ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2021Gastrointestinale Symptome unklarer Ursache: Selektion für dringliche Koloskopie mit Immuntest auf fäkales okkultes Blut möglich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gastrointestinale Symptome unklarer Ursache: Selektion für dringliche Koloskopie mit Immuntest auf fäkales okkultes Blut möglich

Meyer, Rüdiger

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Foto: Science Photo Library/Gastrolab
Foto: Science Photo Library/Gastrolab

Trotz eines Bevölkerungsscreenings werden mehr als 90 % aller Darmkrebserkrankungen bei Patienten entdeckt, die Symptome haben. Die Beschwerden sind in den meisten Fällen unspezifisch: Bauchschmerzen oder -krämpfe, Gewichtsverlust unklarer Ursache oder Anämie. Es wird dann häufig eine Koloskopie verordnet, die den Verdacht am sichersten klären kann. Die vielen Überweisungen können aufgrund begrenzter fachärztlicher Kapazitäten zu längeren Wartezeiten für die Koloskopie führen – und sie können die Diagnose bei Patienten hinauszögern, die ein höheres Erkrankungsrisiko haben.

Unter Federführung der für die Gesundheitsversorgung einer Region im Südwesten Englands zuständigen South West Cancer Alliances haben Hausärzte deshalb bei Patienten mit niedrigem Ausgangsrisiko zunächst einen immunochemischen Test auf okkultes Blut im Stuhl (FIT) vorgenommen. Nur bei positivem Ergebnis wurde zur Koloskopie überwiesen.

Kriterien für ein niedriges Risiko waren ungeklärte Bauchschmerzen oder ein Gewichtsverlust bei Patienten ab 50 Jahren. Im Alter von 50–60 Jahren wurden auch Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder Eisenmangelanämie als Kriterium für ein niedriges Risiko akzeptiert. Bei Patienten > 60 Jahre wurde jede Art von Anämie als Verdachtsmoment gewertet.

Im zweiten Halbjahr 2018 erfolgte in der Region mit insgesamt 4 Millionen Einwohnern bei 3 890 Patienten wegen der genannten Symptome ein FIT. Der Schwellenwert für ein positives Testergebnis betrug 10 µg Hb/g Fäzes. Bei 618 Patienten fiel der Test positiv aus und es folgte eine Koloskopie, bei 3/4 innerhalb von 3 Monaten.

Bei 43 dieser Patienten wurde in der Koloskopie Darmkrebs diagnostiziert, für 31 Fälle lagen Informationen zum Stadium vor: Bei 6 Patienten befand sich der Tumor im Stadium Dukes A, in dem nur Mukosa und Submukosa befallen sind und eine Operation in der Regel zur Heilung führt. Bei 5 Patienten hatte der Tumor das Stadium Dukes B erreicht, in dem eine Operation mit eventuell anschließender Chemotherapie in etwa 3 von 4 Fällen zur Heilung führt.

Das Stadium C mit Lymphknotenmetastasen hatten 12 Patienten und das Stadium Dukes D mit Fernmetastasen 8 Patienten erreicht. In den Stadien C und D wird immer eine Chemotherapie durchgeführt, die nur im Stadium C zur Heilung führen kann und im Stadium D die Überlebenszeit verlängern soll.

Von 3 272 Patienten mit negativem Ergebnis im FIT erkrankten binnen 1 Jahres 8 an Darmkrebs, darunter 1 Tumor im Stadium Dukes B, 2 Malignome im Stadium Dukes C und 3 im Stadium Dukes D. Für die übrigen beiden lag das Stadium nicht vor.

Der positive Vorhersagewert lag bei 7,0 % (95-%-Konfidenzintervall [5,1; 9,3]), der negative Vorhersagewert bei 99,8 % [99,5; 99,9]. Die Sensitivität betrug 84,3 % [71,4; 93,0] und die Spezifität 85,0 % [83,8; 86,1]. Die Fläche unter der ROC-Kurve – Sensitivität und Spezifität kombiniert – betrug 0,92 [0,86; 0,96] bei einem Maximalwert von 1,0. Bei einem Schwellenwert von 37 µg Hb/g Kot würden alle Patienten mit einem individuellen Krebsrisiko von 3 % identifiziert.

Fazit: Die Vorschaltung eines immunochemischen Tests auf fäkales okkultes Blut wird als Möglichkeit gesehen, längere Wartezeiten für die Koloskopie zu vermeiden, wenn es Engpässe bei Darmspiegelungen gibt, resümieren die Autoren. Sie haben die Studie im Auftrag der Stiftung Cancer Research UK durchgeführt. Rüdiger Meyer

Bailey SER, Abel GA, Atkins A, et al.: Diagnostic performance of a faecal immunochemical test for patients with low-risk symptoms of colorectal cancerin primary care: an evaluation in the South West of England. Br J Cancer 2021; 124: 1231–6.

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