoher Sicherheit und Präzision schon wenige Minuten nach Beginn der Durchblutungsstörung den Schlaganfall anzeigt und die Lokalisation ermöglicht. Die 2. Untersuchung ist die Fluid-Attenuated Inversion-Recovery-Bildgebung (FLAIR), die das Ödem detektiert. Dieses tritt erst mehrere Stunden nach dem Schlaganfall auf. Ist in der DWI, nicht aber in der FLAIR ein Schlaganfall erkennbar (DWI-FLAIR-Mismatch), liegt das Ereignis maximal 4–5 Stunden zurück.

Eine Metaanalyse unter Federführung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sollte nochmals Sicherheit und Effektivität bewerten. Basis waren 843 individuelle Patientendaten aus 4 klinischen Studien, in denen die Gabe von Alteplase mit dem früheren Behandlungsstandard verglichen worden war. Ein günstiges Outcome hatten 47 % der Patienten mit Thrombolyse und 39 % der Kontrollgruppe (adjustierte Odds Ratio: 1,49). „Bei Schlaganfallpatienten mit unbekanntem Beginn kann die Gabe eines Medikaments zur Wiedereröffnung der Blutgefäße das Therapieergebnis im Vergleich zum bisherigen Standard verbessern“, so Prof. Dr. med. Götz Thomalla, Studienleiter und Oberarzt in der Klinik für Neurologie des UKE. Es überstünden bei diesem Vorgehen mehr Patienten einen Schlaganfall ohne bleibende neurologische Ausfälle oder Behinderung.

Fazit: Diese Daten werden eine Behandlung für eine große Population von Schlaganfallpatienten verfügbar machen, die bislang von einer effektiven akuten Therapie ausgeschlossen waren, so das Resümee. Die Zahl der Patienten, die thrombolysiert werden könne, könne um circa 20 % zunehmen. Arne Hillienhof

Thomalla G, Boutitie F, Ma H, et al.: Intravenous alteplase for stroke with unknown time of onset guided by advanced imaging: systematic review and meta-analysis of individual patient data. Lancet 2020; 396: 1574–84.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote