VARIA: Post scriptum

Verhüterli antik

Dtsch Arztebl 1996; 93(4): [52]

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Skurril, einfallsreich bis zweckmäßig-rational waren die Methoden zur Empfängnisverhütung in allen Kulturkreisen, auf allen Erdteilen und in der Frühgeschichte der Menschheit schon. Davon gibt eindrücklich das kanadische Ortho-Cilag Museum "The History of Contraception" reichlich Anschauungsmaterial, dessen komplette 600 zumeist Original-Exponate auf der Medica 1995 in Düsseldorf zu sehen waren. Das Museum wurde 1966 von Percy Skuy, dem Präsidenten von Ortho-Mc Neil Inc. im US-Staat New Jersey, gegründet. Skuy war zu diesem Zeitpunkt Produktmanager für orale Kontrazeptiva bei Ortho-Mc Neil Inc. Seine Tätigkeit führte ihn mit Menschen aus aller Welt und vielen Völkern zusammen, die ihm nicht nur von den Verhütungsmethoden erzählten, sondern auch halfen, die Exponate zu finden und zu sammeln.
Kondome aus Tierdärmen (zumeist Schafdarm) haben schon die alten Ägypter benutzt. Aus Gummi werden Kondome ab 1880 hergestellt, aus Latex seit 1930. Die ersten Zeugnisse über Schwangerschaftsverhütungsmethoden datieren weit vor Christi Geburt: Die erste schriftliche Rezeptur zur Herstellung von Tampons enthält der ägyptische Ebers-Papyrus, der auf 1550 vor Christus datiert wird. Dieser Tampon sollte eine ungewollte Schwangerschaft ein bis drei Jahre lang verhindern. Die Rezeptur: Akazien werden mit Feigen vermahlen, die Masse wird mit Baumwolle vermischt und mit Honig geformt. Unter dem Einfluß von Körpertemperatur und Körperflüssigkeit fermentieren die Akazien zu Milchsäure. Außerdem empfahlen die Ägypter Krokodil-Dung zur Verhütung. Der Dung wurde mit einer pastenähnlichen Substanz vermischt und wie ein Pessar in die Vagina eingeführt. Frauen der Osterinsel etwa plazierten vor dem Akt einfach etwas Seetang oder Algen vor den Uterus. Der Dung von Elefanten wurde im 9. Jahrhundert als Verhütungsmittel empfohlen. Der arabische Arzt und Philosoph Al-Razi empfahl, den Dung mit Honig zu vermischen und einen Pessar daraus zu formen. Der Begriff "Kondom" war auch im 18. Jahrhundert weit verbreitet; er wird auf einen Dr. Condom (1600 bis 1685) zurückgeführt, der für den englischen König Charles II. ein "Verhüterli" konstruiert hat. Und im europäischen Mittelalter verließen sich die Frauen auf einen Knochen aus der rechten Seite einer schwarzen Katze, die sie als Amulett am Hals trugen . . . HC
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema