ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2021Fortgeschrittenes Urothelkarzinom: Enfortumab Vedotin verlängert durchschnittliches Gesamtüberleben um drei Monate

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Urothelkarzinom: Enfortumab Vedotin verlängert durchschnittliches Gesamtüberleben um drei Monate

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Science Photo Library/WEBPATHOLOGY
Foto: Science Photo Library/WEBPATHOLOGY

Invasive Harnblasenkarzinome sind zu > 90 % Urothelkarzinome, erkannt bei circa ¹/3 der Patienten erst in inoperablen oder metastasierten Stadien. Als systemische Therapien haben sich Cisplatin-basierte Kombinationen etabliert, in der Zweitlinie Paclitaxel, Docetaxel oder auch Vinflunin. Die medianen Überlebenszeiten liegen dann bei 6–7 Monaten. Mit Checkpointinhibitoren (CPI) lassen sich in der Zweitlinie mediane Gesamtüberlebenszeiten von 10–11 Monaten erreichen. Selten aber ist ein Ansprechen von Dauer.

Enfortumab Vedotin (EV) ist ein Konjugat aus einem Antikörper gegen Nectin-4, das auf Urothelkarzinomzellen exprimiert wird, und dem Zytostatikum Monomethyl-Auristantin E. In der prospektiven, randomisierten offenen Phase-3- Studie EV-301 ist bei Patienten mit inoperablem oder metastasiertem Urothelkarzinom EV mit einer Chemotherapie verglichen worden. Die Teilnehmer mussten eine platinbasierte Chemotherapie erhalten haben und während oder nach Behandlung mit Checkpointinhibitoren progredient geworden sein. EV wurde i.v. an den Tagen 1, 8 und 15 eines 28-Tage-Zyklus gegeben, die Chemotherapie (Docetaxel, Paclitaxel oder Vinflunin) jeweils an Tag 1 eines 21-Tages-Zyklus.

608 Patienten wurden randomisiert: 301 erhielten EV und 307 eine Chemotherapie. Das Durchschnittsalter der Gesamtgruppe betrug 68 Jahre. Fast 80 % der Patienten hatten Viszeralmetastasen.

Bei der präspezifizierten Interimsanalyse nach median 11,1 Monaten betrug das mediane Gesamtüberleben im EV-Studienarm 12,88 Monate und im Chemotherapiearm 8,97 Monate. Das entsprach einer Hazard Ratio (HR) von 0,70 ([95-%-Konfidenzintervall] [0,56; 0,89]; p = 0,001). Das progressionsfreie Überleben lag bei median 5,55 Monaten in der Gruppe mit EV-Behandlung und bei median 3,71 Monaten unter Chemotherapie (HR für Progression oder Tod: 0,62 [0,51; 0,75]; p < 0,001). Unerwünschte Effekte ≥ Grad 3 waren in beiden Studienarmen mit 51,4 % und 49,8 % vergleichbar häufig. Für EV sind makulopapulöses Exanthem, Müdigkeit, Zytopenien und Anämie die häufigsten unerwünschten Effekte.

Fazit: „Die therapeutischen Optionen beim fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinom haben sich in den letzten 5 Jahren erfreulich erweitert“, kommentiert Prof. Dr. med. Jürgen E. Gschwend, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar, TU München. Nach Zulassung von Checkpointinhibitoren nach einer platinbasierten Chemotherapie oder bei Patienten, die für Cisplatin nicht geeignet sind, erfolgte zuletzt die Zulassung für eine Erhaltungstherapie mit dem CPI Avelumab nach induktiver Chemotherapie. Problematisch ist aber weiterhin die Therapie in späteren Linien. Hier zeigt die aktuelle Phase-3-Studie für Enfortumab Vedotin überzeugende Ergebnisse im Vergleich zum zugelassenen Standard Vinflunin und den Substanzen Docetaxel und Paclitaxel. Die zu erwartende Zulassung erweitert die therapeutischen Optionen in diesem Krankheitsstadium bei relativ guter Verträglichkeit signifikant.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Powles T, et al.: Enfortumab Vedotin in previously treated advanced urothelial carcinoma. N Engl J Med 2021; 384: 1125–35.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote