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Medizinischer Fakultätentag 2021: Vernetzt und flexibel

Richter-Kuhlmann, Eva

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Auf ihrem virtuellen Jahrestreffen zogen die Medizinischen Fakultäten ein positives Fazit: Den Universitätskliniken und Fakultäten gelingt es, die COVID-19-Pandemie und ihre Folgen zu bewältigen. Sowohl Krankenversorgung als auch Forschung und Lehre laufen weiter – trotz Änderungen.

Darüber, wie die Pandemie die Hochschulmedizin verändert hat, diskutierten Sandra Ciesek, Helge Braun und Matthias Frosch (von links nach rechts). Fotos: MFT
Darüber, wie die Pandemie die Hochschulmedizin verändert hat, diskutierten Sandra Ciesek, Helge Braun und Matthias Frosch (von links nach rechts). Fotos: MFT

Spurlos ist die COVID-19-Pandemie keineswegs an der Hochschulmedizin vorübergegangen. Es gab während des vergangenen Jahres viele Veränderungen: auf den Stationen der Universitätskliniken bei der Krankenversorgung, in den Laboren und Forschungseinrichtungen sowie bei der Ausbildung der Medizinstudierenden, die seit fast drei Semestern größtenteils digital erfolgt.

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Das Fazit des diesjährigen Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages (oMFT), der am 3. Juni in einem Studio in Berlin virtuell stattfand, war dennoch positiv. Vernetzung und Flexibilität – dies seien die Parameter gewesen, die den Universitätskliniken und Fakultäten geholfen hätten, die COVID-19- Pandemie und ihre Folgen gut zu bewältigen, sagte Prof. Dr. med. Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). Die Universitätsmedizin habe an den meisten Standorten zentrale Steuerungs- und Koordinierungsaufgaben übernommen und im Versorgungsalltag bestehende Sektorengrenzen überwunden. „Ich bin beeindruckt, wie schnell wissenschaftlich fundierte Leitlinien zur Behandlung von COVID-19-Patienten entwickelt worden sind und wie gut die Administrationsabläufe an den Fakultäten und in den Gremien umgestaltet werden konnten“, betonte er.

Würdigung erfuhren die Leistungen der Hochschulmedizin auch von der Politik: „Die Universitätsmedizin ist die Spinne im Netz der regionalen Versorgung, von ihr gingen und gehen während der Pandemie viele Initiativen aus, auch bezüglich der Schulung von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Umgang mit Coronapatienten“, lobte der Chef des Bundeskanzleramts und Arzt, Helge Braun (CDU). „Ich bin stolz auf das medizinische Versorgungssystem in Deutschland.“

Gestärkt aus der Krise

Die Krise habe aber auch gezeigt, dass die Versorgung der Bevölkerung nicht durch einzelne Akteure bewältigt werden könne, sondern dass es auf eine Expertise in der Breite und flexible Vernetzungsinstrumente ankomme, erklärte Frosch. „Diese Netzwerke sollten wir erhalten und ausbauen.“

Positiv sei in der Rückschau auch, so Frosch, dass es der Universitätsmedizin trotz der Pandemie gelungen sei, neben der herausfordernden Krankenversorgung auch weiterhin Forschung zu betreiben. Dies verdeutliche die hohe Leistungsfähigkeit der Universitätsmedizin, aber auch die Qualität der von ihr ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte. „Ferner ist bemerkenswert, wie schnell die Curricula umgestellt werden konnten: Die Medizinstudierenden haben kein Semester verloren, es gab auch keine Leistungseinbrüche bei den Prüfungen“, betonte der MFT-Präsident.

Gleichzeitig wies Frosch auf den nach wie vor hohen Investitionsbedarf der Hochschulmedizin hin. Die universitätsmedizinischen Einrichtungen hätten häufig die regionale Verantwortung für das Management des Pandemiegeschehens übernommen und über die Sektorengrenzen hinweg entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Dabei hätten die Universitätskliniken hohe Identität mit ihrer Region gezeigt, betonte der MFT-Präsident. „Es ist jedoch fraglich, wie lange die Versäulung der Versorgungsstrukturen noch tragbar ist“, warnte er.

„Nach der Pandemie wird sicher eine Analyse der Strukturen notwendig sein“, meinte auch Prof. Dr. med. Sandra Ciesek, Virologin und Infektionsepidemiologin an der Universität Frankfurt/Main. Optimierungsbedarf besteht nach ihrer Ansicht auch bezüglich der Wissenschaftskommunikation. An diese sollte insbesondere auch der Nachwuchs besser herangeführt werden. „Wir haben viele Medienanfragen an der Fakultät“, berichtete die Forscherin. Glücklicherweise habe ihre Universität eine gute und professionelle Presseabteilung, die den Medizinerinnen und Medizinern rate, ob und wann es sinnvoll sei, sich als Wissenschaftler zu präsentieren.

