ArchivDeutsches Ärzteblatt19-20/2021Impfsicherheit: Aspiration vor Applikation
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In Ihrem Artikel „Überwacht und überdacht“ berichten Sie am Beispiel des COVID-19-Impfstoffes von AstraZeneca sehr eindrücklich, wie schwierig es ist, seltene Impfkomplikationen auf einen Wirkstoff zu beziehen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass auf ein so einfaches und sicheres Mittel wie die Aspiration vor Applikation der Impfung verzichtet wird, um eine intravasale Injektion auszuschließen.

Erfahrungsberichte von Hausärzten (u. a. im Aerztblatt-Forum) belegen, dass ein Gefäß auch im Deltamuskel getroffen werden kann. Die aktuellen Coronavakzine sind neuartige Impftechnologien; die seltenen, bedrohlichen Nebenwirkungen liegen im Gefäßbereich (Thrombosen, in Diskussion: Myokarditis). Eine intravasale Injektion könnte eine plausible und somit vermeidbare Ursache sein.

Bei Allergie-Desensibilisierungen oder Injektionen von öligen Emulsionen wird eine Aspiration weiterhin durchgeführt, bei einer Impfung empfiehlt die STIKO seit 2016, um „Schmerzen zu vermeiden“ darauf zu verzichten. Warum (die „Schmerzen“ bei der Aspiration sollten ja dieselben sein)? – Weil es bei intravasaler Injektion keine sofort sichtbaren Reaktionen wie eine Lungenembolie oder einen anaphylaktischen Schock gibt? Man beachte, dass auch herkömmliche Impfstoffe z. B. mit Aluminium-Adjuvanzien u. a. deshalb vom PEI als unbedenklich eingeschätzt werden, weil sie intramuskulär injiziert werden und daher nicht vollständig intravasal verfügbar sind. Gerade jetzt, wo seltene Impfnebenwirkungen durch die schiere Menge der Impfungen zu regelmäßigen Ereignissen werden, sollte die intramuskuläre Lage der Kanüle kein Unsicherheitsfaktor sein!

Dr. med. Felix Meier, 49086 Osnabrück

Kommentare

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Avatar #981921
F1NvSdgiah!?
am Dienstag, 28. Dezember 2021, 13:59

Versehentliche Aspiration bei i.m oder s.c. Injektion

Gerade komme ich von einem geplanten Impftermin zurück. Die anwesende Ärztin weigerte sich, die von mir geforderte Aspiration und die langsame Injetion durchzuführen. Sie verwies auf die "Anweisung" der STIKO, die diese Fragestellung mit dem Verweis auf die Schmerzreduktion nicht unterstützt.
Da ich aus meiner Praxis als Krankenpfleger und Lehrer für Gesundheitsberufe erfahren habe, dass eine versehentliche i.v. Injetion nur deshalb nicht unternommen wurde, weil nach der "leichten" Aspiration bereits Blut in der Spritze war. Das war in der Tat nicht häufig der Fall. Den Lernenden in der Krankenpflege habe ich dasrauf die Frage gestellt: "Wieviel Patienten sie im Berufsleben 'frei' haben die durch die Nichtaspiration gefährdet werden?" Wenn außerdem der Kanülenkonuns mit einer Hand gesichert wird, so dass eine möglichst bewegungsarme Injektion möglich ist, sehe ich nicht die Problematik der besonderen Schmerzhaftigkeit. Überhaupt treten Schmerzen nur dann auf, wenn versehentlich ein Nerv beim Einstich getroffen ist; doch auch dann sollte ich nicht injizieren, oder wenn die Injektionsflüssigkeit zu schnell gespritzt wird.
Zur Injektionsgeschwindigkeit sollte man sich die zelluläre Lage vergegenwärtigen. Der Wirkstoff soll mehr oder weniger langsam durch den ungestörten Lymphstrom in das Kreislaufsystem gelangen. Bei einer zu schnellen Injektion, auch von weniger als 2 ml kann es zu Blutungen kommen, was ich in der Praxis durch s.c. Injektionen druch unerfahrene Mitarbeiter desöfteren erleben konnte. Diese Gewebszerstörung (möglichst noch mit "Einmassieren" des Wirkstoffs) verändert die Resorption und Wirkung des Arzneimittels. Ferner ist es wenig sinnvoll eine "Hautfalte" bei einer i.m. Injektion zu bilden, da diese nur bei s.c. Injektionen von Patienten mit geringem Unterhaut-Fettgewebe nötig ist.
Ich verstehe von daher die Bilder nicht, die derzeit in den Medien gezeigt werden, die eine oder mehrere Sicherheitsaspekte außer Acht lassen.
Gerhard Leschik
Avatar #978757
HeKW
am Montag, 29. November 2021, 12:18

Folgen einer intravasalen Injektion?

Hallo,
welche Folgen könnte denn eine intravasale Injektion der Impfung haben? (Ich frage als medizinischer Laie.)
Mit freundlichen Grüßen
Avatar #649543
Dr. Eberhard Meier
am Dienstag, 18. Mai 2021, 14:56

Impfsicherheit: Aspiration vor Applikation

Dem Beitrag zur Impfsicherheit kann ich nur zustimmen. Ich habe circa 30 Jahre in einer großen
hausärztlichen Praxis gearbeitet ; In diesen Jahren ist es zwar selten aber immer wieder zu Blutaspirationen bei i.m. Injektionen gekommen auch im Bereich des M. deltoideus . Zur Sicherheit eine Aspiration durchzuführen, ist eine einfache und effektive Maßnahme. Schmerzen traten bei Jugendlichen und bei Erwachsenen dabei nicht auf. Eine intravasale Injektion und deren Folgen werden so sicher vermieden.
Dr. E.M.

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