ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2021CRISPR/Cas-Forschung: Zu wenig Translation

MEDIZINREPORT

CRISPR/Cas-Forschung: Zu wenig Translation

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die Expertenkommission Forschung und Innovation weist in ihrem Jahresgutachten auf das große medizinische Potenzial der Genomforschung hin. Zudem unterbreitet sie Vorschläge, wie die Ergebnisse schneller zu den Patienten kommen könnten.

Foto: LuckyStep/stock.adobe.com
Foto: LuckyStep/stock.adobe.com

Deutschland ist Innovationsland“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) anlässlich der virtuellen Übergabe des Jahresgutachtens 2021 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 24. Februar. Untermauert wird eine solche Aussage für den medizinischen Bereich durchaus durch das EFI-Gutachten – wenngleich mit Einschränkungen.

Die Bedeutung der Genschere CRISPR/Cas in der Medizin war dieses Jahr eines der drei Schwerpunktthemen der Experten, die seit 2008 die Bundesregierung wissenschaftlich beraten sowie die Stärken und die Schwächen des deutschen Innovationssystems aufzeigen. Ihr Fazit: Bezüglich der CRISPR/Cas-Forschung sei Deutschland international führend. Hinsichtlich der Anwendung und Kommerzialisierung der Genschere im Bereich der somatischen Gentherapie bestünden jedoch noch deutliche Defizite. Forschungsergebnisse kämen einfach zu langsam am Patientenbett an.

„In der Forschung zu CRISPR/Cas steht Deutschland im internationalen Vergleich nach der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen gut da und hat im Wesentlichen nur die USA und China vor sich“, erläuterte der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation, Prof. Dr. Uwe Cantner von der Universität Jena, dem Deutschen Ärzteblatt. Bei der Weiterentwicklung der Erkenntnisse zu CRISPR/Cas aus der Wissenschaft in den Bereich der Anwendung falle Deutschland im internationalen Vergleich allerdings zurück. „Bei den Patenten liegt es nun auch hinter Ländern wie Südkorea, der Schweiz, Japan und Großbritannien zurück, die bei Publikationen zum Teil deutlich hinter Deutschland rangieren“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler.

Dies deute auf Probleme bei der Translation hin. Diese verstärkten sich noch, da Deutschland auch auf der weiteren Anwendungsstrecke mit der Anzahl der klinischen Studien international nicht mithalten könne, so Cantner. „Bei der Kommerzialisierung von CRISPR/Cas durch deutsche Unternehmen fällt auf, dass es sich hierbei eher um Großunternehmen handelt, während in den USA überwiegend junge, neugegründete Unternehmen diese Aufgabe übernehmen.“

Die Übergabe des EFI-Jahresgutachtens an Bundeskanzlerin Angela Merkel erfolgte in diesem Jahr virtuell. Foto: picture alliance/dpa/Getty Images Europe Sean Gallup
Die Übergabe des EFI-Jahresgutachtens an Bundeskanzlerin Angela Merkel erfolgte in diesem Jahr virtuell. Foto: picture alliance/dpa/Getty Images Europe Sean Gallup

An Attraktivität verliere der Standort Deutschland für diese Art der Forschung und der Umsetzung aber auch aufgrund bürokratischer Hürden. Nach Ansicht der EFI müssten alle Genehmigungsverfahren rund um CRISPR/Cas sowie klinische Studien – „immer unter der Maxime der Wahrung von Sicherheit und ethischer Vertretbarkeit“ – so gestaltet werden, dass der administrative Aufwand für Forscherinnen und Forscher reduziert werde. Es sollte ermöglicht werden, miteinander verwandte Anträge und Genehmigungsverfahren zu bündeln.

Zudem regt die Kommission weitere Maßnahmen zur Stärkung der Forschung und Translation auf dem Gebiet der Genomforschung an. So sollten einige Leuchtturmprojekte an international wettbewerbsfähigen deutschen Standorten ausgebaut oder neu geschaffen werden. Ferner sollten Kooperationen und Arbeitsgruppen initiiert und gefördert werden, die durch eine frühe Interaktion zwischen Forschung und klinischer Praxis die Überführung in die Anwendung unterstützen und Innovationen hervorbringen. Um die Forscher zu vernetzen, empfiehlt die Kommission, ein „Deutsches Gentherapiezentrum“ einzurichten, das die Rolle eines Kompetenzzentrums für die Überführung von der Grundlagenforschung und präklinischen Forschung in die klinische Anwendung einnehmen könnte.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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