ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2021G-7-Gipfel: 50 Milliarden Dollar gegen Corona

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G-7-Gipfel: 50 Milliarden Dollar gegen Corona

dpa; Reichardt, Alina

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Im Vorfeld der Regierungsspitzen trafen sich in der vergangenen Woche die Gesundheits- und Finanzminister. Der Vorschlag von vier mächtigen Weltorganisationen sorgte für Aufsehen.

Pandemiegruß: Der britische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Matt Hancock heißt seinen deutschen Amtskollegen Jens Spahn willkommen. Foto: picture alliance/empics/Stefan Rousseau
Pandemiegruß: Der britische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Matt Hancock heißt seinen deutschen Amtskollegen Jens Spahn willkommen. Foto: picture alliance/empics/Stefan Rousseau

Vier der mächtigsten Organisationen der Welt fordern von den wohlhabenden Nationen einen Einsatz von 50 Milliarden US-Dollar, um die COVID-19-Pandemie schnell zu beenden. Den Plan stellte Kristalina Georgieva, Chefin des Internationaler Währungsfonds (IWF) im Vorfeld des G-7-Gipfels der Staats- und Regierungschefs vor. Gemeinsam mit der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO, der Weltbank und der Welthandelsorganisation WTO werde man alle Voraussetzungen dafür schaffen.

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Die Gelder sollen teils als Zuschüsse an ärmere Länder fließen, aber auch in die Impfinitiative COVAX. Mit der entsprechenden Summe sei es möglich, bis zur ersten Hälfte 2022 bis zu 60 Prozent der Bevölkerung in allen Ländern zu impfen. Derzeit würden in Niedriglohnländern 63 000 Menschen am Tag geimpft, in den G 7 Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, USA, Kanada und Japan seien es 4,5 Millionen, gab das Bündnis „People’s Vaccine Alliance“, zu dem etwa Oxfam gehört, vergangene Woche bekannt. Bei diesem Tempo werde es 57 Jahre dauern, bis auch die Bevölkerung armer Länder immunisiert sei.

Pragmatische Lösung finden

Der IWF-Plan sieht auch den langfristigen Aufbau von Infrastruktur für Therapie, Testung und Impfstoffproduktion in Zusammenhang mit COVID-19 vor. Dafür sei es nötig, „Hindernisse, die einer Ausweitung des Angebots im Wege stehen“, zu beseitigen, so die Autoren. Man rufe die Mitglieder der WTO auf, eine „pragmatische Lösung hinsichtlich des geistigen Eigentums“ zu finden.

Die Mehrheit der G 7 blockiert hier einen seit Oktober vorliegenden Antrag Indiens und Südafrikas, Patente für Impfstoffe freizugeben, damit diese in den Ländern des globalen Südens kostengünstig und ohne Restriktionen hergestellt werden können. Bisher haben sich dafür nur die USA offen gezeigt. Eine aktualisierte Version des Antrags wird in diesem Monat diskutiert.

Beim Treffen der G-7-Ge­sund­heits­mi­nis­ter im Vorfeld des Gipfels rief Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) dazu auf, Impfstoffe zu exportieren und zu spenden: „50 Prozent der in der Europäischen Union hergestellten Impfstoffe werden und wurden exportiert, weil wir sehr genau wissen: Wir sind erst sicher, wenn alle auf der Welt sicher sind.“

Großbritannien, das die G-7-Ratspräsidentschaft innehat, und die USA haben bisher kaum exportiert. Die USA planen jedoch, bis Ende Juni 80 Millionen Impfstoffdosen zu spenden. Insgesamt haben wohlhabendere Länder die Spende von rund 150 Millionen Dosen angekündigt, meist bis Ende des Jahres. „Wir brauchen das doppelte, und wir brauchen es schneller“, sagte Bruce Aylward, WHO-Koordinator für das COVAX-Dach-Programm, ACT Accelerator am 4. Juni. Er kritisierte, dass reiche Länder den Großteil des verfügbaren Impfstoffs aufgekauft hätten und für COVAX nicht genug bleibe.

In ihrer Abschlusserklärung einigten sich die Ge­sund­heits­mi­nis­ter darauf, bei künftigen Pandemien enger zusammenzuarbeiten. Spahn kündigte an, es sollten Strukturen aufgebaut werden, mit denen eine schnellere und effektivere Reaktion möglich ist: „Durch gemeinsame Anstrengungen von Staaten, Wissenschaft und Industrie soll es im Falle einer nächsten Pandemie gelingen, dass bereits nach 100 Tagen bezahlbare Tests breit verfügbar sind.“ In diesem Zeitraum solle auch eine Impfstoffproduktion starten sowie Studien für Medikamente beginnen. Zudem brauche die WHO „mehr Geld, mehr Einfluss, bessere Strukturen“. Es gebe Ideen für ein internationales Abkommen, das bis Mitte 2022 verabschiedet sein solle. Alina Reichardt mit dpa

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