ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2021Pembrolizumab: Neuer Standard beim mNSCLC-Lungenkrebs möglich

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Pembrolizumab: Neuer Standard beim mNSCLC-Lungenkrebs möglich

König, Romy

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In der Behandlung des metastasierenden nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (mNSCLC) ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen könnte sich in der Erstlinientherapie Pembrolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie als Standard etablieren.

Schon 2018 wurden erste Ergebnisse der KEYNOTE-189 veröffentlicht, einer Phase-III-Studie zur Immuntherapie des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC). Damals wurde gezeigt, dass in Kombination mit einer Pemetrexed-haltigen Induktions-chemotherapie und als Zugabe zur Pemetrexed-Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab das progressionsfreie und Gesamtüberleben von Patienten mit NSCLC im Stadium IV verlängert werden kann.

In die doppelblinde Phase-III-Studie waren 616 neudiagnostizierte und nicht vorbehandelte Patienten mit metastasiertem NSCLC inkludiert. Tumore mit EGFR- oder ALK-Mutation – sie machen im Mitteleuropa 10 % bzw. 4 % der NSCLC-Formen aus – waren ausgeschlossen. Nach im Median 10,5 Monaten zeigte die präspezifizierte Interimsanalyse signifikante Verbesserungen im Gesamtüberleben (OS) und im progressionsfreien Überleben (PFS).

Die finale Analyse, die nun auf dem ASCO 2020 vorgestellt wurde, brachte weitere wichtige Ergebnisse, so PD Dr. med. Niels Reinmuth, Chefarzt der Onkologie an den Asklepios Fachkliniken München-Gauting: Die finale Analyse habe nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18,8 Monaten in der Intent-to-treat-(ITT-)Population einen anhaltenden und klinisch relevanten OS-Vorteil mit einer Reduktion des Sterblichkeitsrisikos um 44 % unter Pembrolizumab plus Chemotherapie vs. alleiniger Chemotherapie zeigen können (Hazard Ratio [HR] 0,56; 95-%-Konfidenz-Interval [KI] 0,46–0,69±).

Das mediane Gesamtüberleben habe sich mehr als verdoppelt: 22,0 Monate unter der Kombinationstherapie aus Pembrolizumab und Chemotherapie gegenüber 10,6 Monaten unter der Chemotherapie allein. Das 2-Jahres-Überleben lag unter Pembrolizumab plus Chemotherapie bei 46 % im Vergleich zu 27 % unter Chemotherapie. Ebenfalls bemerkenswert sei die In-study-Cross-over-Rate, die sich auf 41 % (n = 84/206) belaufen hatte.

Auch beim PFS ergab sich ein Vorteil unter Immunchemotherapie mit Pembrolizumab gegenüber alleiniger Chemotherapie (HR 0,49; 95-%-KI 0,41–0,59 ±). So wurde durch Erstere eine längerfristige Therapiekontrolle erreicht und laut Reinmuth die Prognose vieler Patienten deutlich verbessert. Für den Onkologen ist klar: „Die Ergebnisse rechtfertigen den Einsatz einer Pembrolizumab-Kombination als Therapiestandard in dieser Patientengruppe.“

Positiv in allen PD-L1-Gruppen

Ein Überlebensvorteil gegenüber alleiniger Chemotherapie zeigte sich bei Patienten mit hoher PD-L1-Tumorexpression (TPS ≥ 50 %; n = 132 vs. n = 70), mit moderater Expression (TPS 1–49%; n = 128 vs. 58) oder ohne Expression (TPS < 1%; n = 127 vs. 63), dies mit einem reduzierten Sterblichkeitsrisiko von 41 % (HR 0,59; 95-%-KI 0,40–0,86), 34 % (HR 0,66; 95-%-KI 0,46–0,96) beziehungsweise 49 % (HR 0,51; 95-%-KI 0,36–0,71).

Besonders hervorzuheben sei ferner, dass circa 18 % der Patienten bei Einschluss in die Studie Hirnmetastasen aufwiesen – eine Patientengruppe mit häufig ungünstigem klinischen Verlauf, so Reinmuth. Hier habe eine explorative Analyse nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18,7 Monaten eine Verbesserung des Sterblichkeitsrisikos unter der Pembrolizumab-Kombinationstherapie (n = 73/410 zu Studienbeginn) gegenüber der Chemotherapie (n = 35/206 zu Studienbeginn) gezeigt (HR 0,41; 95-%-KI 0,24–0,67).

Beherrschbare Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen einer Therapie mit Pembrolizumab in Kombination mit Pemetrexed und Platin-Chemotherapie waren beherrschbar: In der finalen Analyse traten unerwünschte Ereignisse vom Grad 3–5 unter Pembrolizumab-Kombinationstherapie bei 72,1 % und unter Chemotherapie bei 66,8 % der Patienten auf. 7,2 % beziehungsweise 6,9 % der Patienten verstarben aufgrund unerwünschter Ereignisse. „Davon waren jeweils 2 % im Pembrolizumabarm und 1 % im Chemotherapiearm auf die Studienmedikation zurückzuführen“, so Reinmuth. Immunvermittelte Nebenwirkungen vom Grad 3–5 waren bei 12,1 % der Patienten im Pembrolizumab-Kombinationstherapiearm und 4,5 % im Chemotherapiearm zu beobachten.

„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Behandlung in der klinischen Praxis anwendbar und als Standardtherapie für geeignete Patienten mit neu diagnostiziertem nichtplattenepithelialen metastasierenden NSCLC geeignet ist“, resümiert Reinmuth. Romy König

Quelle: Presseinformation MSD Sharp & Dohme GmbH (Experteninterview), 10. November 2020

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