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Heidrun Gitter †: Trauer um eine herausragende Ärztin und Berufspolitikerin

Richter-Kuhlmann, Eva

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Heidrun Gitter, Foto: ÄKHB
Heidrun Gitter, Foto: ÄKHB

Nach schwerer Krankheit und dennoch überraschend ist Dr. med. Heidrun Gitter, Kinderchirurgin, Präsidentin der Ärztekammer Bremen und Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer, am 15. März in ihrer Geburtsstadt Bremen im Alter von 60 Jahren verstorben.

„Die Ärzteschaft in Deutschland trauert um eine sehr liebenswürdige Kollegin und leidenschaftliche Kämpferin für ein patientengerechtes Gesundheitswesen“, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. (I) Klaus Reinhardt. Gitter habe sich für notwendige humane ärztliche Arbeitsbedingungen mit größtem persönlichen Engagement in den Gremien der Selbstverwaltung wie auch gegenüber den politischen Institutionen eingesetzt. „Dieser stets beherzte berufspolitische Einsatz hat ihr die verdiente Anerkennung weit über ihren Berufsstand hinaus zuteilwerden lassen. Heidrun Gitter ist viel zu früh von uns gegangen. Wir werden ihr immer ein ehrendes Andenken bewahren“, so Reinhardt.

Engagiert: Heidrun Gitter bei einer Abstimmung beim 107. Deutschen Ärztetag in Bremen 2004. Foto: Bernhard Eifrig
Engagiert: Heidrun Gitter bei einer Abstimmung beim 107. Deutschen Ärztetag in Bremen 2004. Foto: Bernhard Eifrig
Leidenschaftlich: Für mehr Frauen in den Gremien votierte Gitter im Februar 2019. Foto: Georg J. Lopata
Leidenschaftlich: Für mehr Frauen in den Gremien votierte Gitter im Februar 2019. Foto: Georg J. Lopata
Erfolgreich: Der 122. Deutsche Ärztetag in Münster wählte Gitter 2019 zur Vizepräsidentin der Bundesärztekammer. Foto: Jürgen Gebhardt
Erfolgreich: Der 122. Deutsche Ärztetag in Münster wählte Gitter 2019 zur Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer. Foto: Jürgen Gebhardt

Gitter ist seit Jahren als eine Ärztin bekannt, die mit sehr großem Einsatz, hohem Sachverstand, viel Optimismus und einer großen Portion Humor die Belange der Ärzteschaft vertreten hat. „Wir Ärzte sollten gemeinsam immer wieder darauf hinweisen, dass eine medizinische Versorgung einerseits und ein Festhalten an veralteten Kostenvorstellungen andererseits nicht vereinbar sind“, schrieb sie in ihrem ersten Leserbrief an das Deutsche Ärzteblatt. Das war vor fast 30 Jahren, im Mai 1992 – und dennoch ist diese Forderung aktueller denn je.

Ein Jahr später war die Kinderchirurgin in Dresden erstmals Delegierte eines Deutschen Ärztetages, damals noch für die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen. Seitdem engagierte sich Gitter leidenschaftlich in der Berufspolitik: Seit 1996 war sie Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Bremen und gehörte seit dem Jahr 2000 dem Vorstand an, ab Januar 2008 als Vizepräsidentin. Von 1996 bis 2018 war sie gleichzeitig Erste Vorsitzende des Landesverbandes Bremen des Marburger Bundes. 2006 führte sie den Ärztestreik des Marburger Bundes an, an dessen Ende der Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Kliniken stand. 2012 wurde sie zur Kammerpräsidentin in Bremen gewählt und erst im Januar 2020 für eine dritte Amtszeit bestätigt. Im Mai 2019 wählten die Abgeordneten des 122. Deutschen Ärztetages in Münster Gitter zur Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer.

In all ihren Funktionen setzte sich Gitter für humane Arbeitszeiten, die Akzeptanz von Teilzeitmodellen sowie die ärztliche Weiterbildung ein. Ihr Ziel war eine zeitlich realistische, aber dennoch anspruchsvolle Weiterbildung.

Gitter studierte in Köln und Detroit/USA Medizin und Rechtswissenschaften. Sie erwarb den Facharzttitel für Chirurgie in Wiesbaden und begann 1993 in der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Bremen-Mitte. 1999 wurde sie Fachärztin für Kinderchirurgie und arbeitete bis 2020 als leitende Oberärztin. Für ihren Einsatz für ihre Patientinnen und Patienten wurde sie sehr geachtet. Sie war Ärztin mit Leib und Seele.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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