ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1996Lebensverlängerung aus medizinischer, ethischer und rechtlicher Sicht

SPEKTRUM: Bücher

Lebensverlängerung aus medizinischer, ethischer und rechtlicher Sicht

Bottke, Wilfried; Fritsche, Paul; Huber, Wolfgang; Schreiber, Hans-Ludwig

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LNSLNS Lebensverlängerung
Hervorragende Sachkenner
ilfried Bottke, Paul Fritsche, Wolfgang Huber, Hans-Ludwig Schreiber: Lebensverlängerung aus medizinischer, ethischer und rechtlicher Sicht. Rechtsstaat in der Bewährung, Band 30, C. F. Müller Verlag, Hüthig Fachverlage, Heidelberg, 1995, VII, 162 Seiten, 78 DM
Der Band enthält die im Verlauf der Jahrestagung der Deutschen Sektion der Internationalen JuristenKommission 1994 in Wolfenbüttel gehaltenen Vorträge, zu denen hervorragende Sachkenner geladen wurden. Aus klinischer Sicht vermittelt Paul Fritsche (Homburg/Saar) in zwölf Abschnitten einen Überblick über "Ärztlich-ethische Aspekte zur Ambivalenz der Lebensverlängerung". Das Spektrum reicht von den rasanten Fortschritten der Möglichkeiten zur Lebensverlängerung bis hin zur aktiven Sterbehilfe, wobei die große Bedeutung, die dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten zukommt, immer wieder hervorgehoben wird. Bei allen Entscheidungen des Arztes muß die Sicherung der Menschenrechte Vorrang haben.
Statt des Vortrages von Bottke über "Strafrechtliche Probleme am Lebensbeginn und am Lebensende" wird vom Autor eine fast monographieähnliche Ausarbeitung vorgelegt, die allein rund 60 Prozent des gesamten Buchumfangs beansprucht – eine unangemessene Gewichtsverschiebung. Für interessierte Juristen zweifellos eine Fundgrube, aber auch nach den Worten des Verfassers noch "vieles in der Schwebe lassend". Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten wird erneut unterstrichen, zugleich eine Öffnung zum "Paradigmawechsel strafrechtlichen Lebensschutzes" vollzogen. Das heißt "weg von einer rein quantitativbiologischen Lebenserhaltung und hin zu einer personal-qualitativen Lebensbetrachtung". Hans-Ludwig Schreiber (Göttingen) beschränkt sich auf die juristischen Kernpunkte zum Thema: "Behandlungsabbruch und Sterbehilfe" und hält das "Verbot aktiver Sterbehilfe auch weiterhin für unverzichtbar", was nicht ausschließt, daß Ausnahmefälle denkbar sind, bei denen von Strafe abgesehen werden kann. Bischof Wolfgang Huber diskutiert die "Grenzen des medizinischen Fortschritts" unter Hinweis auf die höchstrichterliche Beurteilung der "passiven Sterbehilfe" (Bundesgerichtshof 1994) mit der Zielsetzung, "die Würde und Selbstbestimmung der Patienten und die Verantwortung der Ärzteschaft nicht gegeneinander auszuspielen, sondern konstruktiv zu verbinden", was dem Theologen auch der einzige Weg zu sein scheint, der in den schwierigen Fragen der Medizinethik weiterführt. Möge bei der Gestaltung weiterer Bände dieser wertvollen Schriftenreihe eine straffe Herausgeberregie für eine der jeweiligen Thematik angemessene Gewichtung der Beiträge sorgen!
Hans-Joachim Wagner, Homburg/Saar
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