ArchivDeutsches Ärzteblatt19-20/2021COVID-19: Risiko für schweren Verlauf steigt schon unterhalb der Schwelle zum Übergewicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

COVID-19: Risiko für schweren Verlauf steigt schon unterhalb der Schwelle zum Übergewicht

Meyer, Rüdiger

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Foto: aboikis/stock.adobe.com
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In einer Kohortenstudie mit britischen Hausarztpatienten, die an COVID-19 erkrankt waren, stieg das Risiko für eine Hospitalisierung bereits unterhalb der Schwelle zum Übergewicht an. Das Sterberisiko war laut dem Bericht bereits bei mäßigem Übergewicht erhöht.

Eine Adipositas wurde bereits zu Beginn der Pandemie als Risikofaktor für COVID-19 erkannt. Die meisten Studien beruhten jedoch auf Vergleichen unter hospitalisierten Patienten, was leicht zu Verzerrungen führen kann. Ein Team um Dr. Carmen Piernas von der Universität Oxford hat deshalb die Daten von 6,9 Millionen Patienten aus 1 500 Hausarztpraxen in England ausgewertet, von denen 13 503 wegen COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert und 1 601 auf einer Intensivstation behandelt werden mussten. Insgesamt 5 479 Patienten starben an oder mit COVID-19.

Die Analyse ergab, dass das Hospitalisierungsrisiko bereits ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 23 kg/m2 linear anstieg, also bereits unterhalb der Grenze zum Übergewicht, die bei 25 kg/m2 liegt. Das Sterberisiko war ab einem Wert von 28 kg/m2 erhöht, also unterhalb der Schwelle zur Adipositas. Hausarztpatienten mit Untergewicht hatten ebenfalls ein erhöhtes Hospitalisierungs- und Sterberisiko. Für die Notwendigkeit einer Intensivbehandlung war kein Schwellenwert des BMI nachweisbar.

Die Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas waren bei jüngeren Patienten am deutlichsten. Mit zunehmendem Alter nahm der Einfluss des BMI auf das Risiko in den 3 Kategorien Hospitalisierung, Intensivbehandlung und Tod ab. Bei über 80-Jährigen scheint es kaum noch einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu haben.

Fazit: Der Einfluss des Übergewichts auf den Verlauf der Erkrankung war weitgehend unabhängig von einem Typ-2-Diabetes oder anderen Vorerkrankungen. Das Risiko lasse sich deshalb nicht auf metabolische Störungen wie etwa eine Insulinresistenz zurückführen, so die Autoren. Weshalb übergewichtige und adipöse Menschen häufiger schwer an COVID-19 erkrankten, ist nach ihrer Einschätzung nicht geklärt. Rüdiger Meyer

Gao M, Piernas C, Astbury NM, et al.: Associations between body-mass index and COVID-19 severity in 6·9 million people in England: a prospective, community-based, cohort study. Lancet Diabetes & Endocrinology 28. April 2021, DOI: 10.1016/S2213-8587(21)00089-9.

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