ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2000Gepuderte Latexhandschuhe: Die Austauschpflicht ist rechtsverbindlich

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Gepuderte Latexhandschuhe: Die Austauschpflicht ist rechtsverbindlich

Dtsch Arztebl 2000; 97(11): A-684 / B-574 / C-547

Korn, Manfred

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LNSLNS Selbst wenn Naturlatexhandschuhe im eigentlichen Sinne Medizinprodukte sind, unterliegen sie rechtsverbindlich der Gefahrstoffverordnung.


Zur Primär- und Sekundärprävention naturlatexbedingter Allergien sind gepuderte Naturlatexhandschuhe durch ungepuderte allergenarme Naturlatexhandschuhe oder durch naturlatexfreie Schutzhandschuhe zu ersetzen. Diese Empfehlungen sind seit Ende 1997 rechtsverbindlich. Verschiedentlich ist zwischenzeitlich die Auffassung vertreten worden, diese Rechtsverbindlichkeit besitze keine Gültigkeit, da medizinische Schutzhandschuhe auch nach dem Medizinproduktegesetz (MPG) zertifiziert würden.
In der Tat werden in diesem Gesetz bestimmte Medizinprodukte aus dem Geltungsbereich des Chemikaliengesetzes (ChemG) und damit aus dem der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) weitgehend herausgenommen. Allerdings greift das MPG nicht für Artikel der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Da medizinische Handschuhe und Fingerlinge als Artikel der PSA in den Anhängen der 8. Gerätesicherheitsverordnung genannt werden, sind für sie die Vorschriften des ChemG und damit die GefStoffV gültig. Außerdem verpflichtet eine EG-Richtlinie (89/686/ EWG) die Mitgliedsstaaten, alle Maßnahmen zu treffen, um PSA aus dem Verkehr zu ziehen, welche die Sicherheit von Personen zu gefährden droht. Die Rechtsverbindlichkeit basiert letztlich auf der Einstufung von Naturgummilatex und naturgummilatexhaltigem Staub in der TRGS 907 als haut- und atemwegssensibilisierend, wobei besonders die Staubinhalation von Bedeutung ist.
Selbst wenn medizinische Schutz-handschuhe primär Medizinprodukte sind, so werden sie als Artikel der Persönlichen Schutzausrüstung verwendet. Damit unterliegen sie gleichzeitig den allgemeinen Umgangsvorschriften nach dem 5. Abschnitt der GefStoffV und den Technischen Regeln für Gefahrstoffe. Außerdem ist es auch nach dem MPG verboten, Medizinprodukte in den Verkehr zu bringen, für die der begründete Verdacht besteht, die Gesundheit von Patienten, Anwendern oder Dritten bei sach- und zweckbestimmungsgemäßer Verwendung zu gefährden. Hierunter fallen auch Medizinprodukte für die Anwendung am Kranken. Fazit: Für Schutzhandschuhe aus gepudertem Naturlatex besteht eine rechtsverbindliche Austauschpflicht gegen ungepuderte, allergenarme Na-turlatexhandschuhe mit einem Allergengehalt unter 30 µg/g Handschuhmaterial oder Handschuhe aus anderem geeignetem Material. Darüber hinaus dürfen andere allergenhaltige Naturlatexprodukte nicht an latexsensibilisierten Patienten zum Einsatz kommen. Somit sind sämtliche Notfalleinrichtungen latexallergenfrei zu führen, um auch unbeabsichtigte Gefährdungen in der Notfallversorgung auszuschließen.


Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Biol. Manfred Korn
Berufsgenossenschaftliches Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin (BGFA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum


Kontakturtikaria nach 30-minütigem Tragen von allergenhaltigen Naturlatexhandschuhen
Foto: Prof. Dr. X. Baur, BGFA, Bochum

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