ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2000Qualitätsmanagement: Gastroenterologische Modellpraxis

POLITIK: Aktuell

Qualitätsmanagement: Gastroenterologische Modellpraxis

Dtsch Arztebl 2000; 97(11): A-675 / B-586 / C-536

Brenner, Gerhard; Bogumil, Wolfgang

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LNSLNS Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung entwickelt ein Referenzmodell für eine gastroenterologische Schwerpunktpraxis, das die Qualitätsanforderungen erfüllt und bei hoher Kapazitätsauslastung kostendeckend kalkuliert wird.


Mit differenzialdiagnostischen Methoden ergänzt die ambulante Gastroenterologie die Basisdiagnostik und therapie, die in Praxen von Allgemeinärzten und Ärzten der Inneren Medizin durchgeführt wird. Klare Ausrichtung der Infrastruktur
Durch die fortschrittliche Technik und ein im Umgang mit dieser Technik erfahrenes Personal können gastroenterologische Krankheiten weitgehend ohne Krankenhauseinweisung ambulant diagnostiziert und therapiert werden. Krankenhauseinweisungen werden nur dann erforderlich, wenn der Status des Patienten zwingend eine pflegerische Krankenhausleistung erfordert oder ein ergänzender operativer Eingriff notwendig ist.
Charakteristisch für das ZI-Referenzmodell für die gastroenterologische Schwerpunktpraxis sind folgende Besonderheiten:
- Die konkret aufgelistete und kalkulierte Infrastruktur erfüllt apparativ und personell die geforderten hohen Qualitätsanforderungen. Dies gilt insbesondere auch für den Hygienestandard.
- Der große Leistungsumfang garantiert eine hohe Kapazitätsauslastung.
Auf der Grundlage vorliegender Investitionskalkulationen verschiedener Firmen und Schätzungen des Zentralinstituts auf der Basis von Kostenstrukturanalysen in Arztpraxen wird für die Ausstattung einer gastroenterologischen Praxis mit der notwendigen Medizintechnik, den Büro- und Funktionsmöbeln sowie den Bürogeräten in den Kernbereichen mit einer Investitionssumme von 802 000 DM gerechnet (zur Investitionsstruktur vergleiche Tabelle). Die laufenden jährlichen Betriebskosten einer gastroenterologischen Praxis errechnen sich mit 551 644 DM ohne Arzthonorar. Die Kosten der Praxen entstehen in den verschiedenen Funktionskostenstellen und Gemeinkostenstellen.
Verursachungsgerechte Kostenstellenrechnung
Die Gesamtkosten der Modellpraxis müssen deshalb nach einzelnen Kostenarten verursachungsgerecht den einzelnen Funktions-/Gemeinkostenstellen zugeordnet werden. Einzelne Kostenarten, wie zum Beispiel Medizintechnik und die daraus resultierenden Abschreibungen, sind aufgrund der Standorte zu den Kostenstellen eindeutig zuordenbar. Andere Kostenarten werden über Verrechnungsschlüssel den Kostenstellen zugeordnet. Hierzu gehören beispielsweise Raumkosten, die sich relativ leicht nach den benutzten Quadratmetern in den Kostenstellen zuschlüsseln lassen. Für Kostenarten wie Personalkosten, wo das Personal nicht eindeutig nur in einer Kostenstelle arbeitet, müssen ebenfalls Verrechnungsschlüssel entwickelt werden, um die Personalkosten in Abhängigkeit von der Inanspruchnahme auf die einzelnen Kostenstellen umzulegen.
In der Kalkulation ergeben sich für die Koloskopie je Leistung (1 200 Koloskopien je Jahr) Kosten von 252,03 DM, für die Gastroskopie (1 200 Gastroskopien je Jahr) sind dies 154,02 DM.
Leistungsverlagerung in die ambulante Versorgung
Die kalkulatorischen Berechnungen des Zentralinstituts für die gastroenterologische Schwerpunktpraxis stehen nicht im Gegensatz zu den Honorarberechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im EBM, dessen Grundlage die gegenwärtige Form endoskopischer Leistungserbringung in unterschiedlich organisierten Arztpraxen ist. Die höheren Kosten einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis sind dann zu begründen, wenn eine Konzentration der gastroenterologischen Leistungen mit daraus resultierender Verlagerung von Krankenhausleistungen in den ambulanten Bereich erfolgt.
Zurzeit werden im Krankenhaus (1997) jährlich rund 1,3 Millionen gastroenterologisch relevante Krankheitsfälle der Verdauungsorgane behandelt und verursachen rund 15 Millionen Krankenhaustage.
Schätzungsweise 29,5 Prozent dieser Krankenhausfälle könnten bei entsprechender Einbettung der Gastroenterologie als Schwerpunktfunktion eines neuen Versorgungsmodells im ambulanten Bereich behandelt werden. Ein Verlagerungspotenzial von 2,4 Milliarden DM steht damit zur Diskussion.


Dr. rer. pol. Gerhard Brenner
Dipl.-Kfm. Wolfgang Bogumil
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung
Höninger Weg 115
50969 Köln

Gastroenterologische Modellpraxis - Funktionsbereiche, Raumbedarf, Investitionsvolumen
Funktionsbereiche Raumbedarf Investitions in m2 volumen DM
inkl. MwSt.
Kernbereiche
1. Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, 3 flexible 15 164 000
Endoskope mit Videoausstattung einschließlich
Photodokumentation + fahrbare Liegen
2. Koloskopie, 3 flexible Endoskope mit Video- 30 164 000
ausstattung einschließlich Photodokumentation
+ fahrbare Liegen
3. Proktologie 15 29 000
4. Ultraschall für Abdominaldiagnostik (in 8) 80 000
Basisausstattung
5. Röntgendurchleuchtung (C-Bogen, fahrbar) (in 2) 130 000
zur Lagekontrolle
6. Notfall-Labor 10 10 000
7. Sprechzimmer/Untersuchungseinheit 30 25 000
8. Rezeption/Wartebereich/Büromöbel ohne 50 39 000
EDV-Anlage
EDV-Anlage 21 000
9. Ruhe-/Überwachungsbereich (4 Liegeplätze) 20 10 000
10. Hygiene/Sterilisation 10 50 000
11. Sozialbereich/Archiv/Entsorgung/Toiletten 45 30 000
20% Zuschlag auf Raumbedarf für allgemeine 45
Verkehrsflächen
12. Kleingeräte im gastroenterologischen Bereich 50 000
Summe Kernbereiche 270 802 000
Zusatzbereiche
13. Endoskopisch-retrograde Pankreasdiagnostik 30 142 000
(ERCP)
14. Ultraschall für abdominale Duplexsono- 15 170 000
graphie Ausbau zur Basisausstattung (4)
flexible Endosonographie 200 000
interventionelle Sonographie (Zusatzgeräte) 18 000
Funktionsdiagnostik 10 15 000
Summe Zusatzbereiche 55 545 000

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