ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Kardiologie 1/2021Klinische Forschung: „Pflaster“ aus Stammzellen

SUPPLEMENT: Perspektiven der Kardiologie

Klinische Forschung: „Pflaster“ aus Stammzellen

Dtsch Arztebl 2021; 118(15): [14]; DOI: 10.3238/PersKardio.2021.04.16.04

Grunert, Dustin

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Mit der Implantation von neuem, vitalem Herzgewebe eröffnen sich neue Therapieoptionen für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Studie mit 53 Probanden gestartet.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat erstmalig die Prüfung eines Herzmuskelpräparates aus Stammzellen genehmigt. Nach mehr als 25 Jahren Forschung wird die klinische Studie BioVAT-HF-DZHK20 zur „Sicherheit und Wirksamkeit von aus induzierten pluripotenten Stammzell-abgeleitetem menschlichem Herzmuskelgewebe bei terminaler Herzinsuffizienz“ eingeleitet. Für Patienten im Stadium NYHA IV könnte dieser Therapieansatz einer Herztransplantation vorbeugen, die häufig als letzte Möglichkeit bleibt. Die Methode wurde am Standort Göttingen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) entwickelt und wird nun von Wissenschaftlern am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) an 53 Studienteilnehmern erprobt.

Foto: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)
Foto: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)

Um ein Herzpflaster herzustellen, müssen aus Nabelschnurblut in einem Reprogrammierungsverfahren induzierte pluripotente Stammzellen hergestellt werden. Aus den Stammzellen werden im nächsten Schritt Herzmuskelzellen und Bindegewebszellen gezüchtet, in Kollagen aufgenommen und in Gussformen in nahezu beliebiger Größe eingefüllt. Auf dieser Grundlage entstehen innerhalb von drei Monaten die Herzpflaster für die biologische Reparatur des Herzens. „Durch die Implantation von funktionellem Herzgewebe aus induzierten pluripotenten Stammzellen (Engineered Human Myocardium, EHM) beabsichtigen wir erstmalig und dabei zusätzlich zu einer optimalen medizinischen Therapie Herzmuskelgewebe wieder aufzubauen, um so die Pumpkraft des geschwächten Herzens nachhaltig zu steigern“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der UMG, wo das Gewebezuchtverfahren (Tissue Engineering) entwickelt wurde. „Da die Herzinsuffizienz durch einen Verlust von Kardiomyozyten bedingt ist, erscheint ihre Implantation als logischer Ansatz“, so Zimmermann.

Ein einzelnes „Herzpflaster“ besteht aus 40 Millionen Zellen. In der Studie BioVAT-HF-DZHK20 sollen den Patienten jeweils 5 solcher Pflaster – also insgesamt 200 Millionen Zellen – übereinandergestapelt direkt auf die geschädigte Herzwand appliziert werden. Die Implantation erfolgt über einen minimalinvasiven Zugang. In Folgeuntersuchungen nach einem, drei, sechs und zwölf Monaten wird überprüft, ob sowohl eine mechanische als auch eine elektrische Verbindung mit dem Empfängerherzen entsteht. Die Forscher erwarten, dass sich die defekte Herzwand um bis zu 5 mm verdicken lässt. Um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, ist die Einnahme von Immunsuppressiva erforderlich. Dustin Grunert

DOI: 10.3238/PersKardio.2021.04.16.04

Presseinformation Nr. 021/2021 der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) vom 09.02.2021

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