ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2021Diabetische Ketoazidose bei Manifestation eines Typ-1-Diabetes-mellitus im Kindes- und Jugendalter
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Hintergrund: Die diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine potenziell lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung, die bei der Manifestation eines Diabetes Typ 1 (T1D) droht. Ziel dieser Untersuchung war es, die Häufigkeit der DKA bei der Diagnose eines T1D im Kindes- und Jugendalter, die Risikofaktoren sowie regionale Ansätze zur Reduktion von Ketoazidosen zu analysieren.

Methode: Wir analysierten den Anteil von Patienten unter 18 Jahren mit DKA (definiert als pH < 7,3, schwere DKA pH < 7,1) bei der Diabetesmanifestation in Deutschland in den Jahren 2000–2019, die in der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) erfasst waren. Als Einflussfaktoren wurden Manifestationsjahr, Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund (MiH) und Entfernung zur Klinik untersucht. Zusätzlich wurden Daten von Regionen mit einem Screening-Pilotprojekt ab 2015 im Vergleich zu Regionen ohne ein solches ausgewertet.

Ergebnisse: Von 41 189 Patienten mit T1D-Manifestation trat eine DKA bei 19,8 % (n = 8 154, leichter Anstieg [p < 0,001]) im Untersuchungszeitraum auf, eine schwere DKA bei 6,1 % (n = 2 513). Kinder unter sechs Jahren hatten häufiger eine DKA als Jugendliche (12–17 Jahre, 21,7 % versus 18,6 %, Odds Ratio 1,22; 95-%-Konfidenzintervall: [1,14; 1,30]). Mädchen hatten eine höhere DKA-Rate als Jungen (20,5 % versus 19,2 %, OR 1,10 [1,03; 1,14]), ebenso wie Patienten mit MiH gegenüber Patienten ohne MiH (21,4 % versus 18,2 %, OR 1,40 [1,32; 1,48]). In den Regionen mit einem Screening-Pilotprojekt lag die DKA-Rate gleichbleibend bei 20,6 %, in der Kontrollregion bei 22,7 %, mit abnehmender Tendenz.

Schlussfolgerung: Die Häufigkeit der DKA bei der Diagnosestellung eines T1D ist zwischen 2000 und 2019 nicht gesunken, sondern zuletzt angestiegen. Kinder mit MiH, Kinder unter sechs Jahren und Mädchen wiesen ein höheres Risiko für eine DKA auf.

LNSLNS

In Deutschland sind derzeit schätzungsweise 32 000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren von einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ 1 (T1D) betroffen (1, 2), also ein Kind unter 500. Jährlich erkranken über 3 000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, etwa 23 je 100 000, neu an T1D (2, 3). Diese Neuerkrankungsrate steigt jährlich um 3–4 % an (2, 3). Wenn erste Symptome der Diabetesmanifestation wie Polyurie, Polydipsie, Müdigkeit und Gewichtsabnahme nicht zur Diagnosestellung führen, besteht die Gefahr einer diabetischen Ketoazidose (DKA, 4), die kurzfristig zu einem Hirnödem (5, 6) und in Einzelfällen auch zum Tod (7, 8) führen kann. Mittel- und langfristig droht ein ungünstigerer Krankheitsverlauf mit verkürzter Remissionsphase und schlechterer Stoffwechselkontrolle (9, 10) sowie bleibende intellektuelle und kognitive Beeinträchtigungen (11). Anzustreben ist daher die möglichst frühe Diagnose einer Diabetesmanifestation, um die Entwicklung einer DKA zu vermeiden. Da die Inzidenz des T1D seit Jahren zunimmt, könnte eine erhöhte Aufmerksamkeit für diese Erkrankung vermutet und damit eine frühere Diagnosestellung erwartet werden. Für diese Annahme spricht, dass in Ländern mit hoher Diabetesinzidenz die DKA-Raten niedriger liegen als in Ländern mit niedriger Inzidenz (12). Somit könnten Aufklärungskampagnen oder auch Screening-Programme (13) dabei helfen, einen T1D in einem frühen Stadium zu diagnostizieren und damit die Entwicklung einer DKA verhindern.

