SUPPLEMENT: Perspektiven der Diabetologie

Prädiabetes: Eine inhomogene Personengruppe

Dtsch Arztebl 2021; 118(19-20): [24]; DOI: 10.3238/PersDia.2021.05.17.05

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein deutsches Forscherteam hat Rahmen einer Langzeitstudie 6 Subtypen des Prädiabetes identifiziert, die sich in Bezug auf Risikofaktoren, Krankheitsentstehung und Prognose deutlich unterscheiden. Bei den Teilnehmern der TUEF/TULIP-Studie (n = 899) wurde zu Beginn ein oraler Glukosebelastungstest, eine MRT-basierte Bestimmung des Körperfetts und eine Protonen-MR-Spektroskopie zum Fettgehalt der Leber durchgeführt. Die von Prof. Dr. med. Robert Wagner, Leiter der Endokrinologischen Ambulanz der Uniklinik Tübingen, vorgestellten Ergebnisse einer Cluster-Analyse zeigen, dass sich der Prädiabetes in den folgenden Jahren in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Die Forscher unterscheiden 6 Subtypen, von denen 3 (die Subtypen 1, 2 und 4) ein niedriges Diabetesrisiko hatten.

  • Subtyp 1 war mit einem BMI von durchschnittlich 26,82 kg/m2 übergewichtig,
  • Subtyp 2 normalgewichtig (BMI 23,45 kg/m2).
  • Beim Subtyp 3 (BMI 29,15 kg/m2) produzierten die Betazellen nicht mehr genügend Insulin, um den Blutzucker im Normalbereich zu halten. Wagner bringt dies mit Fettablagerungen im Bauchbereich und im Pankreas in Verbindung, die die verminderte Insulinsekretion erklären könnten. Eine erhöhte Intima-Media-Dichte in der A. Carotis wies auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin.
  • Der Subtyp 4 war mit einem mittleren BMI von 31,54 kg/m2 ebenfalls adipös, die Fettablagerungen befanden sich jedoch überwiegend im subkutanen Gewebe und nicht im Bauchbereich. In dieser Gruppe war der Glukosestoffwechsel regelrecht, was als metabolisch gesunde Adipositas bezeichnet wird.
  • Der adipöse Subtyp 5 (BMI 34,45 kg/m2) zeichnete sich durch einen sehr hohen Fettgehalt der Leber und eine ausgeprägte Insulinresistenz aus. Diese Patienten haben laut Wagner das größte Diabetesrisiko; auch die Gefahr von Nieren- und Gefäßkrankheiten ist am höchsten.
  • Der Subtyp 6 (BMI 34,94 kg/m2) wies bereits Folgeschäden an den Nieren auf, bevor sich der Typ-2-Diabetes manifestierte. Die Betroffenen hatten eine ausgeprägte viszerale Adipositas, aber selten eine Fettleber. Die Insulinproduktion der Betazellen war deutlich gesteigert (Hyperinsulinämie).

Die Einteilung in verschiedene Subtypen könnte laut Wagner Auswirkungen auf die Behandlung haben. Personen mit Subtyp 5 haben ein unmittelbares Risiko auf einen Diabetes. Sie könnten von einer intensiven Diät- und/oder Lebensstilintervention profitieren, die auf eine Gewichtsabnahme und eine Leberfettreduzierung abzielen. Beim Subtyp 3 könnte Ausdauersport und eine Kalorienreduktion durch den Abbau des viszeralen Fettgewebes den Diabetes verhindern. Beim Subtyp 6 sind frühzeitig therapeutische Maßnahmen angezeigt.

DOI: 10.3238/PersDia.2021.05.17.05

Anzeige

Rüdiger Meyer

Wagner R, Heni M, Tabák AG, et al.: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nat Med 2021; 27, 49–57, https://doi.org/10.1038/s41591–020–1116–9.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote