ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2021Gesundheitswesen: Prävention nicht vergessen

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Gesundheitswesen: Prävention nicht vergessen

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Das Bevölkerungsschutzgesetz ist verabschiedet. Die Demonstrationen in Berlin hielten sich halbwegs in Grenzen, auch wenn es nach wie vor unerträglich ist, Demonstranten zu sehen, die einen gelben Stern mit der Aufschrift „Ungeimpft“ tragen. Die Diskussionen im Bundestag waren dagegen energisch und drehten sich alles in allem um einen Aspekt, den der Ausgangssperre. Eine solche Einzelbetrachtung ist symptomatisch für die Debatten der vergangenen Monate. Das große Ganze wird seltener diskutiert, aber gerade darauf kommt es an. Dennoch wird ständig Einzelregelung für Einzelregelung analysiert, für gut oder schlecht befunden. Entweder steht man aufseiten der Warnenden oder der Lockerer. So kann kein Gesamtbild einer Pandemiebekämpfung zustande kommen. Sicher ist dies nicht einfach, zumal es keinem Land gelungen ist, ein Patentrezept gegen die Pandemie zu erarbeiten. Aber das Rezept, die Bevölkerung mitzunehmen, gibt es. Klare verständliche Regelungen und kein Regelwirrwarr, wo der gewinnt, der die lockerste oder die härteste Bestimmung einführt.

Dass Schulen nun ab einer Inzidenzrate von 165 geschlossen werden sollen, während man bis zu einer Inzidenz von 150 noch mit einem Test shoppen kann, erinnert an das Ergebnis eines Inzidenzbasars. Gerade Kinder und Jugendliche sind neben den sozial Schwachen doch die großen Verlierer dieser Pandemie. Wirtschaftliche und psychische Folgen der Pandemie sind unstrittig, genauso wie die jetzt notwendigen Kontaktbeschränkungen. Dieses Spannungsfeld führt zu den verhärteten Diskussionen. Es lohnt aber auch ein Blick aus anderer Sicht. Denn nicht nur die oft genannten Alten und chronisch Kranken sind gefährdet, sondern eben auch Arme und weniger Gebildete. Und damit diejenigen, die schlechtere Jobs haben. Sie arbeiten folglich in Branchen, in denen restriktivere Einschränkungen gelten. Sie können entweder nicht arbeiten oder weniger Homeoffice machen, leben in kleineren Wohnungen und sind weniger gut informiert.

Schon zu Beginn der Pandemie machten dies die Fälle in den Fleischbetrieben deutlich. Dass sozial Benachteiligte eine schlechtere Gesundheit aufweisen, ist durch unzählige Studien belegt. In der Coronapandemie ist dies doppelt gefährlich. Einer Untersuchung der Universität Düsseldorf zufolge haben Hartz-IV-Empfänger ein doppelt so hohes Risiko wegen einer SARS-CoV-2-Infektion hospitalisiert zu werden wie Erwerbstätige. Nach einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts war der Anstieg der COVID-19-Todesfälle in sozial benachteiligten Regionen Deutschlands am stärksten. Das macht deutlich, wie wichtig auch sozioökonomische Daten bei der Analyse der Pandemie sind.

Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas auf viele Strukturprobleme in Deutschland wie bei der Digitalisierung der Gesundheitsämter und der Schulen. Weniger hörte man dies bei Themen wie Prävention und Gesundheitsförderung, gerade für die sozial Schwachen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Bereiche bereits vor der Pandemie nicht im Fokus standen. Von den rund jährlich gut 400 Milliarden Euro für Gesundheitsausgaben in Deutschland fließen nur knapp fünf Milliarden in die Gesundheitsförderung. Man reagiert mehr auf Krankheitsfälle, als sie zu verhindern. Neben all den jetzt zwingend notwendigen Pandemiemaßnahmen darf dies für die künftige Gestaltung des Gesundheitswesens nicht aus dem Blick geraten. Mehr Prävention heißt auch mehr Schutz für die Bevölkerung in der nächsten Pandemie.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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Avatar #720508
e.ne
am Samstag, 15. Mai 2021, 11:42

Prävention ist das A und O

Aber lächerlich in diesem D. bzw. ein Schockzustand.
Ich hatte natürlich angenommen, dass elementare Hygieneregeln
zusammen gefaßt auf einem DinA4Blatt fertig in Schubladen liegen
würden, die im Falle von Gefahr Epidemien, Pandemien sofort an jeden
Haushalt - in soundsoviel allen möglichen Sprachen übersetzt - versandt
werden - können. -
Stattdessen stellte sich heraus:
Dass selbst sog. Bundesspitzenpolitiker, RKI W. und alle Anderen
nicht sicher wissen, was das ist. Im Gegenteil ...
Hygiene? muss das sein? "In die Armbeuge husten niesen"! Spahn/Wieler
Von Händewaschen war erst mindestens 4 Wochen gar nicht die Rede -
dann sehr widerwillig und Drosten meinte so nach 2-3 Monaten 2020
Mai/Juni glaube ich war es, "Händewaschen wird überbewertet!"
Ein lustiges Wölkchen - dumm, faul und frech.
"Masken""Tests" und auf Impfungen warten. Also alles was Geld kostet.
Und selber muss niemand was tun - warten auf den Hl.Geist.
Lüften, gehäuft Wäschewaschen, speziell Türklingen, Lichtschalter, PC-
Tastaturen reinigen ussw. null nichts ist/war bekannt - und wie ich die alle
kenne, mit den Impfungen schon wieder vergessen.
Und die Hasenpest ist ja weit weg - in irgendeiner anderen Stadt.
Ich sehe in D kein normalen Menschen bis auf hin und wieder mal einen Arzt und das auch immer weniger/seltener.

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