Fragestellungen

Wie hoch ist der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die sich mit einer Ketoazidose bei der Manifestation eines T1D präsentieren? Hat dieser Anteil während der letzten beiden Jahrzehnte abgenommen? Gibt es Risikofaktoren, die zur Ketoazidose bei der Manifestation prädisponieren? Gibt es Hinweise dafür, dass ein Diabetes-Screening-Programm die DKA-Häufigkeit verringert? Mit diesen Fragen hat sich die vorliegende Untersuchung beschäftigt.

Methoden

Patientendaten

Die Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) erfasst seit 1995 kontinuierlich Daten von Kindern mit Diabetes in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg (14). Inzwischen wird ein hoher Anteil der an Diabetes erkrankten Kinder in Deutschland erfasst: derzeit über 25 000 erfasste Patienten bei einer Gesamtprävalenz von schätzungsweise 32 000.

Für die vorliegende Studie wurden die Daten von 202 Behandlungseinrichtungen in Deutschland ausgewertet, die in den Jahren 2000 bis 2019 Kinder mit einer T1D-Neuerkrankung betreut und im DPV-Register dokumentiert hatten. Von insgesamt 41 331 Datensätzen wurden 41 189 ausgewertet; 142 (0,34 %) Datensätze blieben unberücksichtigt, weil sie von Einrichtungen stammten, die den pH-Wert bei der Manifestation nicht dokumentieren.

Die Diagnose DKA wurde gestellt, wenn der pH-Wert (venös/kapillär) bei der Diagnosestellung des Diabetes mellitus unter 7,3 oder der Bikarbonatwert < 15 mmol/L lag. Bei einem pH-Wert unter 7,1 wurde von einer schweren DKA ausgegangen (2).

Potenzielle Risikofaktoren

Um potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung einer DKA zu bestimmen, wurden folgende Daten erfasst:

  • Jahreszahl der Manifestation
  • Alter bei der Diagnosestellung
  • Geschlecht
  • Migrationshintergrund (MiH) der Herkunftsfamilie (Patient oder mindestens ein Elternteil ist nicht in Deutschland geboren)
  • Entfernung zur erstbehandelnden Klinik (Luftlinie, berechnet aus den Postleitzahlen vom Wohnort des Patienten und der Klinik)

Regionale Ansätze

Bayern und Baden-Württemberg wurden zusätzlich separat ausgewertet, da in Bayern seit 2015 eine Antikörper-Screening-Studie bei Kleinkindern im Alter von 2–5 Jahren (Fr1da-Studie [15]) und in Teilen Baden-Württembergs ein Aufklärungsprogramm durchgeführt werden (2015–2017 [16]).

Die Ethikkommission der Universität Ulm hat der Auswertung der anonymisierten Daten des DPV-Registers zugestimmt, ebenso die Datenschutzbeauftragten der beteiligten Einrichtungen.

Statistik

Die Daten wurden mithilfe des Statistikprogramms SAS Version 9.4 (TS1M5, SAS Institute Inc., Cary, NC, USA) analysiert. Die Veränderung des DKA-Anteils über die Behandlungsjahre wurde in den Grafiken zur Visualisierung des Zeittrends linear dargestellt. Der Einfluss potenzieller Risikofaktoren wurde anhand einer logistischen Regressionsanalyse mit den festen Effekten Manifestationsjahr (linear), Geschlecht, Altersgruppe (drei Kategorien) und Migrationshintergrund untersucht (Schätzer: „maximum likelihood“). Die Häufigkeit der DKA wird in Prozent, die Ergebnisse von Gruppenvergleichen werden als Odds Ratios mit 95-%-Konfidenzintervallen angegeben. Aufgrund der großen Fallzahl wurde ein p-Wert < 0,01 als signifikant angesehen.

Ergebnisse

Diabetesmanifestation mit Ketoazidose in Deutschland: Häufigkeit und zeitlicher Trend

In den Jahren von 2000 bis 2019 lag der DKA-Anteil bei der Manifestation eines T1D im Kindes- und Jugendalter in Deutschland bei 19,8 %. Bis zum Jahr 2016 blieb dieser Anteil etwa konstant; ab 2017 zeigte sich ein Anstieg (Grafik 1 a). Eine schwere DKA wiesen deutschlandweit 6,1 % der neudiagnostizierten Patienten auf. Dabei stieg dieser Anteil zuletzt leicht, aber statistisch signifikant an (Grafik 1 a). Acht Patienten waren als verstorben dokumentiert.

Anteil (%) von Patienten mit einer diabetischen Ketoazidose (pH < 7,3, blaue Linie) beziehungsweise einer schweren Ketoazidose (pH < 7,1, rote Linie) bei Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 in den Jahren 2000–2019
Grafik 1
Anteil (%) von Patienten mit einer diabetischen Ketoazidose (pH < 7,3, blaue Linie) beziehungsweise einer schweren Ketoazidose (pH < 7,1, rote Linie) bei Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 in den Jahren 2000–2019

Eine Ausnahme stellte 2010 dar, da in diesem Jahr sowohl deutschlandweit als auch in den gesondert betrachteten Bundesländern Ketoazidosen seltener auftraten als in den Jahren zuvor und danach.

Assoziationen zu potenziellen Risikofaktoren

Das Alter bei der Diabetesmanifestation beeinflusst die Rate der DKA deutlich: Kinder im Alter unter sechs Jahren trugen ein signifikant höheres Risiko, eine DKA zu entwickeln, als ältere Kinder beziehungsweise Jugendliche (Tabelle). Mädchen wiesen eine etwas höhere Rate an DKA bei Manifestation auf (Tabelle) als Jungen.

Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund: Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für eine Ketoazidose (pH < 7,3) bzw. eine schwere Ketoazidose (pH < 7,1) bei der Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 assoziiert sind
Tabelle
Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund: Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für eine Ketoazidose (pH < 7,3) bzw. eine schwere Ketoazidose (pH < 7,1) bei der Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 assoziiert sind

Patienten mit Migrationshintergrund waren signifikant häufiger von einer DKA bei der Manifestation betroffen als Kinder ohne MiH (Tabelle, Grafik 2). Der Anteil der Patienten mit MiH war während der Jahre 2000–2019 von 11,9 % auf 26,2 % gestiegen und betrug insgesamt 20,7 %. Der zunehmende Anteil von Patienten mit MiH ist nicht für den leichten Anstieg der DKA-Häufigkeit in Deutschland verantwortlich: Die DKA-Rate für Patienten ohne MiH lag insgesamt etwas niedriger, aber ebenfalls mit zuletzt leicht ansteigender Tendenz (Grafik 2).

Anteil (%) von Patienten mit diabetischer Ketoazidose mit Migrationshintergrund (dicke Linien, grün: pH < 7,3; gelb: pH < 7,1) in den Jahren 2000–2019
Grafik 2
Anteil (%) von Patienten mit diabetischer Ketoazidose mit Migrationshintergrund (dicke Linien, grün: pH < 7,3; gelb: pH < 7,1) in den Jahren 2000–2019

Die Entfernung (Luftlinie) zur erstbehandelnden Klinik lag bei Patienten mit DKA bei 19,6 km, bei Patienten ohne DKA bei 20,2 km (durchschnittlich 20,0 km). Sie war nicht assoziiert mit dem Risiko der Entwicklung einer Ketoazidose.

Sonderauswertung zweier Bundesländer

In Bayern (Antikörper-Screening-Projekt, n = 4 726) lag die Gesamthäufigkeit der DKA von 2000 bis 2019 bei 20,6 %; eine relevante Veränderung war über diesen Beobachtungszeitraum nicht festzustellen (p = 0,32; Grafik 1 b). In Baden-Württemberg (zeitweise Aufklärungsprogramm; n = 4 944) betrug die Gesamthäufigkeit 22,7 %, mit leicht abnehmendem Trend (p = 0,012; Grafik 1 c). Die Häufigkeit der schweren DKA lag in Bayern und in Baden-Württemberg bei 6,8 %; eine statistisch bedeutsame Veränderung war nicht erkennbar.

