ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2021SARS-CoV-2: Praxen sollen ab April impfen

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SARS-CoV-2: Praxen sollen ab April impfen

Haserück, André

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Im Kampf gegen die Coronapandemie setzen Bund und Länder jetzt auch auf Impfungen in Arztpraxen – flächendeckend sollen diese aber erst im April beginnen, da noch finale Abstimmungsarbeit zu leisten ist. Die Regelungen sollen jedoch möglichst unbürokratisch ausgestaltet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte im Nachgang des jüngsten Bund-Länder-Treffens deutlich, dass die COVID-19-Impfkampagne beschleunigt werden soll. „Wir glauben, dass wir hier noch Steigerungspotenzial haben“, sagte die CDU-Politikerin. Vereinbart wurde deshalb, dass Ende März beziehungsweise Anfang April die haus- und fachärztlichen Praxen umfassend an der Durchführung der Impfungen beteiligt werden. Auch Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sollen im Laufe des zweiten Quartals verstärkt eingebunden werden.

Die hierzu gehörenden Fragen der Vergütung, der Logistik, der Distribution, der Verfügbarkeit von Impfzubehör sowie der eigenständigen Datenmeldung an das Robert Koch-Insitut (RKI) befänden sich in letzten Abstimmungen zwischen allen Beteiligten, so heißt es im Beschlusspapier von Bundeskanzlerin und Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder. Die zur Umsetzung notwendige Rechtsverordnung hatte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zum Redaktionsschluss allerdings noch nicht erlassen.

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Durchimpfung bis Sommer

Bereits im Vorfeld des Bund- und Ländertreffens hatten sich unter anderem die KBV, mehrere Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) sowie auch weitere Ärzteverbände wie die Haus- und Betriebsärzte für die zeitnahe Einbindung der niedergelassenen Ärzte in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ausgesprochen. Wie eine Ende Februar vorgelegte Berechnung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ergab, könnte eine SARS-CoV-2-Erstimpfung der erwachsenen Bevölkerung günstigstenfalls schon in der ersten Julihälfte, die vollständige Immunisierung Anfang August abgeschlossen sein, wenn weitere Impfstoffe kurzfristig zugelassen und alle verfügbaren Impfdosen schnellstmöglich auch in den Arztpraxen verimpft werden.

„Der eigentliche Game Changer werden die Praxen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sein. Sie müssen schnell in die Impfkampagne eingebunden werden“, erklärte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in einer ersten Reaktion auf den Bund-Länder-Beschluss. „Das hat die Politik im Grundsatz auch erkannt“, führte er aus. Dr. med. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, sagte: „Das Impfen in vertragsärztlichen Praxen ist tägliche ärztliche Routine und vor allem dann schnell, wenn die Rahmenbedingungen unbürokratisch sind und man die Praxen machen lässt.“

Erste Details zur möglichen Umsetzung enthält ein Entwurf einer neuen Impfverordnung aus dem BMG. Demnach soll die Vergütung der „beauftragten“ Arztpraxen je Anspruchsberechtigten und je Impfung 20 Euro betragen. Die Beauftragung soll als erteilt gelten, „soweit Impfstoffe an betroffene Arzt-praxen und Betriebsärzte zur Verfügung gestellt werden“. Der vom Bund beschaffte Impfstoff soll wie bei den Impfzentren über die zuständigen Landesbehörden zur Verfügung gestellt werden. Wenn ein Impfbesuch notwendig ist, soll es 35 Euro zuzüglich geben. Für das „Aufsuchen einer weiteren Person in derselben sozialen Gemeinschaft oder Einrichtung“ würden zuzüglich jeweils weitere 15 Euro vergütet. Die Vergütung für eine ausschließliche Impfberatung zum Coronavirus SARS-CoV-2 ohne nachfolgende Schutzimpfung ist mit zehn Euro veranschlagt. Die Impfberatung soll auch telefonisch oder im Rahmen eines Videosprechstundenkontaktes erfolgen können. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sicherte zu, man wolle die Rahmenbedingungen „pragmatisch“ regeln. Vorgesehen ist, die Vergütungen über die Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen zu lassen und aus Bundesmitteln zu refinanzieren.

Niedergelassene vorbereitet

„Wir haben die nötigen Vorarbeiten zu allen Voraussetzungen für das Impfen in den Praxen geleistet. Jetzt setzen wir auf eine schnelle Anpassung der Impfverordnung“, betonte Hofmeister. Ein Start der Impfungen in den Praxen sei in der ersten Hälfte des zweiten Quartals möglich. Zu der Frage, wie die Impfstoffe in die Praxen gelangten, hätten KBV, Apothekerverbände und Pharmagroßhandel bereits gemeinsam praktikable Vorschläge erarbeitet, so Hofmeister. Die KBV schlägt deshalb vor, per Rechtsverordnung klarzustellen, dass die vorgesehene Einbeziehung von „beauftragten“ Arztpraxen lediglich eine kurzfristige Übergangslösung darstellt und die Logistik zeitnah die etablierten Distributionswege über die Apotheken nutzt.

Laut BMG gilt die Priorisierung der Coronavirusimpfverordnung grundsätzlich auch für die Arztpraxen. Die tatsächliche Entscheidung erfolge aber im Sinne einer flexibleren Umsetzung nach jeweiliger ärztlicher Einschätzung vor Ort. André Haserück

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