ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2021Impfstart in Arztpraxen: Im Prinzip wieder Hoffnung

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Impfstart in Arztpraxen: Im Prinzip wieder Hoffnung

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Kommt nach allem Hin und Her endlich mehr Bewegung in Deutschlands Impfkampagne? Mit dem Impfstart in den Arztpraxen können endlich die, die schon immer geimpft haben, den Kurs Richtung Herdenimmunität mitbestimmen. Den Niedergelassenen hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zunächst – angesichts des Mangels an lieferbarem Impfstoff – 940 000 Dosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty versprochen. Zum Start haben 35 000 Hausarztpraxen Impfstoff bestellt. Das sind runtergerechnet etwa 27 Dosen je Praxis, ein Tropfen auf den heißen Stein, den impferfahrene Praxen in etwas mehr als einer Stunde verarbeiten können.

Trotzdem gilt endlich wieder das Prinzip Hoffnung. Angesichts schon vor Ostern wieder gestiegener Fallzahlen ist dieser Schritt ein wichtiger Faktor zur Bewältigung der Pandemie. Hoffnungslosigkeit senkt die Compliance, stellt die gebotene Vorsicht und Impfbereitschaft immer wieder infrage und gibt damit der Seuche die Zeit, die sie zur Bildung neuer Varianten braucht.

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In den zurückliegenden Wochen hat der kommunikative Schlingerkurs des Gesetzgebers das Prinzip Hoffnung immer wieder gefährdet. Natürlich liegt das nicht zuletzt auch am Impfstoffmangel: Wer mit leeren Händen dasteht, wirkt in den Augen der Bürger wenig überzeugend. Hinzu kommt, dass komplexe Vorgänge, so zumindest die Sicht des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters, eine ausführliche Erläuterung gegenüber der Öffentlichkeit bedürfen: „Da braucht es mehr als eine Überschrift.“

Dennoch: Sollten im letzten Aprildrittel die von Spahn in Aussicht gestellten drei Millionen Dosen unterschiedlicher Produktionen – neben BioNTech/Pfizer, Johnson & Johnson, respektive der zeitweise immer mal wieder gruppenspezifisch ausgegrenzte Impfstoff von AstraZeneca – wirklich für die Praxen zur Verfügung stehen, noch dazu mit steigender Tendenz, dann werden die immer wieder beschworenen fünf Millionen Impfungen je Sommermonat vorstellbar. Mit jeder weiteren Million Geimpfter wird auch die Politik eingestehen, dass ein Switchback von der Krisenkonstruktion Impfzentrum zum vertrauten Arzt-Patienten-Verhältnis mehr ist als nur eine ersehnte Alltagsrealität.

Schubhemmend wird sich die Sachlage um den AstraZeneca-Impfstoff auswirken, immerhin waren für das zweite Quartal 2021 ganze 15 Millionen Dosen des Impfstoffes als fester Bestandteil der Kampagne eingeplant. Die kommunikative Berg- und Talfahrt um dieses Vakzin ist ein Beweis für die Transparenzwilligkeit der Handelnden, dadurch aber keine vertrauensbildende Maßnahme. Und: Laut dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Andreas Gassen, ist es ein aus wissenschaftlicher Sicht zwar nachvollziehbarer, aber die ärztliche Beratung erschwerender Akt. Die Impflogistik in den Praxen macht das nicht einfacher.

Das in diesem Sommer angestrebte Ziel, allen ein Impfangebot machen zu können, braucht den Mix aller zugelassenen Impfstoffe, so ist Gassen überzeugt. Unabhängig von aller „vor und zurück“ diskutierten Sinnhaftigkeit föderal wie regional diverser COVID-19-Maßnahmenpakete steht anderes vollkommen außer Zweifel: Der Weg aus der Krise heißt schnelles Impfen. Man möge ergänzen: Neue Protagonisten sind die ärztlichen Praxen – und das Prinzip heißt Hoffnung.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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