Diskussion

Häufigkeit der diabetischen Ketoazidose im internationalen Vergleich

In unserer Analyse liegt die DKA-Rate bei der Manifestation eines T1D bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mit knapp 20 % im gleichen Bereich wie die Rate einer Erhebung aus den Jahren 1995–2007 mit 21,1 % (17). Damit liegen die Zahlen für Deutschland höher als in Schweden mit einer Rate von 16–19 % (5, 18). Gründe dafür könnten die höhere Inzidenz und dadurch der höhere Bekanntheitsgrad in Skandinavien sein (19), aber auch die strukturierte Versorgung und die Aktivitäten zur Prävention und Früherkennung (20).

Daten eines vergleichbaren Kollektivs aus Colorado, USA, zeigen einen Anteil von Patienten mit DKA von über 50 % (21). Aktuelle italienische Angaben weisen auf DKA-Raten bis knapp 50 % hin (22). Die höchste Rate mit fast 80 % wurde in Saudi-Arabien festgestellt (23).

Bezüglich der wenigen für Deutschland im DPV-Register dokumentierten Todesfälle können wir eine Untererfassung nicht sicher ausschließen.

Entwicklung über die Jahre

Entgegen unserer Erwartung ist der DKA-Anteil bei der Diabetesmanifestation nicht abgesunken, sondern bundesweit über Jahre konstant geblieben und zuletzt sogar angestiegen.

Alter und Geschlecht als Risikofaktoren

Sowohl Kleinkinder als auch Mädchen zeigen in unserer Studie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer DKA bei der Diabetesmanifestation. Die Autoimmunreaktion, die zur Entstehung eines T1D führt, schreitet bei betroffenen Kleinkindern möglicherweise rascher voran als bei älteren Kindern und Jugendlichen (24).

Kleinkinder sind aufgrund ihrer geringeren Körpermaße und wegen schwieriger zu interpretierender klinischer Symptome stärker gefährdet, eine DKA zu entwickeln.

Bei Mädchen zeigte sich in einem großen finnischen Kollektiv ein stärkerer Gewichtsverlust, eine längere Diagnoselatenz und ein höherer HbA1c-Wert (24). Die leichte Mädchenwendigkeit zeigte sich in Deutschland bereits in früheren Untersuchungen (17, 18), darf aber trotz statistischer Signifikanz nicht überinterpretiert werden: Eine US-amerikanische Studie fand keinen Einfluss des Geschlechts auf das Risiko einer DKA-Entstehung (21). Insgesamt ist die Datenlage zum Geschlecht als Risikofaktor nicht einheitlich (18, 19).

Entfernung zum Krankenhaus

Die Entfernung zum erstbehandelnden Krankenhaus ist in Deutschland nicht assoziiert mit dem Auftreten einer DKA. Allerdings ist die durchschnittliche Luftlinien-Entfernung ohnehin gering. Die Befürchtung, während eines langen Transports zu einer entfernt liegenden Klinik könnte häufiger eine DKA entstehen, kann somit verworfen werden. Offenbar werden Kinder mit DKA in Deutschland (und Österreich) im Zweifelsfall nicht im eventuell weiter entfernten Krankenhaus mit höherer kinderdiabetologischer Expertise, sondern im nächstgelegenen (Kinder-)Krankenhaus vorgestellt und versorgt (25). In Colorado, USA, ist ein ländlicher Wohnsitz im Gegensatz zu städtischen Wohngebieten unabhängig von der Entfernung zum erstbehandelnden Krankenhaus signifikant mit dem Auftreten einer DKA assoziiert (21).

Migrationshintergrund als Risikofaktor

Unsere Auswertung zeigt, dass eine Assoziation zwischen MiH und dem Auftreten einer DKA bei Diabetes-Manifestation vorliegt. Ausgeschlossen werden konnte die Überlegung, dass durch einen zunehmenden Anteil an Patienten mit MiH eine Abnahme des Anteils von Manifestationen mit DKA bei deutschen Patienten kaschiert wurde.