„Das Interesse der Öffentlichkeit an unserer Arbeit hat sich deutlich verstärkt“, sagte sie. „Wissenschaft wird bewusster wahrgenommen.“ Das könne positiv, aber auch negativ sein. „Manchmal werden wissenschaftliche Studienergebnisse auch zerredet, wenn einigen Menschen die Ergebnisse nicht passen.“

„Wir haben während der Pandemie viel gelernt“, bestätigte auch Braun. „Insbesondere zeigte sich, welch hohen Einfluss Wissenschaftsgesellschaften auf die öffentliche Diskussion haben.“ Die Bürger seien daran interessiert, was Wissenschaft zu sagen habe, jedoch nicht an einem Meinungsstreit, sondern an abgestimmten Stellungnahmen von Akademien und Fachgesellschaften. „Wir brauchen eine aktive Wissenschaftsgesellschaft, die den Menschen bei der Einordnung hilft“, betonte der Arzt und Politiker.

Ein weiteres Schwerpunktthema des diesjährigen oMFT war die Nationale Dekade gegen Krebs, mit der innerhalb von zehn Jahren die Krebsforschung, -prävention und Früherkennung gestärkt und der Transfer von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis beschleunigt werden soll.

Derzeit werden dazu neben Heidelberg und Dresden vier neue Standorte des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) als langfristig angelegte Kooperationen zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und exzellenter Onkologie in der Hochschulmedizin aufgebaut, und zwar in Berlin, Köln/Essen, Tübingen/Stuttgart-Ulm sowie in Würzburg mit den Partnern Erlangen, Regensburg und Augsburg. Für Prof. Dr. med. Angelika Eggert, Berliner Standortsprecherin im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), hält es dabei insbesondere für wichtig, die gesamte Region einzubeziehen und die Grundlagen für Vernetzung zu legen. „Die Netzwerke werden der Schlüssel zum Erfolg sein“, meinte sie.

Herausforderungen für die Universitätsmedizin sind derzeit die Nationale Dekade gegen Krebs und die Reform des Medizinstudiums. Ihnen waren zwei weitere Sessions des virtuellen ordentlichen Medizinischen Fakultätentages 2021 gewidmet.
Herausforderungen für die Universitätsmedizin sind derzeit die Nationale Dekade gegen Krebs und die Reform des Medizinstudiums. Ihnen waren zwei weitere Sessions des virtuellen ordentlichen Medizinischen Fakultätentages 2021 gewidmet.

Diese Ansicht vertrat auch Prof. Dr. med. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, der der Podiumsdiskussion live zugeschaltet war. „Die Nationale Dekade gegen Krebs ist erstmals die Möglichkeit, alle Akteure zusammenzubringen und die Verknüpfung von Versorgung und Forschung auf internationales Niveau zu heben“, erklärte er. Aber nicht nur Versorgung von Krebspatienten dürfe im Fokus stehen: „Die Prävention hat einen besonderen Stellenwert und einen erheblichen Nachholbedarf, sie sollte eigener Schwerpunkt sein“, betonte Baumann. Deshalb solle auch ein nationales Krebspräventionszentrum entstehen, das mit seiner Expertise in die Fläche gehen müsse.

„Wir müssen uns in Deutschland als Forschungsstandort nicht verstecken. Es gibt viele internationale Bewerbungen“, erklärte Prof. Dr. med. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen. Oft scheitere es aber an der Finanzierung der universitären Strukturen. Der Sparzwang, der den Kliniken auferlegt werde, sei ein Hemmschuh im Kampf gegen den Krebs, kritisierte er. Verbessert werden müsse auch die Umsetzung der Digitalisierung und die Verknüpfung von Daten. „Wir haben viele einzelne gute Big-Data-Programme, die allerdings zusammengeführt werden müssen“, so Pichler. Zudem müssten auch periphere Krankenhäuser und die niedergelassenen Ärzte einbezogen werden, um Prävention und Nachsorge von Krebspatienten im Blick zu behalten.

Dritter Schwerpunkt des oMFT 2021 war das Medizinstudium. Die Fakultäten verwiesen auf den jetzt vorliegenden Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) 2.0, der eine bundesweit einheitliche Grundlage für ein Kerncurriculum Medizin und die Reform des Medizinstudiums bildet. Er definiere ein klares Absolventenprofil und Arztbild, ermögliche aber den Fakultäten die selbstbestimmte Ausgestaltung ihrer Curricula, erläuterte MFT-Vizepräsidentin Prof. Dr. med. Martina Kadmon. Dies müsse für die Profilbildung der Standorte genutzt werden, war sich Kadmon mit den diesjährigen Ars-legendi-Fakultätenpreisträgern für exzellente Lehre in der Hochschulmedizin, Dr. med. Caroline Klingner, Jena, und Dr. med. Jobst-Hendrik Schultz, Heidelberg, einig. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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