Über die Ursachen des häufigeren Auftretens einer DKA bei Kindern und Jugendlichen mit MiH kann nur spekuliert werden: Möglicherweise werden Erstsymptome verzögert wahrgenommen, eine genaue Anamnese könnte durch die Sprachbarriere verhindert werden, Patienten werden eventuell später einer ärztlichen Untersuchung zugeführt oder Patienten haben einen erschwerten Zugang zu ärztlicher Versorgung (26).

Wie von anderen Erkrankungen (zum Beispiel Adipositas) bekannt, sind Gesundheitsrisiken von Kindern mit dem sozioökonomischen Status ihrer Familien verknüpft (27, 28). Familien mit MiH sind diesbezüglich oft benachteiligt. So überrascht es nicht, dass Kinder und Jugendliche mit Diabetesmanifestation und MiH offenbar gesundheitlich stärker gefährdet sind.

Bedeutung der Gesundheitskompetenz für die Prävention

Die frühzeitige Diagnose einer Diabetes-Neuerkrankung ist entscheidend für die Vermeidung von schwerwiegenden Komplikationen (29). Typische Symptome werden häufig als „auffälliges Verhalten“, jedoch nicht als krankheitswertig eingestuft (30). Die Kenntnis der Erstsymptome dürfte in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich sein, ähnlich wie die Gesundheitskompetenz allgemein vom Alter, vom Bildungsniveau, von der Lesefähigkeit, vom Migrationshintergrund und vom sozioökonomischen Status abhängig ist (31). Daten über den sozioökonomischen Status konnten aufgrund unvollständiger Erfassung im DPV-Register für diese Studie leider nicht herangezogen werden.

Regionale Unterschiede, Informationskampagnen, Früherkennungsstudien

In einzelnen Bundesländern scheinen unterschiedliche Trends zu bestehen. Beispielhaft wurden die Daten für Baden-Württemberg und Bayern ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass der Anteil von DKA in Baden-Württemberg etwas gesunken ist, während in Bayern im Beobachtungszeitraum keine Veränderung festzustellen war (Grafik 1). Der Anteil schwerer DKA lag in beiden Bundesländern konstant bei 6,8 %. Hintergründe für solche regionalen Unterschiede können mit den uns zur Verfügung stehenden Beobachtungsdaten nicht geklärt werden. Möglicherweise spielen Aktivitäten regionaler Qualitätszirkel und Selbsthilfegruppen, Fortbildungsveranstaltungen und Aufklärungskampagnen, wie zum Beispiel in Stuttgart (16), eine Rolle.

Eine verstärkte Aufklärung war auch in Italien zeitweise erfolgreich (32), zeigte aber keinen anhaltenden Effekt (22). In Australien (33) konnte durch eine zweijährige Informationskampagne eine Senkung der DKA-Rate von 38 auf 14 % erreicht werden. In Österreich zeigte sich keine klare Reduktion der DKA-Rate durch verstärkte Aufklärung (34).

Mit Screening-Projekten, wie sie in Deutschland aktuell in Bayern, Niedersachsen und Sachsen angeboten werden (15, 35, 36, 37, 38), verbindet sich die Hoffnung, die DKA-Raten zu senken. Es handelt sich dabei um genetische Untersuchungen bei der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten (35, 37) beziehungsweise um ein Screening auf B-Zell-Antikörper bei den Vorsorgeuntersuchungen (15, 36, 38).

Exemplarisch sei hier die Fr1da-Studie in Bayern genannt (38). Seit 2015 wurden über 90 000 Kleinkinder in diese Studie eingeschlossen. 62 der als Risiko-Kinder identifizierten Teilnehmer waren zwischen 2015 und 2019 an einem klinisch manifesten T1D erkrankt. Nur zwei von ihnen (3 %) zeigten Anzeichen einer DKA bei der Manifestation (38). Ein Einfluss auf die DKA-Häufigkeit ist in Bayern aber (noch) nicht erkennbar. Möglicherweise ist die Zahl der eingeschlossenen Kinder noch zu gering (38) und die Beobachtungszeit zu kurz, um ihre Wirksamkeit auf Populationsebene beurteilen zu können.

Validität der erhobenen Daten

Die in unserer Erhebung ansteigenden Absolutzahlen (Grafik 1) der Kinder und Jugendlichen mit Diabetesmanifestation in den Jahren 2000–2019 spiegeln einerseits den Anstieg der Inzidenz des T1D wider, andererseits wurde die Erfassung durch die DPV-Datenbank vollständiger: Rund 80 % der pädiatrischen T1D-Patienten (0–20 Jahre) werden in DPV dokumentiert, sodass die Auswertungen als repräsentativ betrachtet werden dürfen.

Die Auswertungen der DPV-Daten hinsichtlich der DKA-Raten bei der Manifestation zeigen Schwankungen von Jahr zu Jahr. Am stärksten ausgeprägt ist dies für das Jahr 2010. Diese Besonderheit könnte durch die Grippewelle des Jahres 2009 ausgelöst worden sein, die zu einem veränderten Infektionsgeschehen im Jahr 2010 geführt hat (39). Eine mögliche Erklärung wäre, dass die Autoimmunreaktion Startpunkt eines T1D sein kann und die klinische Manifestation häufig durch einen Infekt getriggert wird, die Grippe aber eine erhöhte Immunität hinterlassen haben kann. Ein ähnlicher Zusammenhang wurde 1996 beobachtet (17).

Schlussfolgerungen

Die über die Jahre 2000–2019 lange unveränderte, zuletzt ansteigende Rate an Diabetesmanifestationen mit Ketoazidose bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland entspricht nicht den Erwartungen an ein modernes Gesundheitssystem. Die Ursachen für das Ausbleiben einer Verbesserung sind unklar. Sorge bereitet, dass ein bereits erreichtes Qualitätsniveau nicht verbessert, ja vielleicht nicht einmal gehalten werden kann, nämlich die relativ frühzeitige Diagnose einer Diabeteserkrankung bei Kindern und Jugendlichen.

Auf den zunehmenden Anteil an Patienten mit MiH ist der ausgebliebene Abfall nicht zurückzuführen, obwohl Patienten mit MiH ein signifikant höheres Risiko tragen, eine Ketoazidose bei der Manifestation eines Diabetes zu entwickeln. Entsprechend sollten (Kinder-)Ärzte, aber auch Betreuer und Lehrer Kindern mit MiH bei gesundheitlichen Beschwerden besondere Aufmerksamkeit schenken, um schwerwiegende Erkrankungen nicht zu übersehen.

Um eine frühzeitigere Diagnose eines Typ-1-Diabetes – vor der Entwicklung einer DKA – zu erreichen, existieren unterschiedliche Ansätze:

  • Zeitlich nicht begrenzte Aufklärungskampagnen zur Verbesserung der Kenntnisse über die Erstsymptome einer Diabetesmanifestation im Gesundheitswesen und in der Bevölkerung
  • Identifizierung von Risikopersonen mit familiärer Belastung für T1D oder mit einem erhöhten genetischen Risiko. Über diesen Ansatz kann aber nur ein Teil der späteren Patienten erfasst werden.
  • Bevölkerungsweites Screening durch Untersuchung von T1D-assoziierten Autoantikörpern
  • Besondere Aufmerksamkeit für frühe Zeichen eines T1D bei Patienten mit erhöhtem Risiko (beispielsweise familiäre Belastung mit T1D, Autoimmunerkrankungen wie auch Zöliakie).

Möglicherweise ist die Diabetesmanifestation mit DKA nicht nur die Folge einer zu späten Reaktion auf Erstsymptome, sondern, zumindest bei einem Teil der Fälle, Ausdruck einer speziellen Diabetesverlaufsform mit besonders rascher Zerstörung der Betazellen, wie das gehäufte Auftreten und die oft rasche Entwicklung bei Kleinkindern vermuten lässt. Bereits 2013 wurden besonders aggressive Verlaufsformen im Kleinkindalter aufgrund epidemiologischer Beobachtungen vermutet (34). Dennoch scheint die DKA kein unausweichliches, schicksalhaftes Ereignis zu sein, wie die niedrigen Raten in Schweden belegen.

In jedem Fall sind Kenntnisse über die Erstsymptome einer Diabetesmanifestation sowohl in der Bevölkerung als auch in der gesamten Ärzteschaft essenziell und können dazu beitragen, die Zahl schwerer Ketoazidosen bei Kindern und Jugendlichen zu reduzieren.

Interessenkonflikt
Prof. Neu erhielt Honorare für Vortrags- und Beratertätigkeit von Novo Nordisk, Roche, Lilly und Abbott.

Dr. Sindichakis bekam Vortragshonorare von Nova Biomedical GmbH.

Dr. Dost wurde für Vorträge honoriert von der RG Gesellschaft für Information und Organisation mbH.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 25. 8. 2020, revidierte Fassung angenommen: 25.1. 2021

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Hugo Segerer
Dr. med. Michael Wurm
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Regensburg
Klinik St. Hedwig
Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg
Steinmetzstr. 1–3, 93049 Regensburg
hugo.segerer@gmail.com

Zitierweise
Segerer H, Wurm W, Grimsmann JM, Karges B, Neu A, Sindichakis M, Warncke K, Dost A, Holl RW: Diabetic ketoacidosis at manifestation of type 1 diabetes in childhood and adolescence—incidence and risk factors.
Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 367–72. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0133

►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de

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Lehrstuhl für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Regensburg, Klinik St. Hedwig, Krankenhaus Barmherzige Brüder: Prof. Dr. med. Hugo Segerer, Dr. med. Michael Wurm
Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie, ZIBMT, Medizinische Fakultät der Universität Ulm: Dr. biol. hum. Julia M. Grimsmann, Prof. Dr. med. Reinhard W. Holl
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), München-Neuherberg: Dr. biol. hum. Julia M. Grimsmann, Prof. Dr. med. Reinhard W. Holl
Sektion Endokrinologie und Diabetes, Medizinische Fakultät der RWTH Aachen: Prof. Dr. med. Beate Karges
Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin, Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg: Prof. Dr. med. Beate Karges
Universitätskinderklinik Tübingen: Prof. Dr. med. Andreas Neu
Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin, Kliniken Südostbayern, Traunstein: Dr. med. Marina Sindichakis
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderklinik München Schwabing,
Technische Universität München, Fakultät für Medizin: PD Dr. med. Katharina Warncke
Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt: PD Dr. med. Katharina Warncke
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Jena: Dr. med. Axel Dost
Anteil (%) von Patienten mit einer diabetischen Ketoazidose (pH < 7,3, blaue Linie) beziehungsweise einer schweren Ketoazidose (pH < 7,1, rote Linie) bei Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 in den Jahren 2000–2019
Grafik 1
Anteil (%) von Patienten mit einer diabetischen Ketoazidose (pH < 7,3, blaue Linie) beziehungsweise einer schweren Ketoazidose (pH < 7,1, rote Linie) bei Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 in den Jahren 2000–2019
Anteil (%) von Patienten mit diabetischer Ketoazidose mit Migrationshintergrund (dicke Linien, grün: pH < 7,3; gelb: pH < 7,1) in den Jahren 2000–2019
Grafik 2
Anteil (%) von Patienten mit diabetischer Ketoazidose mit Migrationshintergrund (dicke Linien, grün: pH < 7,3; gelb: pH < 7,1) in den Jahren 2000–2019
Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund: Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für eine Ketoazidose (pH < 7,3) bzw. eine schwere Ketoazidose (pH < 7,1) bei der Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 assoziiert sind
Tabelle
Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund: Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für eine Ketoazidose (pH < 7,3) bzw. eine schwere Ketoazidose (pH < 7,1) bei der Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 assoziiert sind
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